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Der Greif

Der Greif

Titel: Der Greif Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gary Jennings
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füllen, und dann muß es so fest verschlossen werden wie eine Weinflasche, deren Inhalt nicht verderben soll. Es muß so dicht sein, daß der Schall der Trompete nicht entweichen kann.«
    »Ach so, deshalb möchtest du es gelötet haben. Ja, das läßt sich machen.«
    »Gut. Ich brauche mindestens zwanzig von den Dingern;
    und zwar so bald wie möglich.«
    »Ich habe dir bereits gesagt, daß ich es machen kann, aber warum sollte ich?«
    »Ja, warum sollte er?« sagte Ansila gereizt. »Ich
    überwache hier die Herstellung aller Rüstungen und Waffen, und ich bin es auch, der die Befehle gibt.«
    »Dann gebt den Befehl zur Anfertigung meiner Waffen am besten jetzt gleich, Wachmann Ansila, dann kann der
    Schmied mit Eurer Hilfe schon die Nacht über an den
    Waffen arbeiten, bevor Theoderich ihm morgen erst den
    Befehl dazu geben muß; und ich kann Euch versichern, daß er das tun wird.«
    »Hafer!« rief Theoderich ungläubig aus, als ich ihn am nächsten Morgen, während er noch beim Ankleiden war, auf meine Idee ansprach. »Du willst das Tor mit Hafer
    einschlagen? Hat der Hunger dir den Verstand verwirrt, Thorn?«
    »Nun, ich kann dir nicht garantieren, daß es klappt«, sagte ich. »Ich hatte jedoch schon einmal die Gelegenheit, zu beobachten, wie diese Methode auf geradezu magische
    Weise funktionierte allerdings in einem kleineren Rahmen.«
    »Wie funktionierte sie?«
    Er besah sich das Werkstück, das ich mitgebracht hatte.
    Ansila und der Schmied hatten über Nacht kunstfertig aus dünnem Eisenblech einige davon hergestellt. Sie sahen nun zwar weniger wie eine Schote aus als auf meiner Zeichnung, aber natürlich auch nicht wie eine Trompete. Sie ähnelten eher einer dicken, einschneidigen Schwertklinge, die an beiden Enden vierkantig war. Zudem waren die Behälter
    noch nicht ganz fertig, da ich den Schmied gebeten hatte, eines der Enden offen zu lassen.
    »Durch diese Öffnung stopfen wir es mit Haferkörnern
    voll«, erklärte ich, »und zwar so dicht gepreßt, wie es nur geht. Dann füllen wir Wasser hinein. Zum Schluß setzt der Schmied die Verschlußkappe obendrauf und lötet sie fest an. Dann bringe ich mit ein paar Männern die
    verschlossenen Dinger sofort zum Tor, denn es muß schnell gehen. Wir schieben sie mit dem schmalen Ende nach vorn in die Risse und Spalten um das Tor, und zwar so viele wie nur möglich; immer eines neben das andere. Dann hämmern wir sie wie Keile so tief und fest in die Risse, wie wir nur können.«
    Ich machte eine Atempause. Theoderich betrachtete mich nachdenklich und mit dem Anflug eines Lächelns. »Und
    dann?« fragte er.
    »Dann ziehen wir uns zurück und warten. So dicht gepreßt und eingeschlossen müßten die quellenden Körner ihre
    Behältnisse mit immenser Kraft sprengen; auch wenn
    dadurch vielleicht nicht das ganze Tor niedergeschmettert wird, so hoffe ich doch, daß die Kraft dazu ausreichen wird, die Torflügel so zu verziehen, daß diese die hinteren
    Querbalken zum Zerbersten bringen, so daß das Tor, so
    Gott will, schließlich nicht mehr standhalten kann, wenn deine kräftigsten Männer es mit einem rohen Baumstamm
    als Rammbock angreifen.«
    Theoderich blickte mich immer noch prüfend an, als er
    sagte: »Ich besitze keinen Plan von den
    Befestigungsanlagen Singidunums, aber ich weiß, daß die Mauer schrecklich dick ist. Wahrscheinlich befindet sich im rückwärtigen Teil des Mauerbogens sogar noch ein weiteres Tor.«
    »Dann müssen wir einfach dieselbe Prozedur nochmals
    wiederholen. Die Sarmaten haben keine Möglichkeit, uns davon abzuhalten. Allerdings müssen wir natürlich auch bedenken, daß unsere sechstausend Krieger auf
    neuntausend Sarmaten stoßen werden, wenn es uns
    tatsächlich gelingt, in die Stadt vorzudringen.«
    Theoderich machte eine wegwerfende Handbewegung.
    »Du selbst hast drei kampfgewohnte sarmatische Krieger außer Gefecht gesetzt. Wenn jeder meiner wesentlich
    erfahreneren Männer nur das gleiche Maß an Mut und
    Geschicklichkeit an den Tag legt wie du, dann könnten wir es ohne Bedenken mit achtzehntausend Mann aufnehmen.«
    »Wenn wir überhaupt hineinkommen«, sagte ich, »aber wir riskieren ja nichts, wenn wir die von mir vorgeschlagene Methode anwenden, und mir persönlich ist es lieber, den Hafer auf diese Weise zur Anwendung zu bringen als
    weiterhin diesen klebrigen Haferbrei essen zu müssen.«
    »Mir auch«, sagte Theoderich lachend. »Natürlich werde ich es mit deinem Plan versuchen. Oder hast du daran etwa

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