Das Siegel des Olymps (Im Bann des Schicksals) (German Edition)
erneut zu bezwingen und ließ sie sich für den
Moment zurückziehen, als sie ihre unliebsame Stiefmutter entdeckte.
Der
Umhang ihrer tiefblauen Robe schliff über den Boden, als sie sich zur hölzernen
Bank gegenüber von ihr begab und sich fast schon übervorsichtig darauf niederließ.
Den Sonnengott schickte sie zögernd hinaus.
Keine
Zeugen – keine Tat.
Serena
wurde ganz anders zu Mute, als sich die dicken Eisengitter schlossen und Helios
um die Ecke bog. Noch nie hatte sie sich gewünscht, er solle bleiben, doch
jetzt tat sie es, dass ihre Stiefmutter sie aufsuchte, war schon schlimm genug,
doch dass sie nun auch noch mit ihr alleine war und ihre Hände und Füße
gefesselt waren, beunruhigte sie noch mehr.
Sie
hatte es mit einer Göttin zu tun mit einer eiskalten Göttin. Schwäche zeigen
war völlig ausgeschlossen und so blickte sie mit jener Selbstsicherheit zu ihr
auf, wie auch an jenem Tag, als sie das kühle Äußere der Göttin wenigstens für
einen kleinen Moment durchbrach.
„Entweder
bist du sehr mutig oder einfach nur töricht!“, flüsterte Hera dann leise, als
sie die Schritte des Sonnengottes in der Ferne verstummen hörte.
Ihre
kalten blauen Augen nagelten Serena an die Wand. Sie musterte die
zusammengekauerte Gestalt, die ihre Stieftochter sein sollte und atmete tief
durch. Ihre Stimme wies die übliche Strenge auf, die für sie typisch war und so
konnte Serena nicht deuten was sie fühlte.
„Du
hast nicht nur dein Leben gefährdet, sondern auch das aller Olympier!“, fuhr
sie nun schroff fort, als sie von Serena kein Wort vernahm, doch auch nun
erhielt sie keine Antwort.
Serena
drehte den Kopf wieder zur Seite und sah zum kleinen Fenster hinaus als wäre
die Göttin überhaupt nicht hier.
„Hast
du überhaupt eine Ahnung, was du angerichtet hast?“, fauchte Hera nun sichtlich
gereizt über Serenas Respektlosigkeit und sprang auf.
„Wie
kannst du so …?“
„Ich
weiß was ich getan habe!“, entgegnete die junge Halbgöttin plötzlich mit
erhobener Stimme und sah zu ihr auf.
Im
Dreck kauerte sie vor sich hin und blickte nun als wertlose Sterbliche zur
Herrscherin auf.
Hera
erwiderte ihre Blicke mit einem Funken Entsetzen in ihren Augen. Wie konnte sie
es wagen, sie so anzugehen?
„Dein
Vater hat alles wegen dir riskiert und du setzt es so leichtfällig aufs Spiel!“
„Und
ich würde es wieder tun!“, knirschte Serena sichtlich genervt, als sie das
Gefühl bekam, die Göttin wolle ihr ein schlechtes Gewissen einreden. Natürlich
tat es ihr leid, für ihren Vater, für Athene und auch für die anderen, doch sie
hatte ihre Vergangenheit zu verteidigen, ihre Familie, den Namen ihres Stiefvaters.
Eine
eisige Stille kehrte ein, in der keiner der beiden ein einziges Wort an den
anderen richtete.
Die
Göttin machte sogar Anstalten die Zelle wutentbrannt zu verlassen, doch sie
bewies, wie zu erwarten war, das für die kaltherzige Herrscherin typische
Durchhaltevermögen.
Sie
war, ebenso wie Serena, eine sture Persönlichkeit, die stets versuchte, den
eigenen Kopf durchzusetzen, doch bei der Halbgöttin stieß sie auf Granit. Sie
fürchtete sie nicht, sie respektierte sie nicht einmal, ein herber Rückschlag
für die sonst so taffe Olympierin.
„Soll
ich Dankbarkeit zeigen? Den letzten Funken Menschlichkeit, niederlegen, den ich
besitze, weil mein Vater so gnädig war mich her zu holen, um mich dann als
Bedienstete in diese Hölle zuschicken, in der es von Göttern nur so wimmelte?“
Hera
schüttelte aufgebracht den Kopf.
„Du
kannst froh sein, dass er dein Leben gerettet hat! Dein Ungehorsam ist keines
Wegs zu rechtfertigen!“
Serena
schluckte und sah wieder auf die Fesseln an ihren Händen hinab.
„Ich
rechtfertige meine Tat nicht. Ich verteidige lediglich die Menschen, die mir am
Herzen liegen, auch wenn das bedeutet, dass ich gehen muss …“, entfuhr es ihr
schließlich flüsternd, ehe sie ihre Beine an ihren Körper zog, ihre Arme um sie
schloss und sie in sich kehrte. Aus dem Seitenwinkel bemerkte sie, wie Hera
sich wieder langsam niederließ. Ihre Anspannung, die sie zu Beginn wahrgenommen
hatte, hatte sich gelegt und ließ die Göttin nun gelassener wirken.
Wieder
kehrte Schweigen ein. Nur das Zwitschern einiger großer Vögel, die draußen vorbeiflogen,
bewahrte die beiden vor vollkommener Stille.
„Du
bist eine wirklich eigenartige Person …“, fuhr Hera plötzlich mit viel
weicherer Stimme fort, als sie sich wieder erhob. Serena blickte wieder
Weitere Kostenlose Bücher