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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Schoß oder Zins für die Fischereigerechtigkeit auf dem See zu zahlen hatte. So ging es durch Jahrhunderte hin. Erst 1722 kam es durch Tausch an den damals alle Territorien an der Nordostecke der Müggel innehabenden Geheimen Oberfinanzrat von Marschall, bei dessen Nachkommen es bis 1832 verblieb. In letztgenanntem Jahr erwarb es Heinrich von Treskow auf Dahlwitz, in dessen oder seiner Familie Besitz es sich auch gegenwärtig noch befindet.
    Rahnsdorf hatte, seiner schönen Lage halber, immer eine Anziehungskraft für die Residenzler, die hier, in einer zerstreuten Villenkolonie, die heiße Jahreszeit, insonderheit auch die Ferienwochen ihrer Kinder zuzubringen liebten.
    Im Geleite solcher Sommergäste befand sich in den letzten fünfziger Jahren auch ein hübscher, hoch aufgeschossener Blondkopf, von dem ich in nachstehendem erzählen möchte. Er war ein Wildfang, eitel und übermütig, und über den See schwimmen oder bei heraufziehendem Unwetter einen Kahn nehmen und windan rudern, all das zählte so recht eigentlich zu seinem Ferienglück. Einmal wollte man’s verbieten, aber einer der zufällig anwesenden Freunde des Hauses legte sich ins Mittel und sagte: »Wozu verbieten? Glauben Sie mir, es ist gleichgültig, was wir tun. Es gibt keine Sicherheiten und eigentlich auch keine Unsicherheiten. Unser Schicksal findet uns und faßt uns zu bestimmter Zeit und an bestimmter Stelle.«
    Dies sollte sich in Leben und Tod Alexander Anderssens bewähren.
    Alexander Anderssen, Fähnrich im 4. Ulanenregiment
     
    Erschossen zu Thionville am 29. Oktober 1870
    Alexander Anderssen, der Blondkopf, dessen die vorstehenden Zeilen erwähnten, ward am 19. November 1847 zu Berlin geboren. Mit dem zehnten Jahre kam er auf das Werdersche Gymnasium. Von frühauf zeigte er den Charakter, dem er bis zu seiner letzten Stunde treu blieb: er war nervös und energisch, lebhaft und verschlossen zugleich. »Nur nichts verraten« bildete die Devise seines Lebens, und Diskretion war die vornehmste seiner Tugenden. Gleichgiltig gegen Lob, war ihm der Tadel beinah erwünscht, sicherlich dann , wenn er ihm eingebildet oder wirklich das Gefühl seiner Unschuld entgegensetzen konnte. Mit Passion nahm er Dinge auf sich, die seine Kommilitonen verschuldet hatten; kam Strafe, so desto besser. Man kann von ihm sagen, daß er von Jugend auf die Leidenschaft des Martyriums besaß. All das kleidete ihm aber, weil es nichts Angeflogenes, sondern der Ausdruck seiner Natur war. Was vollends versöhnte, war, daß er nie feige umkehrte oder vor den Folgen seiner Handelsweise erschrak.
    1867 verließ er Berlin, um in Heidelberg Jura zu studieren. Es waren die ersten Semester, und sie verliefen, wie erste Heidelberger Semester zu verlaufen pflegen. Pedelle und Nachtwächter wußten alsbald von ihm zu erzählen, mehr noch die Schauspielerinnen, insonderheit die, denen er sich gemüßigt sah seine Gunst zu entziehn. In einem allerschlimmsten Falle, der ihn dann schließlich auch bis an die Grenze der Relegation brachte, ging er so weit, sich auf die Brüstung des ersten Ranges zu schwingen und, höhnisch in den Applaus des enthusiastischen Hauses einstimmend, mit seinen Füßen Beifall zu klatschen.
    Eine weitere Unterbrechung, die seine Studien erlitten, wenn von Unterbrechung überhaupt die Rede sein konnte, waren die Duelle, die gelegentlich in etwas zeitraubender Weise vor sich gingen. So ward eins derselben, das zwischen Königsberg und Heidelberg kontrahiert worden war, halben Weges, und zwar in Berlin, ausgefochten. Jeder Partner machte per Schnellzug achtzig Meilen; Rendezvous: Hasenheide. Man rieb sich den Schlaf aus den Augen und schoß sich. Die Kugeln gingen in die Luft. Aber wenn er seinen Gegner auch nicht getroffen hatte, so traf er dafür – eine Stunde später Unter den Linden – seinen Vater, der einigermaßen überrascht war, den im Heidelberger Kolleg Vermuteten an dieser Stelle zu finden.
    Ein anderes Vorkommnis dieses Studienjahres mag hier noch erzählt werden, weil es das heitere Gegenstück zu jenem Unternehmen ist, das zwei Jahre später seinem Leben ein Ende machte. Wer sich der Müh unterziehen will, zwischen den beiden Fällen zu vergleichen, wird sie bis in die kleinsten Züge hinein gleich finden. Nur die Zeitläufte waren anders geworden. Und daran ging er zugrunde.
    Der Sommer 1868 war der Pariser Ausstellungssommer. Ende Juni, an der Table d’hôte eines Heidelberger Hôtels sitzend, hörte er, wie der in den Salon tretende

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