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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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bald darauf versah das Erscheinen von Atala den Namen Chateaubriand mit großem Glanz, was der Erste Konsul besorgt verfolgte, denn alles, was die Aufmerksamkeit von ihm ablenkte, weckte seine Eifersucht.
    Auf Atala folgte Der Geist des Christentums . Bonaparte fand sich in seinen restaurativen Bestrebungen unversehens unterstützt durch ein Buch, das allerorten auf Begeisterung stieß, ein Buch, dessen unstreitiger Wert die Geister dazu anregte, sich wieder mit religiösen Gedanken zu beschäftigen.
    Eines Tages besuchte Madame Baciocchi ihren Bruder und reichte ihm ein schmales Bändchen. »Lesen Sie das, Napoleon«, sagte sie. »Ich bin mir sicher, dass es Ihren Beifall finden wird.« Bonaparte nahm das Buch in die Hand und warf zerstreut einen Blick darauf. Es war Atala . »Schon wieder ein Roman mit A«, sagte er. »Als hätte ich nichts anderes zu tun, als Ihre ganzen Eseleien zu lesen!«
    Dennoch nahm er das Buch und legte es auf seinen Schreibtisch.
    Als Nächstes bat ihn Madame Baciocchi, den Namen Monsieur de Chateaubriands von der Liste der Emigranten zu streichen. »Aha«, sagte er, »hat Monsieur de Chateaubriand Ihr Atala geschrieben?« – »Ja, Bruder. »- »Sehr gut, ich werde es lesen, wenn ich Zeit dazu finde«, und dann, an seinen Sekretär gewandt: »Bourrienne, schreiben Sie Fouché, er soll den Namen Monsieur de Chateaubriands von der Liste der Emigranten streichen.«
     
    Ich sagte bereits, dass Bonaparte nicht allzu gebildet war und sich nicht sonderlich für die Literatur interessierte; dass er den Namen des Verfassers von Atala nicht kannte, bestätigt dies nur.
    Der Erste Konsul las Atala , und das Buch fand sein Gefallen; als einige Zeit darauf Monsieur de Chateaubriand den Geist des Christentums veröffentlichte,
war der erste unvorteilhafte Eindruck, den Bonaparte von ihm gehabt hatte, ganz und gar getilgt.
    Am Abend der Unterzeichnung des Ehevertrags zwischen Mademoiselle de Sourdis und Hector de Sainte-Hermine waren Bonaparte und Monsieur de Chateaubriand einander zum ersten Mal begegnet. Bonaparte hatte im Verlauf des Abends das Wort an den Dichter zu richten beabsichtigt, doch der Abend fand ein so brüskes und absonderliches Ende, dass Bonaparte in den Tuilerienpalast zurückkehrte, ohne einen weiteren Gedanken an Chateaubriand verschwendet zu haben.
    Die zweite Gelegenheit für ein Gespräch war der prunkvolle Empfang, den Monsieur de Talleyrand für die Infanten von Parma ausrichtete, die auf der Durchreise waren, um den Thron von Etrurien zu besteigen.
     
    Lassen wir Monsieur de Chateaubriand selbst berichten, wie er den ersten elektrisierenden Kontakt mit dem Ersten Konsul empfunden hat:
    »Ich stand in der Galerie, als Napoleon eintrat. Ich war angenehm überrascht, hatte ich ihn doch bisher immer nur von Weitem gesehen: Sein Lächeln war gewinnend und schön; sein Auge herrlich. Noch war sein Ausdruck frei von aller Scharlatanerie, noch lag nichts Theatralisches und Affektiertes in seinem Blick. Mein Geist des Christentums , das damals viel Aufsehen erregte, hatte auch Napoleon beeindruckt. Eine wunderbare Einbildungskraft belebte den so kalten Politiker. Er wäre ohne den Beistand der Muse nicht geworden, was er wurde; der Verstand führte die Ideen des Poeten aus. Alle großen Männer sind stets aus zwei Naturen gebildet, denn sie müssen sowohl Eingebung als auch Befähigung zum Handeln besitzen: Die Erstere entwickelt den Plan, die Zweite führt ihn durch.
    Bonaparte wurde meiner ansichtig und erkannte mich; woran, weiß ich nicht. Als er sich auf mich zubewegte, wusste man nicht, wen er suchte; die Reihen öffneten sich nacheinander, und jeder hoffte, der Konsul würde vor ihm stehen bleiben. Es schien, als sei er etwas ungeduldig über dieses Missverständnis; ich versteckte mich hinter meinen Nachbarn; plötzlich erhob Bonaparte die Stimme und sagte zu mir: ›Monsieur de Chateaubriand. ‹ Ich stand allein vor ihm, denn die Menge trat ein wenig zurück und stellte sich alsbald im Kreis um die beiden Gesprächspartner. Bonaparte begrüßte mich ganz schlicht; ohne mir Komplimente zu machen, ohne müßige Fragen zu stellen, sprach er ganz unvermittelt über Ägypten und über die Araber, als hätte ich zu seinen Vertrauten gehört und als führte
er eine bereits begonnene Unterhaltung weiter. ›Ich war immer betroffen‹, sagte er zu mir, ›wenn die Scheiks mitten in der Wüste auf die Knie fielen, sich nach Osten wendeten und mit ihrer Stirn den Sand berührten.

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