Der Gitano. Abenteuererzählungen
wohlhabenden Privatleuten gekauft werden, um von ihnen zu schnellen Seereisen benutzt zu werden. Er war auf ihr um das Cap herum nach Indien gekommen und hatte sie auch jetzt benutzt, um Ceylon schneller als mit einer andern Gelegenheit zu umkreisen. Die Rechnung wurde berichtigt und dann bestiegen wir die Palankins, um nach dem Hafen getragen zu werden.
Unsere Ankunft brachte auf der Yacht die feiernden Hände in rührige Bewegung. Die Abreise von Point de Galle war für den morgenden Tag festgesetzt gewesen, und so hatte man keinerlei Vorbereitung getroffen. Doch dauerte es nicht lange, so zischte das Wasser in dem rasch erhitzten Kessel, die Ankerwinde knarrte, die Schraube bohrte sich in die widerstrebende Fluth, und das schmucke Fahrzeug strebte zwischen den im Hafen liegenden Fahrzeugen hindurch in graziösen Windungen dem Ausgange zu. Wir stachen in See.
Es war vollständig Nacht geworden, aber es lag eine Helle auf dem Wasser, wie sie die Sterne des Nordens nicht zu spenden vermöchten. Ich stand neben Walpole auf dem erhöhten Quarterdecke. Er war längst schon wieder der schweigsame Mann geworden, rief nur hier und da eines seiner kurzen, scharfen Commandoworte über das Deck hinweg und trat, als Alles sich in gehöriger Fahrt befand, zu dem Manne am Steuer.
»Du hältst den jetzigen Cours, scharf Ost bei Süd. Sobald wir Cap Thunder-Head doupliren, lässest Du mich wecken!«
»
Verry well,
Sir! Darf ich vielleicht fragen, nach welchem Platze wir bestimmt sind?«
»Weiß es selbst noch nicht. Es gilt eine Jagd.«
»Eine Jagd?« frug der alte Schiffer erfreut. »Auf wen, Sir, wenn ich fragen darf?«
»Auf die Dschonke Jao-dse, bestimmt nach Kanton.«
»Ah – –!« dehnte der Frager. »Auf diesen dicken Wassermolch? Hab mir ihn angesehen und nicht viel Wohlgefallen an ihm gefunden. Muß eine eigene Fracht haben, eine sehr eigene! Sie luden des Nachts und waren ganz außerordentlich still und vorsichtig dabei. Zimmt, Kaffe oder Zucker wird es wohl nicht gewesen sein!«
»Werden es schon noch erfahren! Wir werfen wenigstens vier Mal mehr Knoten hinter uns als der Chinese und sind am Morgen jedenfalls auf gleicher Länge mit ihm. Dann steuern wir erst Nord bei Ost, dann Nord an Nord, und ich denke, daß wir ihm auf diese Weise ganz sicher schräg auf die Segel dampfen.«
»
All right,
ganz meine Meinung, Sir! Ist die Jagd scharf?«
»Möglich, daß sie es wird. Laß Kartätschen und Kugelpatronen klar machen! Gute Nacht!«
»Wird besorgt.
Good night, Messieurs!
«
Wir suchten die Cajüte auf und legten uns zur Ruhe. Es gab ja für den Augenblick Nichts vorzunehmen, und um der blosen Unterhaltung willen den Schlaf zu opfern, dazu war der gute Sir John Emery niemals bereit zu finden.
Als wir geweckt wurden, war es schon längst heller Morgen. Cap Thunder-Head mit seinen berühmten Tempelruinen lag bereits weit hinter uns, so daß ringsum nur Himmel und Wasser zu sehen war. Zahlreiche Segel belebten den Gesichtskreis; sie gehörten Fahrzeugen an, welche entweder von Trinkomalo und Batticalao oder aus Indien, China und Japan kamen, um vor dem günstigen Passat nach West zu steuern. Wir kümmerten uns nicht um sie; der Jao-dse war jedenfalls nicht unter ihnen. Die brave Yacht schnitt, leicht zur Seite geneigt, mit halbem Gegenwinde immer Nord bei Ost durch die Fluthen, und warf sich erst um die Mittagszeit auf Nord bei Nord herum. Walpole, welcher selbst als Kapitän fungirte, ließ jetzt alle Segel beisetzen, und es war zum Erstaunen, mit welcher Schnelligkeit wir nun trotz des widrigen Passates genau der geographischen Länge folgten.
Jetzt war die Zeit gekommen, einen Mann in die Masthuth zu schicken, um auf die Fahrzeuge, deren Cours wir durchschnitten, scharfen Ausguck zu halten.
Walawi bat, den Posten übernehmen zu dürfen, und Walpole gab ihm die Erlaubniß dazu. Er konnte versichert sein, daß der Singhalese seine Sinne auf das Aeußerste anstrengen werde, um die Dschonke zu entdecken.
Diese war jedenfalls wenigstens unter den Segelschiffen das einzige, welches nach Osten ging; es war gar nicht möglich, daß sie uns entschlüpfen konnte, und doch verging der Nachmittag und wir hatten die Breite von Cap Palmyra hinter uns, ohne den Chinesen in Sicht zu bekommen. Ich suchte Walpole auf, welcher ungeduldig längst der Reyling hin und her spazierte.
»Ich denke, der Jao-dse hat dem Hafenmeister falsches Ankerziel gesagt und treibt an einem Küstenpunkte irgend ein verschleiertes Geschäft.
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