Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]
Wallfahrter und werden Heiligenbilder u. dgl. zum Verkauf ausgeboten.
Auf der Spitze des Josefsberges findet man seine Kutsche und Pferde wieder, die Vorspann wird zurück-gesandt, und nun geht es über noch zwei, aber minder hohe Berge nach Maria Zell.
Durch Waldesschatten, an rascheii Bächen, in engen Tälern, neben Eisenwerken führt auch dieser Teil des
/
Weges hin, bis sich plötzlich das weite Tal öffnet, in welchem der Wallfahrtsort liegt.
Jetzt, nach dem großen Brande, der vor mehreren Jahren den ganz^Ort in Asche legte**^), soll alles ganz anders sein; aber wie mich manche Reisende versichern, zwar stattlicher und moderner, doch bei weitem nicht mehr so heimlich und ansprechend als ehemals aus-sehen. Ich bin seit i6, 17 Jahren ungefähr nicht mehr dort gewesen, und schildere also bloß, wie ich es da-mals gefunden und e'mpfunden.
Aus engen Wegen, die durch Waldesdunkel und Felsen führen, kommt man heraus — und nun liegt ein weites freundliches Tal vor uns, ringsumher von be-grünten Bergen umschirmt, mit einzelnen Wohnungen belebt, die hier und dort aus Büschen hervorschauen, und im Hintergrunde glänzt uns auf der halben Höhe des Berges die Wallfahrtskirche, das Ziel unserer Wan-derung, im Abendschein, der an den Türmen spielt, entgegen. Kann das nicht recht zum Bild der ganzen Reise dienen ? Mühsam windet sich der Pilger, der Ab-hilfe seiner geistigen oder körperlichen Schmerzen am Gnadenorte sucht, durch die engen Wege und beschwer-lichen Berge wie durch die Leiden, welche ihm Gott auferlegte, hindurch. — Der letzte Teil der Reise ist der beschwerlichste, so wie fortwährende Leiden dem Ermüdeten immer drückender werden. Aber nun hat er den Gnadenort erreicht, nun weichen die einengen-den Wälder und Felsen zurück, nun ebnet sich der Pfad, der vorher mühevoll über Berge führte, Heiter-keit im weit offenen Talgrund und Ruhe im Gold-schimmer des Abends empfängt ihn, und der helle Schein glänzt von der Kirche her, woher er eben seinen Trost oder seine Heilung zu hoffen hat.
Das waren die Empfindungen und Betrachtungen, die sich in mir regten, während wir auf gutgebahnter Straß ein den reinhchen, freundHchen Marktflecken hineinfuhren, und an einem der vielen guten und mit-unter stattlichen Wirtshäuser stille hielten. Während dessen war die Sonne längst hinab hinter die hohen Berge (es war in der ersten Hälfte des August, wo sie nach 7 Uhr unterzugehen pflegt), die Dämmerung la-gerte bereits über den fernem tiefern Tälern, nur die Türme der hochgelegenen Kirche faßten noch die letzten Strahlen, und als jetzt das Abendgeläute von ihnen herab zu erklingen begann, um die ganze, nach den Lasten des Tages in Stille und Frieden daliegende Gegend zum Gebet aufzufordern, da drängte es auch uns, in die stille, einsame Kirche einzutreten, die übri-gens, meinem Geschmack nach, gar nichts Schönes uiid Erhebendes in ihrem Äußern hat, und wo bloß der kleine mittlere Turm und ein altes Schnitzwerk über der ebenfalls alten, laubenähnlichen Pforte an jene längst-verflossene Zeit erinnert, wo die beiden Fürsten Lud-wig, König in Ungarn und Heinrich, Markgraf von Mähren, deren Statuen am Eingang der Kirche stehen, den Gnadenort entdeckten und begründeten**^). Desto überraschender und ergreifender wirkte das Innere der Kirche auf mich. Es war bereits dunkel in dem hohen geräumigen Gewölbe — nur wenige Beter knieten hier und da auf den Bänken oder lagen'ausgestreckt auf der Erde. Aber tiefer darin, dort, wo mitten in der großen Kirche die kleine Felsenkapelle und in ihr das Bildnis der heiligen Jungfrau steht — dort strömte ein heller Lichtglanz aus und wir folgten dem Schimmer, der uns anzog und leitete. Er kam von diesem Bild oder eigent-lich von dem ^ hellerleuchteten Altar, dessen Lichter
und Lampen sich in dem Glanz des Goldes und Sil-bers, der ihn schmückte, noch verdoppelten, und um die Kapelle her standen Engelgestalten aus Silber ge-formt auf hohen Fußgestellen, deren jede eine Lampe trug und ihr Licht mit den blendenderen in der Ka-pelle vereinigten. So strömte also aller Glanz, alle HerrHchkeit gleichsam von der Hochgebenedeiten aus, und unwillkürlich ergriff ein erhebendes, andächtiges Gefühl jedes Herz, das sich hier dem Heiligtum nahte.
Ich habe später die Empfindungen, welche auf dieser ganzen Reise und in der Kirche selbst mein Herz beschäftigten, in der Romanze: Maria Zell, welche der Legende gemäß den Ursprung des Gotteshauses er-zählt,
Weitere Kostenlose Bücher