Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]
(Ignaz Graf Chorlnsky) besuchte das Haus des n. ö. Referenten Hofrats von Greiner und lernte dort die Tochter eines Arztes, Sophie von Mertens kennen. Ihre Schönheit entzündete seine Leidenschaft, welche die feurigste Erwiderung fand. Du kennst den Vater Chorlnsky von Brunn aus. Er ist der erste seiner Familie, der die 16 Quartiere ausfüllte und worauf er den höchsten Wert legt. Er bedroht den Sohn mit Fluch und Enterbung für den Fall seiner
ehelichen Verbindung mit Sophie. Ignaz Chorinsky tritt zurück. Sophie kränkelt, welkt wie eine zerknickte Blume. Der Zufall — oder wie Kielmansegge meint — kein Zufall — führt beide in dem Garten des Hofrats von Greiner zusammen. Es folgt eine Szene erneuerter Liebe, erneuerter Versprechungen. Sie werden gehalten. Der Ehebund wird geschlossen. Der Vater hält auch sein Wort und verstößt den Sohn. Der Kaiser selbst ist ungehalten und macht ihm Vorwürfe. Er schließt sich um so enger an seine Frau, die ihm nun alles ist." An einer anderen Stelle (I, i, S. 203) meint Kübeck, aus Klugheit hätte Graf Chorinsky seine Frau nicht heiraten sollen, da sie nicht hoffähig ist.
318) Am 26. August 1792 war er zum Bürger ernannt worden; trotz des Abscheus, den Klopstock vor den Gräueltaten der Jako-biner hatte, legte er sein Diplom nicht zurück, obwohl ihn Lavater 1793 dazu aufforderte und einige Zeitungen die Nachricht von der Zurücksendung des Diploms brachten (vgl. Franz Muncker, Fried-rich Gottlieb Klopstock. Stuttgart 1893. S. 512, 5i4ff., 540). — Georg Forster starb einsam in Paris am 10. Jänner 1794 im vier-zigsten Jahre seines ruhelosen Lebens; über seine Beziehungen zum Hause der Greiner, s. Anm. 165.
319) Abt Josef Ignaz Martinovics (1755—1795) hatte unter Leo-pold II. eine Vertrauensstelle am Hofe inne, war 1792 in geheimer Sendung nach Paris gegangen und hatte mit der Berg-Partei Füh-lung genommen, deren Grundsätze er dann, als er zu einer Mission in Ungarn verwendet wurde, aufs Emsigste verbreitete. Er verfaßte zwei revolutionäre Katechismen auf demokratischer Grundlage und gründete zwei geheime Gesellschaften, deren Mitgliederstand aber nicht allzu groß gewesen sein soll. Ungarn wurde in 4 Distrikte aufgeteilt, und Ende August soUte das Komplott zur Durchführung kommen. Die Verschwörung wurde aber rechtzeitig entdeckt, Martinovics in Wien verhaftet und mit vier Genossen am 20. Mai 1795 in Pest hingerichtet. Vgl. Wurzbach, XVII, S. 50ff. und Joh. Graf Mailäth, Geschichte der Magyaren, IV, ^ (Regensburg 1853), S, 128ff.; V. Fraknöi, Martinovics es tärsainak összeesküvese. Buda-pest 1884. — Eine Verbindung mit Wien scheint nicht bestanden zu haben.
'*•) Über diese sogenannte Jakobinerverschwörung ist man heute noch nicht im klaren, da die Akten nicht erschlossen sind. Es scheint aber, daß einige Streber, um sich schön zu machen, dem Kaiser Franz eine Gefahr vormachten, die nicht vorhanden war. Aus einer größeren Anzahl zeitgenössischer Schriften (vgl. Franz Graffer, Franzisceische Curiosa. Wien 1849. S. 9 ff.) ist zu entnehmen, daß m Wien und in ganz Österreich im August 1794 eine große Ver-schwörung, an der sich Zivil- und Militärpersonen beteiligten,
aufgedeckt wurde, welche die Absicht hatte, französisch-demokra-tische Grundsätze ins Volk zu bringen, aufrührerische Schriften gegen den Kaiser zu verbreiten und eine Staatsrevolution anzu-zetteln. Nun dürften diese Schriften aber von der Regierung be-einflußt gewesen sein. Tatsache ist, daß eine Menge Personen gefänglich eingezogen wurden, der Feldkriegskanzlist Gilloffsky sich im Gefängnis erhenkte, der Platzoberleutnant Franz von Hebenstreit im Jänner 1795 aufgehängt wurde, der Hauptmann Billeck von Billenberg zehnjährige Schanzarbeit erhielt, sechs andere zu dreißigjähriger Schanzarbeit verurteilt wurden, worunter sich auch der Freund des Hauptstaatsretters Grafen Franz von Saurau, der Wiener Magistratsrat und Dichter Martin Josef Prandstätter, befand, und einige andere mit geringeren Strafen davonkamen. Spätere Berichte (Graffer, S. 26 ff.) denken über die Sache ganz anders. Der Kampf ging wahrscheinlich gegen die Logen, und ist hier eine Mitteilung charakteristisch, die K. A. Schimmer von der KaroUne Pichler haben wollte (Gustav Brabbee, Sub Rosa, Ver-trauliche Mittheilungen aus dem maurerischen Leben unserer Groß-väter. Wien 1879. S. 122 ff.) — freilich ist dessen Angabe, daß diese sie in das Manuskript der Denkwürdigkeiten aufnahm, nicht
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