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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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beschrieben**').
    Von Zell fuhren wir dann noch weiter in die Steier-mark hinein, einen reizenden Weg durchs Mürz- und Murtal bis Leoben, wo eine Schwester meines Mannes mit ihrem Gatten, dem Konsistorialkanzler des Bis-tums, und einer blühenden, recht liebenswürdigen Tochter von 17—18 Jahren lebte. Aufs Liebevollste empfangen, brachten wir ein paar Tage dort zu und gewannen diese Nichte so lieb, daß wir beschlossen, die Eltern zu bitten, sie uns für einige Zeit nach Wien zu geben, was denn auch im nächsten Winter geschah, und sehr zu der Annehmlichkeit unsers häuslichen und ge-selligen Lebens beitrug.
    Der Winter von 1804 auf 1805 war auf die oben ge-schilderte Weise dahin gegangen. Im nächstfolgenden Sommer führten wir, ebenfalls über Maria Zell, das uns so sehr angezogen hatte, die gute Nichte, unsere liebe Charlotte (denn in unserm Hause regierte dieser Name vor allen, und nebst meiner Mutter, Nichte, Tochter, hießen ich, Streckfuß und Kurländer, folglich alle Glie-

    Maria Luigi Carlo Cherubini Anonymer Stich (Friedrich John?) — k. k. Fidei-Commiß-Bibliothek, Wien

    der des Hauses, Pichler allein ausgenommen, nach einem Namen) wieder zu ihren Eltern zurück, nachdem sie beinahe ein Jahr mit uns gelebt hatte und uns allen lieb geworden war. Nun sind nicht allein ihre beiden Eltern, sondern auch sie bereits lange tot, und nur in unsern Erinnerungen leben ihre Bilder noch.
    Der Herbst von 1805 fing an, sich wieder ernst und furchtbar zu gestalten. Der Krieg war aufs Neue aus-gebrochen. Große Zurüstungen wurden gemacht, aber, was man allgemein gehofft und gewünscht hatte, geschah nicht. Dem Erzherzog Karl wurde das Kom-mando nicht übergeben, sondern dem General Mack, der freilich in frühern Feldzügen sich als einen ver-dienstvollen Feldherrn bewiesen, dennoch aber in dem, italienischen Kriege und bei der Annäherung der Feinde im Jahre 1797, wo er zur Verteidigung von Wien gerate:; hatte, der Welt Ursache zu gerechtem Miß-trauen, nicht sowohl in seine Kenntnisse oder seine Bravour, als eigentlich in die Klarheit und Unbefangen-heit seines Geistes, gegeben hatte. Denn seine heftigen Nerven- und Kopfleiden erregten nicht ohne Grund die Mutmaßung, daß seiner Ansicht oder seinem Ur-teil nicht allemal unbedingt zu vertrauen sei, und der Erfolg hat diese ängstHche Besorgnis nur zu sehr be-stätigt **8).
    Ein abscheuUches Herbstwetter, mit Kälte, Nebel und unaufhörhchem Regen, der den ausmarschieren-den Truppen unendlich beschwerHch fiel, war schon das erste ungünstige Vorzeichen kommender Un-glücksfälle. Des (damaligen) Kurfürsten von Bayern Widerspruch, der unsern Truppen, dem Heere seines Kaisers, den Durchzug durch sein Land weigerte, un-ter dem Vorwand, daß sein Kurprinz (der jetzige

    18 c. P. I
    König) sich in der Macht der Franzosen, und folgl^^i, wenn des Vaters Teilnahme an deif: FeindseHgk'eiten ihnen mißfiele **'), in Gefahr befände, war def.fweite Schlag, und mit ängstlich besorgtem Gemüte bHcktö man einer Zukunft und der Entscheidung eines Feld-zuges entgegen, welcher schon unter so ungünstigen Umständen begann.
    Napoleon hatte indessen schnell das Lager bei Bou-logne aufgehoben, und seine Armee marschierte mit Sturmeseile nach Deutschland. Es fand die Affäre bei Ulm statt, Mack ergab sich mit der ganzen Armee *^°), das Kavalleriekorps ausgenommen, mit welchem sich der Erzherzog Ferdinand *^^) mitten durch die franzö-sische Armee durchschlug, und nun war das Unglück des Feldzugs und Österreichs entschieden. Die Reste unserer Armee, die noch nicht ganz hinausgelangt waren, zogen sich mit der größten Schnelligkeit zurück, verfolgt von dem siegreichen, ungestüm nachsetzen-den Feind; denn was unsere Armee getan hatte, um Bayerns späterklärte Neutralität zu respektieren, taten die Preußen nicht oder Napoleon achtete nicht darauf, und so durchzog seine Armee das Anspachische Gebiet und drang bis nach Österreich, bis Krems, wo der wackere General Schmidt ihnen noch mit der letzten Kraft tapfern Widerstand leistete und seinen Helden-mut mit seinem Tode besiegelte*^*).
    Mit Angst, mit bangem Zweifel und peinlicher Er-wartung sah die Bevölkerung der Hauptstadt der An-näherung der Feinde entgegen. Wieder wie 1797 wog-ten die Gemüter im Sturme der Empfindungen auf und ab. — Dableiben oder flüchten ? nach Böhmen oder Ungarn ? auf wie lange ? mit welchen Mitteln ? welche Vorkehrungen hier zu treffen ? Vergraben der
    Habseligkeiten ? Absendung des Kostbarsten

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