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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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ruhig hin und fand sich darein, ohne der Ursache irgendwie neugierig nachzuforschen. Es erschien ihr von alter Zeit her als das Vorrecht vornehmer Leute, launenhaft zu sein und auf Sonne bedeckten Himmel und auf bedeckten Himmel wieder Sonne folgen zu lassen.
    Dieser Zeitpunkt von »wieder Sonne« kam denn auch rascher noch als erwartet und war das Resultat eines Pater Feßlerschen Briefes, an dessen Schlusse sich folgende Worte fanden:
    »Alles in allem, meine gnädigste Gräfin, würde der Eintritt dessen, was Ihnen als sorgenvolle Möglichkeit vorschwebt, nicht gerade das Schlimmste bedeuten, und zwar deshalb nicht, weil es Befürchtungen abschlösse, die beständig in Sicht zu haben beinahe unerfreulicher und jedenfalls beunruhigender ist, als sie sich erfüllen zu sehen. Es rechnet sich eben besser mit Tatsachen als mit Möglichkeiten. Außerdem, so mich nicht alles täuscht, ist die Wahl in mehr als einem Stück gut getroffen und die Seele der jungen Dame von einer Legierung, aus der eine Glocke werden kann, die klingt.«
    Bei der Abhängigkeit, in der die Gräfin seit so manchem Tag und Jahr von ihrem Beichtvater stand, schuf dieser Brief einen beinahe sofortigen Stimmungsumschlag und stellte Franziska gegenüber den Ton freundlichen Entgegenkommens wieder her, der seitens der alten Dame bis zu dem Eintreffen Graf Adams geherrscht hatte. Ja, sie war dieser Wandlung insoweit geradezu froh, als sie sich überhaupt ungleich mehr durch Pflichterwägungen und Klugheitsrücksichten als durch den Zug ihres Herzens zu Zurückhaltung und Kühle hatte bestimmen lassen. Dabei hing sie, Nächstliegendes überspringend, allerlei Lieblingsplänen, am meisten aber dem ihr ein besonderes Wohlgefühl schaffenden Gedanken einer Konversion nach. Und dieses Wohlgefühl steigerte sich noch, als eine halbe Woche später Pater Feßler selbst in Öslau eintraf, um, wie seine Sommergewohnheit war, große Fußpartien in die Berge zu machen, »aus Naturschwärmerei«, wie die Gräfin, »aus dem Wunsche, wieder schlanker zu werden«, wie der Graf behauptete.
    Regelmäßig auf diesen Partien sah sich der Pater von Graf Adam, der selber noch ein guter »Steiger« war, begleitet, und während sie so halbe Tage lang in den Bergen umherkletterten, war Franziska drüben bei der Gräfin und mühte sich, ihr durch Vorlesen oder Plauderei die Stunden der Einsamkeit zu verkürzen.
    Ein solcher Tag war auch heute wieder. Der Lehnstuhl der alten Dame war, als der Sonnenball eben zu sinken anfing, auf den Balkon geschoben worden, und von den Bergen her klang die Vesperglocke.
    Beide horchten hinüber und sahen dabei still auf den Glutstreifen, der noch über den Tannen hing. Als aber die Glocke eine Weile schwieg, sagte die Gräfin: »Ist es nicht schön? All das habt ihr nicht in eurem protestantischen Nebellande.«
    »Doch, gnädigste Gräfin, wir haben es auch. Wir nennen es nur anders.«
    »Und das wäre?«
    »Wir nennen es die ›Betglocke läuten‹, und ich habe selber unzähligemal an dem Glockenseil gezogen. Überhaupt möcht’ ich doch sagen dürfen, wir sind nicht voll so heidnisch, wie die gnädigste Gräfin glauben. Wir haben auch den Gekreuzigten, und jede Kirche hat sein Bild, zu dem wir andächtig aufblicken.«
    Die Gräfin lächelte halb ungläubig, aber doch halb auch wie freudig überrascht und sagte dann: »Ich habe mir erzählen lassen, in euren Kirchen hinge nur immer der Wittenbergische Doktor, den ihr den Reformator und Wiederhersteller der reinen Lehre nennt, und in mancher Gemeinde ginge man noch einen Schritt weiter und verehre bloß den preußischen König. Ich meine, den König Friedrich den Zweiten. Und man hat mir sogar gesagt – ich zögere freilich es nachzusprechen –, es gäbe Bilder, auf denen er wie Gott selber im Himmel säße mit seinen Generalen rund um sich her, und jeder Preuße glaube mehr oder weniger ernsthaft, daß sein großer König von dort aus regiere, bloß in der Absicht, sein Land immer größer zu machen.«
    »Ja, solche Bilder gibt es, gnädigste Gräfin, aber doch nicht in unseren Kirchen. In unseren Kirchen haben wir außer dem Christusbilde, von dem ich schon sprach, nur Kriegsdenkmünzen und große schwarze Holztafeln, auf denen mit weißer Schrift die Namen derer stehen, die für König und Vaterland gestorben sind. Und wenn uns die Predigt oder das oft sehr vielstrophige Lied, das gesungen wird, zu lange dauert, so lesen wir diese Namen, und es ist dann mitunter ein Glück, daß sie da

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