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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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dem die Traisen hinabrauscht, einen deliziösen Kaffee — lauter Genüsse, die ich in der Stadt entbehren mußte und die ich allen Freuden des glänzendsten Balles oder der recherchiertesten Mahlzeiten in den elegantesten Zimmern vorzog. Mir war köstlich wohl zwischen die-sen Bergen, an diesem hellen, wilden Waldwasser, un-ter diesen einfachen Menschen und den Einwirkungen der großen, freien Natur, die ich recht mit Lust in mein Innerstes dringen ließ.
    Am andern Morgen fuhren wir dem Laufe der Trai-sen entgegen, tiefer in die immer höher steigenden Berge hinein. Ein wunderschöner Weg, der bald an den Seiten der Berge hoch über dem, unter Fichten und Tannen dahinrauschenden Wasser führte, bald sich durch enge, wilde Täler schlängelte, zwischen deren himmelanstrebenden Felsenwänden nur für diesen Weg und den Strom daneben Raum war; jetzt sich durch eine schöne, grüne Gegend zog, wo die zurück-weichenden Berge einen freundlichen Talgrund, mit ländhchen Hütten besetzt, einschlössen, und danri wie-der an rauchenden Essen und pochenden Hämmern und weißbeschäumten Wehren vorbeiging, wo "das Eisen, welches diese Berge enthalten, zu allerlei, dem Le-ben unentbehrlichen Gerätschaften verarbeitet wird.
    So gelangten wir nach dem freundlichen Türnitz, wo den Wallfahrtern sogleich Frauen und Männer mit großen Körben voll niedHch aus verschiedenem Holze gedrechselter Kleinigkeiten, Heiligenbilder und Rosen-
    kränze entgegenkommen. Während die Pferde ge-tränkt werden, kauft man allerlei solcher Spielsachen, Bilder usw. und dann geht es wieder weiter durch eben solche Täler, bis dahin, wo der Annaberg mit sei-nem ganzen mächtigen Umfang alles Weiterkommen, ausgenommen über seinen Rücken, versperrt. — Be-troffen blickten wir hinan — da zeigten sich, halb im Tannenschatten versteckt, ein Kirchlein und ein paar Häuser auf dem Gipfel des Berges, und dahin richtete sich nun unser Weg, nachdem wir den Wagen ver-lassen hatten, von dem man unsere Pferde ausgespannt und andere, die schon zu diesem Behuf stets hier war-ten, vorgelegt hatte. Nicht ohne Sorge dachte ich an die Beschwerlichkeit, jetzt in der Mittagsstunde (es war elf Uhr) den nicht unbedeutenden Berg hinanzu-klimmen. Es ging viel besser, als ich gedacht. Bald nah-men uns Waldesschatten auf, bald ruhten wir an einem kühlen Quell, und jeder Blick zurück auf die besonnten Saatfelder, in denen ein frisches Lüftchen wühlte, das auch unsere erhitzten Wangen fächelte, jedes Ein-atmen der reinen Bergluft bei kurzem Stillestehn er-quickte uns so sehr, daß wir nach einer guten Stunde zwar erhitzt, aber durchaus nicht ermüdet, gerade un-ter dem heimisch klingenden Mittagsgeläute auf den kleinen Platz vor der Kirche traten, wo der Brunnen mit einem quellenden Wasser plätschert und ein ein-faches, aber reinliches Wirtshaus uns und unsern Tie-ren Erholung und Labung verhieß.
    Seit jenem Male haben wir in den folgenden Jah-ren diesen Weg noch öfters gemacht, und einmal kam mir der Wunsch oder; vielmehr meine Kleine bat
    'V',
    darum, mir ein Pferd mit jenem bequemen Sattel, der wie ein kleines Bänkchen gestaltet, eigens für wall-
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    fahrtende Frauen bestimmt ist, zu mieten, und so den Berg hinan zu reiten. Die Kleine hatte ich auf dem Schöße, und Pichler, der nicht reiten wollte, folgte zu Fuß. Da kamen einige junge, wohlgekleidete Männer in bequemem Fußwandereranzug, ihre Röcke an Stök-ken über den Schultern tragend, den Berg herab, uns entgegen. Sie betrachteten uns und lachend riefen sie mir zu: „Grüß dich Gott, Maria!" und wirklich mochte der Anbhck einer jungen Frau mit einem Kinde auf dem Schoß, auf einem Tief, das durch seine Hal-tung dem Esel vielleicht mehr als einem Pferde glich, und dem ein Mann, der Vater und Gatte, zu Fuße folgte — wohl die Vorstellung einer Flucht nach Ägyp-ten in den Wanderern erregt haben.
    Einen hohen Berg hat man erstiegen, aber so wie man zu dem Brunnen hintritt, erhebt sich vor dem er-staunten Blick ein noch viel höherer Riese, der mäch-tige Ötscher, der uns hier mit seiner seitwärts, wie an einer Männernachtmütze, geneigten Spitze gegenüber steht. Nun ist man recht in der Gebirgswelt darin, und immer folgen schönere Naturszenen.
    Wir überstiegen nun auch den Joachims- und Jo-sefsberg; denn alle Bergspitzen tragen hier Namen aus der heihgen Sippschaft, und der letzte ist der höchste und schönste. Auf jedem Gipfel dieser Berge stehen Kapellen, und überall knien betende

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