Dave Duncan
kannte!« Während er sprach, schien er immer wütender zu werden.
Erleichtert schenkte ihm Inos noch ein besänftigendes Lächeln. »Dann komm und laß uns sehen, was wir gegen diese Imps tun können.« Sie führte ihn zu den anderen zurück. Dieser verabscheuungswürdige Andor! Warum waren die Männer alle solche Lügner und Betrüger? Treulose!
Sie ging hinüber zu Sagorn, der sich höflich mit Kade unterhielt. »Nun«, verlangte sie zu wissen. »Was sollen wir tun?«
Sagorn kratzte sich nachdenklich am Kinn. »Ich denke, es gibt vier Möglichkeiten, hier herauszukommen.«
»So?« Inos fand das unglaublich, aber er schien zuversichtlich, also wurde der gefeierte Gelehrte vielleicht seinem Ruf gerecht.
»Der einfachste Weg würde einen freundlichen Zauberer erfordern. Ihr habt nicht zufällig einen zur Hand, oder?« Er lachte plump in sich hinein, wie ein weiser, alter Großvater, der kleine Kinder neckt.
Inos verspürte, wie eine Welle des Zorns über diesen Spott sie überkam. Rap spürte es auch und rollte die Augen.
Sagorn sah es und setzte einen düsteren Blick auf. »Zweitens könnten wir uns im obersten Zimmer verstecken und hoffen, daß der Aversionsbann hilft, aber er scheint nicht mehr so wirkungsvoll zu sein. Also haben wir nur noch zwei Möglichkeiten, nicht wahr?«
»Dieser Darad hat die Frau auf Fal Dornin getötet, um seine Macht zu stärken?« fragte Tante Kade, und einen Augenblick lang war Inos verblüfft.
Sagorn jedoch wandte sich Kade voller Überraschung und vielleicht auch Respekt zu. »Ja. Ein Wort auszusprechen, heißt, seine Wirkung schwächen.«
»Halbieren?«
»Nicht unbedingt halbieren, wie es scheint. Es ist mir ein großes Rätsel, warum es überhaupt geschwächt werden sollte; wenn Ihr Eurer Freundin Eurer Lieblingsrezept verratet, hat das keine Auswirkung auf Euren nächsten Kuchen. Selbst die angesehensten Schriften stimmen da nicht überein! Vielleicht würde die Kraft halbiert, wenn man der einzige wäre, der das Wort kennt. Würde die Weitergabe an einen Dritten dann die Macht um ein Drittel kürzen? Um ein Viertel, wenn es noch einer erführe? Ich weiß es noch nicht.«
Kade verstand all die Dinge nicht, die der alte Mann ihnen hingeworfen hatte, wobei er mit seinem knochigen, erhobenen Finger seine einzelnen Aussagen unterstützte, als habe er sein Wissen jahrelang in sich verschlossen und sei jetzt froh über die Zuhörer.
»Also nicht unbedingt um die Hälfte. Schließlich gibt es diese Worte schon sehr lange, und so ist jedes einzelne vielleicht schon vielen Leuten bekannt, vielleicht Dutzenden. Eine Person mehr macht da vielleicht keinen Unterschied mehr. Und wie könnte man Magie vergleichen oder abwägen? Das ist vermutlich genauso schwer wie bei der Schönheit. Kann man sagen, daß Jalon zweimal so gut singt wie irgendein anderer oder dreimal so gut? Daß ein Gedicht doppelt so poetisch ist? Dennoch
– ein geteiltes Wort wird geschwächt – bis jemand stirbt. Dann erstarkt die Macht der anderen wieder. Darum werden sie so selten weitergegeben und normalerweise nur auf dem Sterbebett verraten – wo Euer Vater Euch seines mitgeteilt hat?« Er schaute Inos unter seinen zerzausten weißen Augenbrauen an.
Sie zögerte und nickte schließlich.
»Ihr müßt gut darauf aufpassen! Für Euer Alter habt Ihr bemerkenswerte Standhaftigkeit gezeigt, Kind. Das hat Andor heute abend bemerkt, ebenso Yggingi. Ihr seid von königlichem Blut und eine sehr entschlossene junge Dame, doch die Worte haben eine Wirkung auf Menschen, sie sind wie eine Art Rüstung. Natürlich war sich keiner der beiden sicher, aber beide nahmen an, daß Euch das Wort mitgeteilt worden war.«
»Jeder außer mir scheint darüber Bescheid zu wissen!«
»Man hält sie immer geheim. Ich fand in einer sehr alten Schrift einen Hinweis auf das Wort in Krasnegar. Daher war ich – oder vielmehr Jalon
– waren wir die ersten, die herkamen und Euren Vater kennenlernten. Zu jener Zeit war er noch Kronprinz. Er und ich wurden Freunde, und wir unternahmen gemeinsam einige Reisen. Da ich wußte, daß er das Wort erben würde, sorgte ich dafür, daß er die anderen kennenlernte, damit er sie kannte, wenn sie ihn später verfolgten. Alle hatten natürlich das Gefühl, ich hätte sie verraten.« Er seufzte schwer. »Es sind nicht nur die bösen Erinnerungen der anderen, die mir eine schwere Last sind. Sie kennen auch meine, und ich kann vor ihnen keine Geheimnisse haben.«
Inos dachte darüber nach. Es war
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