Der Mann, der nicht geboren wurde
gingen sie zu sechst hinein. Adsar hatte noch darüber
nachgedacht, sich mit seinen Männern nur vor dem Gebäude zu postieren, aber das
hätte bedeutet, die Ermittlung ganz allein dem Mammut anzuvertrauen,
und da das Mammut selbst äuÃerst verdächtig war,
stand das nicht zur Debatte. Ein Gedanke, der den Leutnant nicht mehr loslieÃ,
war, dass das Mammut in diesem Bordell versuchen
wollte, sich vermittels von Schmetterlingsmenschenmagie eine Entlastungszeugin
zu basteln. Er war fest entschlossen, dem seltsamen Alten Estéron sehr genau
auf die Finger zu sehen. Dennoch wollte er sich mit seinen Uniformierten ein
wenig im Hintergrund halten, um das Schweigen der Liebesdienerinnen etwas
aufzulockern.
Das Drachen & Höhlen wurde â anders
als die meisten Einrichtungen dieser Art â von einem Mann geleitet, einem
schlanken Stutzer mit auffällig gepflegten Händen und ölig zurückgekämmten
langen Haaren, der auf den Namen Mewis Moju hörte. Angesichts dreier
Uniformierter in Begleitung dreier weiterer Personen, die nicht nach zahlenden
Gästen aussahen â ein Blinder, ein vollbärtiger Bewaffneter und ein Mädchen! â,
ergriff er sofort die Offensive und drängte sich in Begleitung eines männlichen
Muskelberges mit tumbem Gesichtsausdruck den Neuankömmlingen entgegen. Leutnant
Adsar lieà ihn gar nicht erst groà zu Wort kommen, sagte nur knapp, dass der
Schmetterlingsmann ein paar Fragen hätte und die Garde unbedingte Kooperation
wünsche. Mewis Moju verbeugte sich beinahe bis zum Boden und hörte sich dann
aufmerksam an, was Estéron zu sagen hatte.
Hier drinnen roch es aufdringlich nach verschiedenartigen Duftölen,
Räucherwerken und Seifen, eine Musikerin â die, was Estéron nicht sehen konnte,
barbusig war â klimperte an einer groÃen Standharfe herum, ein kleiner
Springbrunnen â ähnlich seinen groÃen Pendants im Adelsbezirk durch eine
bestimmte Form von handwerklicher Delphiormagie angetrieben â plätscherte im
Hauptraum, Männer saÃen herum, schnurrten und wurden gekrault, Mädchen
schnürten umher mit wiegenden, schmuckklirrenden Hüften, Seidenkissen dämpften
Geräusche und konnten doch ein unzweideutiges Stöhnen, das aus dem oberen
Stockwerk herunterwehte, nicht verdecken. Der Schmetterlingsmann brauchte ein
paar Sandstrichbruchteile, um sich unter dem schamlosen Bewurf von
Sinneseindrücken so weit sammeln zu können, dass er in der Lage war, Fragen zu
stellen.
»Es geht um die Nacht des Bachmufestes. Wir sind auf der Suche nach
einer Frau, die für Euch arbeitet und die in dieser Nacht möglicherweise eine
Verabredung mit Uklas Eimenhard hatte.«
»Das Bachmufest, ihr lieben Götter!« Mewis
Moju gebärdete sich übertrieben feminin. »Das ist doch nun schon volle zehn
Nächte her! Niemand kann verlangen, dass ich mich an etwas entsinne, was
sozusagen Jahrhunderte vergangen ist!«
»Ihr braucht Euch nicht zu entsinnen. Ihr braucht wahrscheinlich nur
in Euren Büchern nachzuschlagen.« Estérons Stimme war freundlich, aber auf
seltsame Art und Weise zwingend.
»Meine Bücher kann ich nicht offenlegen. Das ist unmöglich! Das wäre
mein Ruin!«
»Ihr braucht sie nicht offenzulegen. Keiner von uns wird hineinblicken,
ich schon gar nicht.« Estéron deutete auf seine milchfarbenen Augen. »Gebt uns
nur alles, was Ihr an Informationen zu erübrigen habt, und Ihr seid uns schnell
wieder los.«
Erneut verbeugte sich der Stutzer tief. Dann entfernte er sich in
eines der Hinterzimmer und kehrte erst nach einigen Sandstrichen wieder zurück.
Sein Hemd zeigte Schwitzflecken unter den Achseln, die dem Leutnant Adsar nicht
entgingen. Wahrscheinlich hatte der Bordellbesitzer schnell Unterlagen
versteckt. »Nichts, meine Herren. Absolut nichts. Meine Mädchen haben nur
selten Einladungen auÃer Haus, da ich stets bestrebt bin, ihnen die Sicherheit
meines Schutzes angedeihen zu lassen. Aber in fraglicher Nacht waren alle hier,
es herrschte Hochstimmung, es war Bachmufest, ihr versteht das sicher! Ich
möchte keinen Ãrger haben. Uklas Eimenhard, ist der denn nicht
bedauerlicherweise ums Leben gekommen?«
Estérons blinde Augen gingen durch den schwafelnden Gecken hindurch.
Er wandte sich halb zu Tjarka um. »Tjarka? Dort hinten in dieser Ecke des
Zimmers ist eine junge Frau, deren Atem sich merklich
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