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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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Jalon – es ist bekannt, daß er früher schon einmal das falsche Schiff nahm, weil er den Namen hübscher fand. Doch er schaffte es, Krasnegar zu erreichen, ging zum König und rief mich herbei.«
    »Doch ich verstehe nicht, wie Ihr von meiner Drachenseide wissen konntet«, wandte Inos ein.
    »Jalon hat sie am Tor gesehen. Ich habe schon gesagt, daß wir dieselben Erinnerungen haben.« Der alte Mann hielt einen Moment inne, als sei sie ein minderbemitteltes Kind, dann wandte er sich wieder an Kade. »Sobald ich Holindarn untersucht hatte, wußte ich, daß er nicht mehr lange leben würde. Ich glaube, das hatte er bereits vermutet. Ich brauchte Medizin, also mußte Jalon wieder nach Süden ziehen. Ich bin alt, versteht Ihr, und die anderen machen sich langsam Sorgen um mich, also übernehmen sie die Reisen für mich. Jalon entschied, es sei romantischer, über Land zu fahren.«
    »Und da kam ich ins Spiel«, sagte Rap und erinnerte sich an das Picknick in den Hügeln.
    Sagorn nickte. »Ich habt gegenüber Jalon okkulte Kräfte offenbart, und damit auch gegenüber uns allen. Ich habe schon erwähnt, daß wir versuchen, diesen Fluch loszuwerden. Wir könnten es auf zwei Arten versuchen – entweder könnten wir einen anderen Zauberer überreden, den Bann zu brechen, oder wir könnten genügend Worte der Macht herausfinden, um es selbst zu tun. Ich habe mein Leben lang mit diesem Ziel studiert und immer danach gestrebt, diese schwerfaßbaren Worte zu finden.« Er lächelte ein dünnes, zynisches Lächeln. »Ich war einmal der jüngste. Ich war zehn. Darad war zwölf, glaube ich.«
    »Aber…«
    Er zuckte die Achseln. »Aber ich war gerissen, und Darad war schon groß, also nahm Thinal uns in seine Bande auf. Wir brachen in Häuser ein – schon damals war Thinal ein geschickter Fassadenkletterer – bis wir eines Tages zufällig das Haus eines Zauberers aussuchten. Das war nicht besonders schlau! Seitdem habe ich die anderen nicht mehr gesehen.« Er schwieg und schien sich für einen Augenblick in seinen Erinnerungen zu verlieren. »Einer von uns ist immer da, die anderen vier sind es nicht. Leben bedeutet natürlich altern… Ich habe so viele Jahre in Bibliotheken und Archiven verbracht, daß ich jetzt bei weitem der älteste bin. Darad kommt fast nie in Schwierigkeiten, die er nicht lösen kann, also muß er selten um Hilfe bitten. Doch auch er spürt langsam die Jahre. Jalon ist leicht gelangweilt, also ruft er bald einen anderen von uns – aus irgendeinem Grund normalerweise Andor. Thinal… Thinal bleibt niemals lange. Er hat sich kaum verändert.«
    »Aber Ihr besitzt selbst okkulte Kräfte«, sagte Inos. »Hat der Zauberer sie Euch verliehen?«
    Er lachte geringschätzig. »Wenn Ihr jemals einen Zauberer kennengelernt hättet, würdet Ihr nicht fragen! Nein. Ich bezweifle, daß Ihr diese Geschichte hören wollt.«
    »Bitte sprecht weiter, Doktor«, sagte Tante Kade heiter. »Diese Geschichte ist äußerst interessant.«
    Er warf ihr einen berechnenden Blick zu. »Nun gut, Eure Hoheit. In Fal Dornin traf ich eine Frau in mittleren Jahren, die ein Wort der Macht kannte – ein einziges Wort. Ich rief Andor.«
    »Und er hat es ihr abgeschmeichelt?« fragte Inos giftig.
    Sagorn lächelte sein unheimliches Lächeln. »Er hat sie dazu verführt. Natürlich hatte es auf jeden von uns eine Wirkung. Ich wurde ein besserer Gelehrter, Jalon ein besserer Sänger und Darad ein tödlicher Kämpfer. Als er das nächste Mal auftrat, ging er nach Fal Dornin zurück, machte die Frau ausfindig und erwürgte sie.«
    Inos erschauerte. »Nein! Warum?«
    »Gott der Dummen!« Rap sprang auf und eilte zur Tür. Er legte den Riegel zur Seite und raste die Treppen hinunter. Köter folgte ihm mit federnden Schritten.
    »Rap!« kreischte Inos, doch zu spät.
     
    Sagorn lächelte düster. »Er ist hinuntergelaufen, um die unteren Türen zu verriegeln, nehme ich an. Master Rap hat die Sehergabe, wißt Ihr.« »Rap?« Der langweilige alte Rap? Der solide, gewöhnliche Rap?
    Er nickte. »In nicht unerheblichem Umfang. Darum hat Andor so große Mühen auf sich genommen, um sich seiner anzunehmen. Er muß ein Wort kennen, auch wenn er es abstreitet. Entweder ist es ein sehr mächtiges Wort, oder – ich frage mich, ob die Worte selbst verschiedene Eigenschaften haben und seines zufällig genau zu seinem angeborenen Talent paßt. Er hat eine erstaunliche Kontrolle über Tiere und ebenfalls eine außergewöhnliche Sehergabe. Dennoch scheint er

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