Der Bund des Raben 03 - Kind der Dunkelheit
sah ihn einen Augenblick düster an, dann lächelte er traurig.
»Du hast Recht. Wahrscheinlich sterben wir dabei, aber du hast Recht.«
»Gut!« Hirad klopfte ihm auf die Schulter. »Und jetzt musst du mit Sytkan in Arlen Kommunion halten, damit er weiß, welche Protektoren bei uns an Bord sind, bevor er über irgendeine Bestrafung nachdenkt. Außerdem könntest du versuchen, Erienne zu erreichen. Ilkar, komm mit. Wir müssen mit Ren’erei reden und sehen, ob wir Jevin Beine machen können. Und danach kannst du mir etwas über Thraun erzählen.«
Er drehte sich um und hatte schon die Türklinke in der Hand, als Denser ihn aufhielt.
»Hirad?«
»Was ist denn?«
»Es tut mir Leid. Du weißt schon, im Wald …«
Hirad zuckte mit den Achseln. Denser schien ehrlich bekümmert. Noch ein Achselzucken.
»Mir tut es auch Leid. Aber letzten Endes hat es sich zu unserem Vorteil ausgewirkt. Wenn wir uns nicht verkracht hätten, dann wäre auch ich von Darrick gefangen genommen worden. Also lass es uns vergessen, ja? Und jetzt wollen wir deine Frau holen, den Unbekannten in Ordnung bringen und deine Tochter retten. Danach können wir uns vielleicht überlegen, wie wir die Kaan nach Hause schicken, und dann werde ich dir alles verzeihen. Mach du mal deine Kommunion.«
»Ich bleibe dann hier«, sagte Denser.
Hirad nickte und verließ mit Ilkar die Kabine.
Die kleine Protektorentruppe war im vorderen Laderaum untergebracht, der während der Fahrt über das Südmeer eigentlich den Dordovanern als unbequeme Unterkunft hätte dienen sollen. Vierundzwanzig hatten
mehr oder weniger unverletzt überlebt. Keiner von denen, die nicht mehr hätten kämpfen können, war an Bord gekommen.
Sie standen im Kreis und hatten die Hände vor dem Bauch verschränkt. Die maskierten Köpfe waren gesenkt, sie schwankten leicht, wenn sich das Schiff bewegte. Ihre stille Versenkung fand ihren Spiegel im weit entfernten Xetesk, wo auch der Seelenverband tief drunten in den Katakomben ruhte. Jeder noch lebende Protektor trauerte um die Seelen, die gegangen waren, und freute sich über deren Befreiung aus dem Bann.
Jeder Tod schwächte die Gemeinschaft, aber jede befreite Seele schenkte ihnen Hoffnung. Aebs Gefühle waren verwirrt, doch in der Stille fanden sie einen Ausdruck. Er wusste, dass es seinen Brüdern ging wie ihm. Sie sehnten sich nach der Gemeinschaft im Seelenverband und hassten die Mächte, die ihnen die Seelen aus dem lebendigen Körper gerissen und die Verbindung eingerichtet hatten, die sie am Leben erhielt. Die Dämonenkette.
Jeder Protektor wollte von der Dämonenkette befreit werden. Niemand wollte seine Brüder durch diese Befreiung verlieren. Sol war das einzige lebende Beispiel, und er verkörperte alle Gefahren, die diese Befreiung mit sich brachte. Die Bruderschaft spürte ihn, und er spürte sie. Doch sie konnten keine Verbindung herstellen. Er war einer von ihnen und würde es immer bleiben, doch er stand außerhalb des Netzes, das die anderen unterstützte und verband. Dennoch war er ein Symbol der Hoffnung, und sie verehrten ihn.
»Wir sind eins«, sagte Aeb. Seine Stimme erfüllte den Lagerraum. Statt seine Gedanken zu senden, sprach er laut, wie es ihr Recht war, wenn sie nicht in Kampfstimmung waren.
»Wir sind eins«, summten die Protektoren.
»Sol ist schwer verletzt und in seinem jetzigen Zustand so unzugänglich wie seine Seele. Wir entfernen uns von unserem Gebieter. Ich habe darum gebeten, dass wir Denser, dem Dawnthief-Meister, zugeteilt werden. Es wird eine Ehre sein, die wir zusammen mit unseren Brüdern im Seelenverband feiern können.
Bereitet euch vor, Brüder, die ihr mir nahe seid. Schärft eure Klingen und versorgt eure Wunden, stählt euren Geist. Unsere Feinde wollen zerstören, was Xetesk seine Stärke gibt. Wir sind die Beschützer.«
»Wir sind eins.«
»Wir sind eins.«
»Nach der Überlieferung der Dämonenkette und im Namen des Lebens nach der Bruderschaft rufe ich ihn, der uns führen und uns behüten soll, wo immer wir sind. Wir sind eins«, sagte Aeb.
»Wir sind eins«, antworteten sie.
Eine weitere Versenkung folgte. Aeb sendete nun wieder Gedanken aus, weil sie handeln mussten.
Xye, wir brauchen heißes Wasser. Die Elfen können uns vielleicht Tücher und Salben geben. Ren’erei genießt die Gunst des Kapitäns.
Es soll geschehen.
Aeb sah sich im Kreis um. Er spürte die Müdigkeit seiner Brüder. Sie waren tagelang gerannt, und jetzt, nach dem Kampf, hatten sie
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