Der dunkle Turm - Gesamtausgabe
Ted schnippte mit den Fingern.
Sheemie ahmte ihn lachend nach, schnippte dabei aber sogar beidhändig mit den Fingern. Susannah musste wegsehen, weil es ihr fast das Herz zerriss.
»Das weiß ich«, antwortete Roland, und obwohl seine Stimme kaum verändert klang, wussten alle Angehörigen seines Ka-Tet, wie gut es war, dass dieses Palaver bald zu Ende war. Rolands Geduld war nahezu erschöpft. »Sorgt dafür, dass er sich ausruht, auch wenn er gesund ist und sich wohl fühlt. Für das, was ich zunächst vorhabe, brauchen wir ihn nicht – vor allem dank der Waffen, die ihr für uns zurückgelassen habt.«
»Es sind gute Waffen, das wohl«, sagte Ted, »aber sind sie auch gut genug, um sechzig Männer, Can-Toi und Taheen auszuschalten?«
»Steht ihr beiden auf unserer Seite, wenn der Kampf beginnt?«, fragte Roland.
»Mit dem größten Vergnügen«, sagte Dinky und fletschte die Zähne zu etwas, das längst kein Grinsen mehr war.
»Ja«, sagte Ted. »Und möglicherweise werde ich dann eine weitere Waffe einsetzen können. Habt ihr euch die Tonbänder angehört, die ich euch dagelassen habe?«
»Ja«, antwortete Jake.
»Dann kennt ihr ja die Geschichte von dem Kerl, der mir die Geldbörse gestohlen hat.«
Diesmal nickten alle.
»Was ist eigentlich mit dieser jungen Frau?«, fragte Susannah nun. »Ein zähes kleines Ding, hast du gesagt, Ted. Was ist mit Tanya und ihrem Freund? Oder genauer gesagt, mit ihrem Mann?«
Ted und Dinky wechselten einen kurzen fragenden Blick, dann schüttelten sie gleichzeitig den Kopf.
»Früher vielleicht«, sagte Ted. »Jetzt nicht mehr. Jetzt ist sie verheiratet. Sie will nur noch mit ihrem Liebsten kuscheln.«
»Und brechen«, fügte Dinky hinzu.
»Aber verstehen die denn nicht, was …« Susannah merkte, dass sie den Satz nicht zu Ende bringen konnte. Weniger die Erinnerung an ihren Traum, sondern vielmehr die an Sheemies Traum ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Jetzt zerkratzt du mich mit deinen Nägeln, hatte der Traumjunge geklagt. Der Traumjunge, der einst hübsch gewesen war.
»Sie wollen es nicht begreifen«, erklärte Ted ihr freundlich. Er bemerkte Eddies finstere Miene und schüttelte den Kopf. »Aber ich werde nicht zulassen, dass ihr sie dafür hasst. Ihr – wir – werden vielleicht einige von ihnen töten müssen, aber ich lasse nicht zu, dass ihr sie hasst. Sie haben das Verstehen nicht aus Angst oder Gier verdrängt, sondern aus Verzweiflung.«
»Und weil das Brechen etwas Göttliches ist«, sagte Dinky. Auch er sah Eddie an. »Wie die erste halbe Stunde, nachdem man sich einen Schuss gesetzt hat, etwas Göttliches sein kann. Wenn du zufällig weißt, was ich meine.«
Eddie seufzte, vergrub die Hände in den Hosentaschen und schwieg.
Sheemie überraschte sie alle, indem er sich eine der Coyote-Maschinenpistolen griff und in weitem Bogen schwenkte. Wäre sie geladen gewesen, wäre die große Suche nach dem Dunklen Turm in diesem Augenblick mit einem Schlag zu Ende gewesen. »Ich will auch kämpfen!«, rief er. »Peng, peng, peng! Bum-bum-bum-badum!«
Eddie und Susannah duckten sich; Jake warf sich instinktiv vor Oy; Ted und Dinky schlugen die Hände vors Gesicht, als hätten sie es auf diese Weise vor einem Feuerstoß mit fünfzig großkalibrigen Stahlmantelgeschossen schützen können. Roland nahm Sheemie gelassen die Maschinenpistole weg.
»Deine Zeit, uns zu helfen, wird kommen«, sagte er, »aber erst nachdem dieser erste Kampf geführt und gewonnen ist. Siehst du Jakes Bumbler, Sheemie?«
»Aye, er ist bei dem Rod.«
»Er kann sprechen. Sieh zu, ob du ihn dazu bringen kannst, mit dir zu reden.«
Sheemie ging bereitwillig zu Chucky/Haylis hinüber, der immer noch damit beschäftigt war, Oys Kopf zu streicheln, ließ sich auf ein Knie nieder und versuchte Oy den Bumbler dazu zu bringen, seinen Namen zu sagen. Oy tat das fast augenblicklich und bemerkenswert deutlich. Sheemie lachte, und Haylis stimmte in das Lachen mit ein. Es klang, als wären sie zwei Jungen aus der Calla. Wenn auch möglicherweise von der minderen Art.
Roland, dessen Lippen kaum mehr als einen weißen Strich in seinem strengen Gesicht bildeten, wandte sich unterdessen an Dinky und Ted.
7
»Er muss um jeden Preis herausgehalten werden, sobald die Schießerei losgeht.« Der Revolvermann machte eine Handbewegung, als sperre er ein Schloss ab. »Wenn wir unterliegen, spielt es keine Rolle, was später mit ihm geschieht. Siegen wir aber, werden wir ihn noch
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