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Der dreizehnte Apostel

Der dreizehnte Apostel

Titel: Der dreizehnte Apostel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wilton Barnhardt
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schlossen.
    »Kein Airconditioning hier, wie?« bemerkte Abdul und fuhr sich mit dem Finger zwischen Hals und Kragen.
    Er konnte mir kein Wort auf aramäisch sagen, erinnerte sie sich. Na schön, wie viele amerikanische Katholiken könnten noch Latein deklamieren? Sie begann die Fakten in das Netz der Zufälle einzuordnen. Sie hatten Abduls Bruder am Hafen getroffen, er hatte den Umschlag bei sich, dann die angekündigte Fahrt nach Athen, die diese beiden Brüder bequemerweise machen mussten … Glaubst du, Hossein hat Dr. O’Hanrahan auf dem Athos etwas Furchtbares angetan? Die Nachricht konnte eine Fälschung sein, sein Anruf eine Finte, da ich ja nicht dagewesen bin, und diese Frau, mit der ich mich nun treffen soll – weiß Gott, wer das ist. Piräus.
    Die U-Bahn hielt. Sie stieg aus und bemerkte, daß ihre blutleere, kalte Hand zitterte, als sie ihr Gepäck nahm.
    »Also noch einmal, es war nett, Sie kennenzulernen. Bye-bye«, sagte sie ohne große Hoffnung.
    »Leben Sie wohl«, erwiderte Abdul und verbeugte sich leicht. Er küsste ihr die Hand, und ein Schauder des Abscheus durchzuckte sie.
    Sie lassen mich tatsächlich laufen, dachte Lucy. Oder sie haben sehr großes Vertrauen zu der Frau, die ich hier treffen soll. Sie sah den Brüdern nach, als sie die U-Bahnstation verließen, um sich ein Taxi zum Flughafen zu nehmen, der zehn Meilen entfernt von Piräus lag. Lucy blieb in der Station stehen, mitten im spätmorgendlichen Kommen und Gehen von Touristen, Pendlern und gelangweilten Athener Teenagern, die einfach nur herumhingen. Es gab Kioske für Fahrscheine, für Dauerkarten, für Reservierungen …
    und in mehreren Sprachen beschriftet ein Fundbüro. Dort stand eine Frau mit Sonnenbrille und weißer Handtasche, kleiner, als Lucy sich vorgestellt hatte, aber recht schön, auch sie arabisch aussehend; sie trug an diesem sonnigen Tag einen Regenmantel. »Sie haben eine Nachricht von Dr. O’Hanrahan«, sagte Lucy vorsichtig.
    Die Frau sah sie ernst an und bemühte sich, besorgt und mitleidig zu wirken. »Er ist in großen Schwierigkeiten.«
    Klar, dachte Lucy. Wahrscheinlich haben diese Syrer ihn gekidnappt … Aber was wollen sie dann mit mir? Die Frau reichte ihr eine griechische Zeitung vom Tage, die sie auf einer Seite mit einem Foto aufgeschlagen hatte. »Sehen Sie das?« fragte die Frau und deutete auf das Foto, das eine mit Farbe überschmierte Ikone zeigte. »Deswegen wird Ihr Freund von der Polizei gesucht.«
    »Aber nein«, widersprach Lucy trotzig, »er würde niemals …«
    »Aber er wird trotzdem wegen dieses Verbrechens gesucht. Er hat mit uns, seinen Freunden, Kontakt aufgenommen.«
    »Freunde«, wiederholte Lucy. »Wir sind alte Freunde von Patrick O’Hanrahan.« Nein, dachte Lucy, wenn er überhaupt zu jemandem Kontakt aufnehmen würde, dann zu den Matsoukis, aber ich war ja zu dickköpfig und zu blöd, um gestern Abend anzurufen, aus Angst vor Stavros. Die Frau griff in die Tasche ihres Regenmantels. »Ich habe etwas für Sie. Wir haben einen Flug in einer speziellen Chartermaschine gebucht, die weder vom Zoll noch von der Polizei kontrolliert wird, ja? Er hat Tickets für Sie beide gekauft.«
    Lucy nahm den Umschlag und zog zwei Tickets zweiter Klasse mit der Iraqi Air nach Amman in Jordanien heraus. Lucy fühlte sich wie benommen, sie atmete nur noch ganz flach. Erstens würde O’Hanrahan niemals fliegen, selbst wenn das Verhaftung und Gefängnis bedeuten würde … Oder hatte er das nur für sie aufgebauscht? Zweitens würde dieser Mann nicht zweiter Klasse fliegen … Oder hatte er keine Wahl gehabt? Vielleicht überwachte die Polizei die Matsoukis, und er hatte sich der Hilfe dieser anderen Bekannten bedienen müssen. »Der Flug geht in vierzig Minuten«, bemerkte Lucy. »Ja, wir müssen uns beeilen.« Sollte sie mit der Frau gehen? Wenn sie es nicht tat, würde sie nie herausfinden, was mit O’Hanrahan geschehen war. Vielleicht würde er alles erklären, wenn sie ihn am Flughafen sah. Und wenn er nicht auftauchte, würde sie davonrennen, unter
    den Augen von Videokameras und Sicherheitsbeamten wäre das gefahrlos. »Ich habe ein Auto«, sagte die Frau. »Ich nehme lieber ein Taxi«, erwiderte Lucy. »Wie Sie wollen«, nickte die andere kühl.
    Lucy sprang in ein Taxi und fuhr zum Hauptflug hafengebäude des International Airport von Athen. Wenn sie mich haben wollen, dachte Lucy, dann haben sie auf jeden Fall schon eine Reihe von Gelegenheiten versäumt, mich zu entführen.
    Und

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