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Der dreizehnte Apostel

Der dreizehnte Apostel

Titel: Der dreizehnte Apostel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wilton Barnhardt
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mittlerweile darüber hinweggekommen sein, etwas anderes in seinem Leben gemacht haben. Er könnte … Ich könnte mich mit ihm zusammensetzen und fragen: Wie war Rudy? Wie war mein Sohn? Erzähl mir von ihm, wie er gelacht hat. Erzähl mir, was er jetzt tun würde, wenn er noch am Leben wäre. Sag mir, ob … nein, besser nicht fragen, ob er seinen dummen, reuigen Vater geliebt hat. Ich vermute, diese beiden haben einander fest genug gehalten, um mich und meine Generation auszuschließen, uns so weit wie möglich zu verbannen. Okay, dann hasse mich eben auch, würde ich zu ihm sagen – ich bin ein alter Mann, bald werde ich tot sein –, aber erzähl mir, wie er war. Sag mir, daß Rudy eine Weile glücklich war und in seinem unverzeihlich kurzen Leben Liebe kennengelernt hat.
    Aber natürlich würde kein Vater auf der Welt so etwas tun. So etwas wird nie gemacht. Leichter ist die Einsamkeit zu ertragen als diese Art von Nachforschung! Würde Stephen überhaupt einwilligen, mich zu sehen?
    (Er ist letztes Jahr an Aids gestorben, verstoßen von seinen Eltern und natürlich von seiner Kirche. Im Alter von achtunddreißig Jahren.)
    Dieser Stephen, dieser Fremde, wer immer er ist, hat in seinem Herzen, in seiner Erinnerung noch etwas von meinem Sohn. Das macht mir irgendwie Hoffnung. Rudy ist nicht ganz fort von dieser Welt …
    (Patrick, armer Patrick.)
     
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    »Nach dem, was die Deutschen in Griechenland gemacht haben, bin ich überrascht, daß du ihnen so in den Arsch kriechen willst.«
    »Eh! Die Amerikaner sind schlimmer, viel schlimmer! Griechenland wird heutzutage von Amerika ruiniert. Ich bin Kommunist.«
    »Der letzte in Europa!«
    Nach diesem Höhepunkt ihres halb englisch, halb griechisch geführten Streits stolzierte Stavros hinaus, während Lucy so tat, als wende sie sich wieder einer Seite von So heiß brennt die Sonne zu. Die Tür fiel ins Schloss , und Lucy ließ sich auf das Bett fallen und rieb sich die Augen.
    Ein blöder Schachzug, Mädchen. Du konntest es ja nicht dabei belassen, dich um deinen eigenen Kram zu kümmern – hinunterzugehen in die Disco, mit dem attraktiven Fremden zu flirten, mit Tracy zu plaudern. Nein, das hätte ja Großzügigkeit und Diskretion bedeutet. Du, Lucy, musstest zwei Gläser Wein trinken, hinübermarschieren zu seinem Zimmer, so lange klopfen, bis Stavros mit einem billigen Hotelhandtuch um die Hüften erschien, während ein Mädchen auf dem Bett lag; das alles, damit du eine Szene machen konntest.
    Sie spürte den Stich noch schmerzhaft, und die Tatsache, daß sich alles so schnell zu einer Pleite entwickelt hatte, war … in gewisser Weise erleichternd. Jetzt konnte die Erinnerung bearbeitet, geformt und für ihren eigenen endlosen Konsum verpackt werden, und natürlich, um sie für Judy noch einmal durchzuspielen. Haha, Judy! Rat mal? Und nachdem Lucy und Stavros sich gestern Nachmittag hatten fotografieren lassen, eng aneinandergeschmiegt, hatte sie so-gar einen Beweis! Sie würde das Foto vergrößern lassen wie ein Poster und es an die Kühlschranktür kleben. Lucy fragte sich, ob Judy und Vito mittlerweile wirklich fest zusammen waren oder ob die Sache auseinandergebröckelt war – oder, noch besser, ob es nie etwas anderes gewesen war als Judys Phantasie.
    (Ohne caritas haben wir nichts, Lucy.)
    Lucy dachte weiter nach. Wer sagt denn, daß mein Liebesleben damit beendet sei? Los, geh zu Tracy und Derek in den Argonaut Club. Nach einer zweiten Ver schönerungsrunde einschließlich Parfüm spazierte Lucy in ihrem Sommerkleid aus Florenz, den großen roten Hut in der Hand, zur Disco hinunter. Vielleicht war der attraktive Fremde da. Er war da. Es dauerte einen Augenblick, aber er erkannte sie, lächelte freundlich und durchquerte den Club, um sich zu ihr an die Bar zu gesellen. Die Plattenauswahl steckte immer noch in den achtziger Jahren: Girls Just Want to Have Fun lief gerade.
    »Ich dachte, Sie hätten Ouranopolis vielleicht schon verlassen«, sagte er und betrachtete sie mit seinen ruhigen, seelenvollen Augen.
    »Nein. Ich dachte auch, daß ich mittlerweile fort sein würde. Aber Dr. O’Hanrahan, der Professor, den ich erwähnt habe, muss erst vom Athos zurückkommen.«
    »Ich hoffe, mein Bruder kommt heute Abend wieder, weil wir morgen nach Athen aufbrechen müssen.«
    »Oh«, sagte sie enttäuscht, weil sie endlose langweilige Abende in Ouranopolis vor sich liegen sah, so daß sie sogar eine Wiederannäherung an Stavros ins Auge fasste .
    »Wir

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