Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
Desmoulins, Fréron, Fabre d’Églantine, Anacharsis Cloots, aus den Rednern Danton und Legendre, den zwei Schlächtern, deren einer die Straßen von Paris zu Schlachthöfen machte.
Die Cordeliers sind der Bienenstock; die Bienen wohnen ringsum: Marat fast gegenüber, Desmoulins und Fréron in der Rue de la Vieille Comédie, Danton fünfzig Schritte entfernt, Passage du Commerce, Cloots in der Rue Jacob, Legendre in der Rue des Boucheries-Saint-Germain.
Chateaubriand sah und hörte sie alle: den schnarrenden Desmoulins, den stotternden Marat, den donnernden Danton, den fluchenden Legendre, den gotteslästerlichen Cloots, und sie machten ihm Angst.
Er beschloß, sich im Ausland den Vornehmen anzuschließen, die sich unter den Fahnen der Prinzen gesammelt hatten; zu seinem Unglück stand diesem Vorhaben im Weg, dass er kein Geld hatte.
Madame de Chateaubriand hatte als Mitgift nur Assignaten in die Ehe mitgebracht, und Assignaten besaßen mittlerweile weniger Wert als unbedrucktes Papier, das man wenigstens benutzen konnte, um eine Rechnung oder einen Wechsel auszustellen.
Schließlich fand sich ein Notar, der noch über etwas Geld verfügte und zwölftausend Francs herlieh. Monsieur de Chateaubriand steckte das Geld in eine Brieftasche und die Brieftasche in seine Tasche. Diese zwölftausend Francs waren seine Zukunft und die seines Bruders.
Aber der Mensch denkt, und Satan lenkt. Der künftige Emigrant begegnet einem Freund, erzählt ihm, dass er zwölftausend Francs mit sich führt. Der Freund ist Spieler, die Spielsucht ist ansteckend: Monsieur de Chateaubriand betritt eine Spelunke im Palais-Royal und verspielt zehntausendfünfhundert Francs des ihm anvertrauten Geldes.
Zum Glück gibt ihm das, was ihm den Verstand hätte rauben können, die Vernunft zurück. Der künftige Verfasser des Geistes des Christentums war kein Spieler von Natur aus. Die fünfzehnhundert Francs, die ihm geblieben sind, verwahrt er in seiner Brieftasche, er entflieht dem übel beleumdeten Ort, steigt in eine Droschke, kommt zu Hause an, sucht nach seiner Brieftasche, doch vergebens. Die Brieftasche liegt in der Droschke, Monsieur de Chateaubriand steigt zu eilig aus, die Droschke fährt weiter. Er läuft hinterher. Kinder haben die Droschke mit neuen Fahrgästen vorbeifahren sehen. Ein Dienstmann kennt den Kutscher, weiß, wo er wohnt, und nennt die Adresse.
Monsieur de Chateaubriand wartet vor der Wohnungstür auf den Kutscher, der um zwei Uhr morgens nach Hause kommt. Nach Monsieur de Chateaubriand hat er drei Sansculotten und einen Priester gefahren. Wo die Sansculotten wohnen, weiß er nicht, aber die Adresse des Priesters kennt er.
Es ist drei Uhr morgens, eine Zeit, zu der man einen ehrbaren Bürger nicht aus dem Schlaf reißen kann. Monsieur de Chateaubriand geht nach Hause, zu Tode erschöpft, und schläft.
Später am Tag weckt ihn der Priester, der ihm seine Brieftasche mit den fünfzehnhundert Francs bringt.
Am Tag darauf brechen Monsieur de Chateaubriand und sein älterer Bruder in Begleitung eines Dieners nach Brüssel auf; der Diener ist gekleidet wie sie und wird als Freund ausgegeben.
Der unglückselige Diener hatte drei Fehler: Er war zu ehrerbietig, andererseits zu vertraulich, und drittens träumte er laut. Seine Träume aber waren von kompromittierendster Art. Er wähnte ständig, man wolle ihn verhaften, und stand stets im Begriff, aus der Eilpost zu springen. In der ersten Nacht gelang es den Brüdern mit Mühe und Not, ihn zurückzuhalten; in der zweiten Nacht rissen sie die Tür der Kutsche weit auf, der arme Teufel sprang hinaus und rannte ohne Hut querfeldein davon, immer noch in seinem Traum befangen.
Die beiden Reisenden glaubten sich von ihm befreit, doch ein Jahr später kostete seine Aussage den älteren Bruder Monsieur de Chateaubriands den Kopf.
Die Brüder erreichten Brüssel, damals Treffpunkt der Royalisten. Von Brüssel nach Paris waren es vier bis fünf Tage Fußmarsch, für Pessimisten acht Tage. Die anwesenden Royalisten waren sehr erstaunt, dass die zwei Brüder kamen, statt zu warten. Man rechnete fest darauf, Paris einzunehmen, wozu also die Stadt verlassen? Und für den Neuankömmling gab es keinen Platz, auch nicht in dem Regiment von Navarra, in dem er vormals als Leutnant gedient hatte.
Bretonische Einheiten, vergleichbar den alten fränkischen Einheiten, wollten Thionville belagern. Sie waren weniger stolz als die Herren des Regiments von Navarra, begrüßten ihren Landsmann
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