Der dreizehnte Apostel
hatte.
Lucy,
ich stecke in großen Schwierigkeiten. Die Polizei ist hinter mir her, und unsere ganze Mission ist zum Scheitern verurteilt, wenn ich nicht aus Griechenland herauskomme. Ich habe Athos mit einem F ischerboot verlassen. Wir tref fen uns morgen Abend in Athen, im Hotel Herkules in der Nähe der Plaka.
»Patrick O’Hanrahan« war am Schluss noch hinge kritzelt . Es ist seine Handschrift, dachte Lucy, obwohl sie sie noch nicht oft gesehen hatte. Wie seltsam, daß er Stavros nicht erwähnte. »Ich hoffe, alles ist in Ordnung«, sagte Abdul.
»Nein, es sieht nicht so aus«, erwiderte sie. »Es scheint irgendwie Schwierigkeiten zu geben. Ich muss morgen Abend in Athen sein.«
Abdul lächelte mitfühlend. »Vielleicht könnten Sie mit uns fahren. Wir brechen morgen um neun Uhr auf. Ich würde Ihnen gerne jede erdenkliche Hilfe zu teil werden lassen.«
»Wie freundlich«, bedankte sie sich mit ausdrucksloser Stimme.
21. Juli 1990
Stavros sagte, er werde Lucy zurück nach Athen fahren, und sie erzählte ihm von dem Angebot der Brüder Hassami. Stavros reagierte missmutig und stürzte sich in eine Flut antitürkischer Beschimpfungen. Er meint wohl, daß sie auf alle Völker im Nahen Osten zutreffen, dachte Lucy. Angesichts dieses Tons entschied sie sich, doch mit den beiden Brüdern zu fahren, verabschiedete sich schnippisch von Stavros und streckte ihm die Hand hin. In diesem Augenblick hätte sie dieses Spielc hen seinlassen und ihm einen Ab schiedskuß geben können, aber die halbverstandenen gegenseitigen Ans chuldigungen zwischen ihnen hat ten das schwierig gemacht.
Die Brüder Hassami waren höfliche Gastgeber und Abdul ein guter Fahrer.
Während der sechsstündigen Fahrt war sie still und niedergeschlagen. Als sie sich den ersten städtischen Ausläufern Athens und seinem Ruß näherten, wurde die Fahrt beträchtlich langsamer. Lucy war so abgestumpft und verzagt, daß der erneute Anblick der Akropolis und der Ruinen des Zeustempels in der Innenstadt sie kaum interessierte. Das Hotel Herkules lag nicht direkt in der Plaka, sondern in der modernen City, die zu ihr hinaufführte. Am Verfas sungsplatz erkannte Lucy einige vertraute Orientie rungspunkte und lebte für einen Augenblick wieder auf, als sie sich vorstellte, daß O’Hanrahan und sie heute Abend zusammen ausgehen könnten und der Professor ihr seine zweifellos aufregende Geschichte erzählen würde. Abdul und Hossein sagten, das Herkules sei ihnen zu teuer, und fuhren anderswohin.
Als Lucy in ihrem Zimmer lag und überlegte, was sie mit dem Abend anfangen sollte, läutete das Telefon. Schnell hob sie a b. Es war Abdul: Ob sie Lust ha be, mit ihm in der Altstadt zum Essen zu gehen? Sie entschloss sich abzulehnen, O’Hanrahan musste schließlich bald Kontakt mit ihr aufnehmen. Um halb elf Uhr abends war sie jedoch halb verhungert und gelangweilt und beschloss noch mal, auszugehen, um irgendwo einen Happen zu essen.
»Eine Nachricht für Sie«, sagte der Hoteldirektor, als sie zwanzig Minuten später zurückkam.
Lucy starrte verzweifelt auf den einfachen Zettel mit der Nachricht und wünschte, er würde ihr mehr mitteilen. Patrick O’Hanrahan habe angerufen, stand da in ungelenken lateinischen Buchstaben, hin und wieder ein griechischer Buchstabe dazwischen, und
sonst nur, jemand werde »wieder Kontakt mit ihr aufnehmen«.
»Ist das alles?« fragte Lucy den Mann an der Rezeption, der achselzuckend bejahte.
Sie wünschte, sie hätte Abduls Einladung in die Plaka nicht abgelehnt. Es war der letzte Abend der beiden Brüder in Griechenland, morgen wollten sie nach Damaskus zurückfliegen. Abdul hatte sogar den Eindruck gemacht, erpicht auf ihre Gesellschaft zu sein, für seine Verhältnisse fast schon geflirtet. Vielleicht sollte sie versuchen, ihn zu finden und sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Das Telefon läutete.
»Hallo?« meldete sich eine Frauenstimme mit starkem Akzent, während Lucys Herz schneller schlug. »Ich rufe für einen Freund an …«
»Wer sind Sie?«
»Mein Name ist nicht wichtig. Patrick O’Hanrahan versteckt sich hier«, sagte sie und sprach den Namen vollkommen falsch aus, »und … ich kann jetzt nicht
sprechen …«
»Warten Sie. Was geht da vor sich?«
»Ich treffe Sie morgen an der Metrostation Piräus. Halten Sie Ausschau nach einer Frau mit dunklem Kleid und dunklem Haar; ich werde eine weiße Handtasche tragen. Morgen Vormittag um 11.30 Uhr.« Es wurde eingehängt.
Lucy nahm erneut den
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