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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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Therese Hackher. Alle drei sehr hübsch, schön darf man wohl sagen, viel reizender als ich, aber alle drei so gut, verständig, ge-bildet und liebevoll, daß eine herzliche Zuneigung und gegenseitige Achtung uns verband. Mein Bruder, dieser ausgezeichnete junge Mann, entschied sich für Henrietten, deren ruhiges, anstandsvolles Betragen ihm sehr zusagte. Sophie, die ältere Schwester, viel lebhafter und geistvoller als jene, aber vielleicht min-der besonnen und ruhig, wurde von einem der edelsten, besten Menschen, dem jungen Grafen Chorinsky^^^), einem innigen Freund Pichlers und meines Bruders, und nicht dem unbedeutendsten in diesem seltenen Kleeblatt guter Menschen und treuer Freunde, ge-liebt; und Therese Hackher, eines der liebenswürdig-sten und schönsten Mädchen Wiens, stand durch mehrere Jahre in einem sehr treuen Verhältnis mit einem vorzüglichen jungen Mann, meinem Jugend-gespielen und vertrauten Freunde, dem Sohne ' des Hofrats Dürfeld^^^). Diese drei Paare, sowie Pichler und ich, waren nun oft und viel beisammen; wir kannten uns alle genau, und liebten uns herzlich untereinander, und ich mag wohl sagen, Dürfeld und Graf Chorinsky waren ebenso sehr meine Freunde, als ihre Geliebten meine Freundinnen. Es war ein schönes Leben da-mals — das Jugendleben guter Menschen, wie Iffland
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    in der Elise Valberg so wahr sagt^^^); wir genossen es mit Innigkeit, Treue und Mäßigung, und unsere gegenseitige Vertraulichkeit war ein schönes Band mehr in diesem Kreise.
    Mein Bruder indessen löste sein Verhältnis zu Hen-rietten bald oder vielmehr, sie tat es. Es war ein braves, sittsames, aber heiteres und lebensfrohes Mädchen, von sehr bedeutender Lieblichkeit der Gestalt; meines Bruders Begriffe von weiblicher Würde waren hoch, ja überspannt, darf ich wohl sagen, und seine Forderungen an das Wesen, das er sic4i erwählt hatte, allzustrenge. Henriette hatte sich in allen Schranken des Anstandes und der Rücksicht auf den Geliebten gehalten; dennoch fand mein Bruder stets etwas in ihrem Betragen gegen andere Männer zu tadeln, und das reizte sie gegen ihn auf. Zudem glaubte sie in der Art, wie er mir zuweilen, wenn seine Strengheitsprinzipien lebhaft hervortraten, begegnete — die mich aber minder verletzte, weil ich den Bruder und seine gute Meinung genau kannte — etwas zu finden, das ihr Besorgnisse für ihr zukünftiges Glück an seiner Seite geben könnte, und so trennten sich diese beiden Herzen, die vielleicht mit etwas mehr Geduld und Nachsicht von beiden Seiten sich einander beglückt haben würden.
    Lange hatte der Verbindung zwischen der schönen Therese Hackher und ihrem Freunde kein günstiger Stern geleuchtet. Meine innige Teilnahme an ihrem Schicksal sprach sich in einem kleinen Gedichte aus, welches ich ihr zu ihrem Geburtstag dichtete ^i*). Endlich ebnete später sich ihnen der Pfad, der sie zu ihrem Glücke führen sollte, und im Mai 1795 sprach der Priester den Segen über diesen Bund, den auch wir alle mit unsern besten Wünschen begleiteten.

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    Ignaz Karl Graf Chorinsky C. Sales pinx., B. de Schrötter lith. — k. k. Fidei-Commiß-Bibliothek, Wien

    Auch dieses Ereignis feierte ich durch ein kleines Ge-dicht ^^^), wie denn überhaupt meine Gedichte minder freie Ergießungen eines poetischen Gefühls waren, sondern meist irgend einer Veranlassung bedurften, die den Funken in mir weckte, und das Gedicht ins Da-sein rief.
    Während dieser Zeit hatte Graf Chorinsky viele Mühe und Kummer um seine Liebe zu Sophien ge-tragen. Sie war ihm nicht ebenbürtig, und so treff-lich sie an Herz und Geist, so hübsch sie von Gestalt, und so gut und liebevoll gegen den Sohn auch der alte Graf^^^) gesinnt war, dennoch ließen sich, besonders damals, die Stan,desvorurteile oder Ansichten nicht leicht überwinden. Der Vater wollte seine Einwil-ligung nicht geben, der Sohn das Mädchen nicht lassen. Es war eben noch eine Liebe und Treue aus jener Zeit, wo man im allgemeinen wärmerer Gefühle und eines höhern Schwunges in den Lebensansichten fähig war.
    Indessen hatte Chorinsky zum Schein sich dem Be-fehle seines Vaters gefügt und Sophien entsagt, die er mit seines Vaters EinwilHgung nie hätte besitzen können. Wir bedauerten ihn alle recht herzlich, und gaben uns Mühe, dem unglücklichenPaar unsere wärmste Teilnahme zu beweisen. Im stillen aber währte, uns allen, selbst Sophiens Mutter und Chorinskys besten Freunden, meinem Bruder und Pichlern verborgen, diese Verbindung fort.

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