Der dreizehnte Apostel
siehe da, welch ein Zufall! Wer stand in der Flughalle des International Airport von Athen in der Schlange zum Einchecken bei der Iraqi Air? Abdul und Hossein!
»Ah, wir sehen uns schon wieder«, täuschte Abdul Erstaunen vor. »Was bringt Sie hierher?«
Lucy bemerkte, daß die Araberin in der Nähe des Eingangs aufgetaucht war. »Oh, nur diese Tickets«, erwiderte Lucy eisig. »Wo ist Dr. O’Hanrahan?«
»Wie soll ich das wissen?« »Ich habe den Verdacht, daß Sie es wissen, Abdul oder wer auch immer Sie sind …« In diesem Augenblick wandten sich drei Polizisten mit Maschinengewehren, die schnell durch die Halle
gekommen waren, abrupt ihrer Warteschlange zu; einer schlug ihr hart auf die Schulter. »Miss Lucille Dantan?« fragte er.
»Ja.« Lucy drehte sich um und sah, daß die Araberin auf den Ausgang zuhastete.
»Die Polizei sucht Sie. Bitte folgen Sie uns.«
Abdul und Hossein standen wie festgewachsen und starrten zu Boden.
Lucy war sicher, daß man nicht nach ihr suchte, trat aber einen Schritt nach vorn. »Was ist mit meiner Tasche?«
»Lassen Sie sie stehen. Interpol will mit Ihnen sprechen«, befahl der Mann. »Kommen Sie sofort mit!«
Als sie sich wieder nach Abdul und Hossein umwandte, sah sie, wie die beiden über die Absperrung der Eincheckschlange stiegen und schnell auf den Ausgang zugingen. Haltet sie fest … Jetzt kamen Männer … manche in Uniform, manche in Anzügen, von überall her auf die beiden Araber zu …
Jetzt fingen alle an zu rennen. Auf halbem Weg zur Tür wurde Abdul ergriffen. Ein Sicherheitsbeamter war hinter ihm her, und bei dem Handgemenge bekam Abdul den Gewehrkolben ins Gesicht. Lucy wurde von dem Polizisten davongezerrt, reckte aber weiterhin den Hals, um alles beobachten zu können.
Hossein hatte es bis zum Ausgang geschafft, und einer der Polizisten hob das Gewehr, um auf ihn zu zielen. Schreie. Panik. Manche Leute ließen sich auf den Boden fallen, andere rannten davon, wieder andere beugten sich schützend über ihre Kinder. Lucy starrte mit offenem Mund, aber der Polizist zog sie grob weiter: »Ich habe gesagt, Sie sollen mitkommen«, bellte er in schlechtem Englisch. Sie wurde in ein Zollbüro geführt, in dem mehrere Polizisten um Video Monitore standen, die die Halle überwachten. Die Männer sahen sie mürrisch an.
»Oh, sehen Sie«, versuchte Lucy zu erklären, als sie einen Gang entlangbefördert wurde. »Ich gehöre nicht zu diesen Typen …« Und dann kam ihr ein fürchterlicher Gedanke: Die Araber wollten das Flugzeug in die Luft jagen und haben in meinem Koffer eine Bombe versteckt. Ich bin wie eine von diesen armen englischen Frauen, die Araber heiraten und dann feststellen, daß sie Zeitbomben für irgendeine Palästinensergruppe durch die Gegend tragen. So wird das Abenteuer also enden! Irgendwo in einem griechischen Gefängnis, von meiner Botschaft im Stich gelassen, auf den Titelseiten der Boulevardpresse – Mom und Dad würden das sicher großartig fin den. Oh, wo, wo, wo ist Dr. O’Hanrahan?
Lucy und ihre Eskorte kamen durch mehrere Doppeltüren in einen älteren Teil des Flughafens und stiegen in den zweiten Stock, wo sich verglaste Büros ohne Klimaanlage befanden. Auf den Schreibtischen stapelten sich Papiere, Steckbriefe, Zolldokumente. Gesetzesübertreter saßen verschüchtert vor Bürokraten, die ihnen ihre Verbrechen erklärten. Man sagte ihr, sie solle sich in einen dieser Glaswürfel setzen. Ein großer Mann mittleren Alters, dessen kurzgeschnittenes Haar an den Schläfen grau wurde, tauchte in der Tür auf. Er trug eine olivgrüne Militäruniform und hielt unter dem Arm eine Zeitung und einen großen Aktendeckel. Es dauerte einen Augenblick, bis Lucy begriff, daß es eine amerikanische Uniform war.
»Ich bin Colonel Westin«, erklärte er, ohne von dem Aktenordner aufzusehen. »Ich bin von der amerikanischen Zollbehörde, die mit der US-Botschaft in Israel verbunden ist.« Dann sah er auf. »Lucille Dan-tan? Wohnhaft in 14.320 Kimbark Street, Hyde Park, Chicago?«
»Das bin ich.«
Nachdem sie ihm auch noch ihre Sozialversicherungsnummer genannt hatte, setzte er sich auf einen schmalen Klappstuhl und beugte sich vor, die Hände
auf den Knien, in einer Hand noch immer die Zeitung. »Interpol hat Sie wochenlang gesucht, Miss Dan-tan. Wir dachten schon, man habe Sie als Geisel genommen. Ihretwegen bin ich von Jerusalem hergeflogen.«
»Ich verstehe nicht.«
»Wo haben Sie gesteckt? Chicago hat zuletzt vor zwei Wochen etwas
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