Das stählerne Geheimnis
Spion, um dessen Nähe sie wußten, auf eine falsche Fährte zu bringen. Besonders Bancroft war ein geschickter Gegenspieler, dessen Wirken der Attache öfter als einmal zu spüren bekommen hatte. Dem war es sicherlich zuzutrauen, daß er über so geheime Dinge, wie es diese Riesengeschütze doch waren, harmlos in einem öffentlichen Lokal plauderte. Aber … der Attache war beim Lesen zu der Stelle gekommen, wo Bancroft auch von seinem, Oburus, Bericht nach Tokio sprach. Würde der Kapitän das getan haben, wenn er wußte, daß jemand von der Gegenseite das Gespräch belauschte?
Sogar dafür ließ sich ein Grund finden. Die Erwähnung dieses Berichtes konnte raffinierte Arbeit sein, um die Unterredung besonders echt erscheinen zu lassen. Der Japaner vermochte zu keiner Klarheit zu kommen. Alles war möglich und alles doch so wenig wahrscheinlich. Mit einem leichten Seufzer ließ er das Blatt sinken und griff nach dem nächsten Bericht, der ihm von einem andern Agenten aus der Kanalzone zugegangen war.
»Die ›Vermont‹ bei der ›City of Frisco‹. Ein Kommando des Kreuzers an Bord des Frachtdampfers. Die Durchmusterang der Mannschaft und die Verhaftung der beiden Heizer …« Eine Falte bildete sich auf der Stirn des Attaches. Diese beiden Heizer gehörten zu seinen besten Agenten …
»Die ›Vermont‹ bis zum andern Ende des Kanals unmittelbar im Fahrwasser der ›City of Frisco‹.« Ein zwingender Beweis schien es dem Attache zu sein, daß das Marineamt an der Fracht der »City of Frisco« das größte Interesse nahm, daß es sich also doch wohl um neue geheime Rüstungsprojekte drehte, bei denen es sich nach all dem, was Oburu bereits über die in Trenton gegossenen Rohre in Erfahrung gebracht hatte, um irgendwelche phantastischen Riesengeschütze handein mußte.
Das war der zweite Bericht. Doch die Zweifel und Sorgen Oburus waren damit noch nicht zu Ende. Seine Hand griff nach einem dritten Schriftstück, das erst vor wenigen Stunden in seinen Besitz gekommen war. Ein Kurierflugzeug hatte es von Formosa nach Washington gebracht. Geschrieben hatte es ein Agent in Davao. Oburu durchblätterte es und las:
»Das neue Industriewerk von James William Roddington an der Bucht von Davao bedeckt ein Areal von einer englischen Quadratmeile. Über die hier beabsichtigte Fabrikation wurde folgendes ermittelt: Eine der großen Hallen dicht am Strand enthält Metallbearbeitungsmaschinen verschiedener Art. Die größte der Maschinen ist eine Drehbank, auf der Stücke mit Durchmessern bis zu drei Meter und bis zu einer Länge von hundert Meter bearbeitet werden können. Zur Zeit werden die Maschinen noch nicht benutzt…«
Oburu griff nach seinem Taschentuch und wischte sich die Stirn. Er hegte keinen Zwefel mehr, daß die geheimnisvollen Geschütze auf dieser Riesendrehbank weiterverarbeitet werden sollten. Etwas weniger klar schien ihm der nächste Abschnitt, in dem über große transportable Schweißanlagen berichtet wurde, die auch in der genannten Halle standen. Mit einem Kopfschütteln schlug er die Seite um, und sein Kopfschütteln wurde stärker, während er weiterlas. Von fünf weiteren Hallen war die Rede, in denen Holzbearbeitungsmaschinen von bisher noch nicht gesehenen Abmessungen aufgestellt wurden. Maschinen, die offensichtlich dazu bestimmt waren, das Holz zu verarbeiten, das bereits in Riesenmengen auf dem Gelände des neuen Werkes lagerte. Es stammte aus dem Waldgebiet in der Nähe der Bucht, das Roddington vor kurzem erworben hatte. Ausnahmslos handelte es sich dabei um das Holz des Balsa- oder Floßbaumes, das in gleicher Weise durch außergewöhnliche Festigkeit und Leichtigkeit ausgezeichnet ist. In den nächsten Absätzen sprach der Bericht die Ansicht aus, daß Roddington wohl im Begriffe stehe, unter Benutzung dieser wertvollen Holzart eine neue große Industrie aufzuziehen. Das Papier zitterte in der Hand Oburus, als er es umwandte. Er vermochte seiner inneren Erregung über alle diese rätselhaften Vorkommnisse und Dinge kaum noch Herr zu bleiben, während er die letzte Seite des Berichtes las. Sie betraf den Inhalt von drei weiteren Hallen, die für eine große Gummifabrik bestimmt waren. Knet- und Mischmaschinen in der ersten Halle, um den Rohkautschuk zu reinigen und mit den für die spätere Vulkanisierung notwendigen Zusätzen zu vermengen. Die eigentlichen Vulkanisierungsanlagen waren in der zweiten Halle, ein Lager von vielen Tausenden von Zentnern der für die Herstellung
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