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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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Geogra-phie fremder Länder hieß ihnen Korneuburg u'^d Brunn, der Manhartsberg und das Riesengebirge bloß au delä du Danube. Es kamen nun, andere Truppen, und in unsere Vorstadt ein holländisches Regiment, dessen Oberster, mit Namen Bruce **"), bei uns einquar-tiert wurde. Nichts war auffallender als der Kontrast der französischen und holländischen Gestalten, so wie das Benehmen der Franzosen und Holländer selbst. Jene leichten, schlanken, dunklen Männer, mit dunklen, lebhaften Augen und sprechenden Zügen, wenn gleich das, was diese ^ Züge aussprachen, nicht immer etwas Gutes oder Vertrauenerweckendes war, hatten großen, starken Figuren mit blonden Haaren Platz gemacht, deren Ehrlichkeit und Phlegma, Wohlsein und Arg-losigkeit aus den freundlichen Augen und den blühen-den Gesichtern schaute. Wir waren wohl mit dem Tausche zufrieden, und hatten an dem Obersten einen bescheidenen, ruhigen Hausgenossen und einen höchst gebildeten und artigen Gast bei Tische und in unserm Abendkreise gewonnen. Von ihm erfuhren wir, daß seine Famihe ein Zweig des ehemaligen schottischen Königshauses war, der sich — per varios casus — in Holland, zu Leyden, niedergelassen; daß aber fort-während ein Zusammenhang zwischen ihnen und den
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    Girolamo Crescentini
    Stich von Friedrich John — k. k. Fidei-Commiß-Bibliothek, Wien

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    Bruces in Schottland erhalten und jede Geburt eines Knaben dort gemeldet werden müsse. Wie oft sprach der rechtliche, teilnehmende Mann über die Zeitum-stände offen mit uns, und über den Druck, den er wil-lenlos über ein fremdes Land bringen helfen müsse, in-des daheim in Holland derselbe Druck auf ihm und den Seinigen laste!
    Gegen drei Wochen erfreuten wir uns seiner ange-nehmen Gesellschaft, während seine Leute mit großer Bonhomie und' FreundHchkeit unsern Dienstleuten überall hilfreich an die Hand gingen. Endlich mußte auch er uns verlassen, die Schlacht* von Austerlitz wurde inzwischen geschlagen, das Schicksal des Krieges und somit das unsers Vaterlandes war entschieden *^^) — Tirol, das edle, treue Land, schnöde abgerissen und an Bayern, zum Lohne der Abtrünnigkeit, womit das Münchner Kabinett den Fürsten Schwarzenberg *'2), der an dasselbe gesendet worden war, hingehalten, und den Truppen unsers Kaisers, des damaligen Reichs-oberhauptes,'den Durchzug verwehrt hatte, hingege-ben.
    Wohl erinnere i^h mich noch mit bitterm und weh-mütigem Gefühl jener für Österreich und somit für uns alle höchst traurigen Epoche. Es war an dem Tage, als die Nachricht von jener Unglücksschlacht (bei Austerlitz) in Wien bekannt wurde, daß ich zu einer Freundin (eben jener Therese V. d. N., die einst mei-nes Bruders Frau hätte werden sollen) gebeten war, um mit zwei merkwürdigen Männern jener Zeit, mit dem Tonsetzer Cherubini und dem lieblichen Sänger des Romeo, Crescentini, bei ihr zu speisen. Die trübe Nachricht, welche sich allmählich in der Stadt ver-breitete, verbitterte uns zwar alles Vergnügen einer
    geistreichen Unterhaltung, dennoch blieb mir die Er-innerung an die Persönlichkeit und das Betragen dieser beiden merkwürdigen Künstler lebhaft eingeprägt und sehr wert. ^
    Cherubini *^3) war ein junger Mann von etwa dreißig Jahren. Ein feiner Wuchs von mittlerer Größe und geistreiche Züge, welche den Italiener kenntlich mach-ten, zeichneten sein Äußeres vorteilhaft aus. Im Ge-spräche zeigte er Verstand und Bildung — mehr, wie gewöhnlich Kompositoren besitzen. Er erzählte uns viel von der Schreckenszeit in Frankreich, die er als sehr junger Mensch mit erlebt, und in allem, was und wie er es sagte, zeigte sich ein richtiger Verstand und feines Gefühl, Aber viel mehr und tiefer fühlte ich mich von Crescentinis ***) Wesen angesprochen. Auch sein Äußeres war vorteilhaft; etwas größer und bedeu-terid stärker als Cherubini, sprach sich in allem, was und wie er es sagte, ein zartes Gefühl und ein tiefes Gemüt aus, dem ein Anstrich von Melancholie, welche über sein ganzes Wesen verbreitet war, noch mehr Reiz erteilte. Mit warmer Teilnahme äußerte er sich über das Unglück, welches Österreich bereits getroffen hatte und uns noch bevorstand, und wenn uns Cherubini nur als ein feinfühlender Mensch von der feindlichen Partei schonend und billig gegenüber stand, so schien Crescentini unsere Sache zu der seini-gen gemacht zu haben, und mit uns tief und schmerz-X" lieh zu fühlen. Das gewann ihm denn ganz meine Dankbarkeit, und noch jetzt denke ich, nach

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