Der Krake
ziemlich sicher, und er arbeitete in der IT-Abteilung. »Kommen Sie, Sie wollen doch Spock nicht vor den Kopf stoßen.« Maddy Singh hasste kochen und lebte vorwiegend von High-End-Fertigprodukten.
»Sorry«, sagte er. »Ich muss ein paar Details bezüglich unseres Trekkie-Verkaufs überprüfen. Ich brauche die Namen einiger Kunden.«
»Das Freakfestival? Darum kümmert sich Laura.« Maddy deutete in den hinteren Bereich des Raums.
»Danke«, sagte Joel, falls das wirklich sein Name war, und machte zum Abschied wieder das Zeichen, so wie es jeder in diesem Büro wochenlang getan hatte, wenn auch einige schwer daran zu kämpfen hatten, ihre Finger in die richtige Position zu zwingen. »Ich war nie gut in Klingonisch.«
»Vulkanisch«, sagte Maddy über ihre Schulter zu ihm. »Herrje, Sie sind wirklich ein hoffnungsloser Fall.« Und von da an dachte sie nicht mehr an den Mann, nie mehr in ihrem Leben.
»Laura.«
»Oh, hi.« Laura blickte auf. Der Mann, der vor ihrem Schreibtisch stand, arbeitete in der Personalabteilung, wenn sie sich recht erinnerte.
»Tun Sie mir einen kleinen Gefallen?«, sagte er. »Sie haben den Papierkram zu der Star-Trek -Auktion, richtig?« Sie nickte. »Ich brauche eine Liste der Käufer und Verkäufer.«
Laura war 27, rothaarig und schlank. Sie war schwer verschuldet und hatte sich im Internet über Insolvenzverfahren informiert. Sie hatte eine Vorliebe für Hip-Hop, die sie selbst als amüsant und ein wenig peinlich empfand.
»Aha.« Sie stöberte stirnrunzelnd in ihrem Computer. »Äh, worum geht es denn?« Er konnte nicht von der Personalabteilung sein. Sie musste sich geirrt haben. Offenbar ein Schuldeneintreiber.
»Ach, Sie kennen das doch.« Er schüttelte den Kopf und zog die Stirn kraus, um anzudeuten, wie schwer geprüft er doch war. Laura lachte.
»Ja«, sagte sie. »Ich kann's mir vorstellen.« Laura überlegte, ob sie an die Uni zurückgehen und ihren Master in Literatur machen sollte. Sie rief die Datensätze auf. »Waren Sie bei dem Verkauf dabei?«, fragte sie. »Waren Sie verkleidet?«
»Oh, ja«, antwortete er. »Bin überallhin gebeamt.«
»Brauchen Sie alle Kunden?«, fragte sie. »Ich brauche dafür eine Bevollmächtigung, wissen Sie.«
»Tja«, sagte er nachdenklich, »es wäre wohl das Beste, wenn ich mir alle ansehe, aber ...« Er nagte an seiner Lippe. »Ich sage Ihnen was. Wenn Sie oben anrufen, können Sie sich von, na ja, John bestätigen lassen, dass alles seine Ordnung hat, und mir den Kram ausdrucken, aber das eilt nicht. Wenn Sie mir nur vorab die Details zu Los 601 geben könnten.«
Laura schnalzte mit der Zunge. »In Ordnung. Reicht es Ihnen, wenn ich mich wegen der anderen Daten in ein paar Stunden bei Ihnen melde?«
»Es hat keine Eile.«
»Oh, ein anonymer Käufer«, sagte sie.
»Ja, ich weiß. Deshalb muss ich ja herausfinden, um wen es sich handelt.«
Laura musterte das vertraute Gesicht. »Also gut. Was überprüfen Sie?« Sie tastete sich rückwärts durch die Lagen der Anonymisierung.
»O Gott«, sagte er und verdrehte die Augen. »Fragen Sie nicht. Probleme über Probleme. Aber wir sind dran.« Sie druckte. Der Mann ergriff das Blatt, dankte ihr und ging davon.
»Da kommt er«, sagte Dane.
Er lungerte zusammen mit Billy bei einem Zeitschriftenhändler herum. Jason Smyle, das proletarische Chamäleon, überquerte die Straße. Da kam er also und faltete ein Blatt Papier auseinander und wieder zusammen.
Jason betrieb unterwegs noch immer seine Kunsterei, und die Leute, die ihm begegneten, waren für einen Moment flüchtig überzeugt, ihn zu kennen, zu wissen, dass er ein paar Schreibtische weiter im selben Büro arbeitete oder Steine auf der Baustelle schleppte oder wie sie selbst Kaffee mahlte, sie konnten sich nur nicht an seinen Namen erinnern.
»Dane«, sagte er und umarmte ihn zur Begrüßung. »Billy. Wo ist Wati? Ist er hier?«
»Streikeinsatz«, gab Dane zurück.
Jason war eine bloße Funktion des städtischen Erwerbslebens. Seine Kunsterei entstaltete ihn, er war unspezifisch. Er war abstrakt, kein Arbeiter, sondern eine menschliche Form der Lohnarbeit an sich. Wer konnte dieser Gorgone ins Gesicht sehen? Die Folge war, dass, wer immer ihn sah, ihn der eigenen Umgebung angemessen konkretisierte. Womit es unmöglich war, ihn wirklich wahrzunehmen.
Hätte es Smyle nicht gegeben, dann hätten London und seine Ökonomie ihn ausgespuckt, ihn wachsen lassen wie ein Baby. Er konnte sich irgendwo einen freien Schreibtisch
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