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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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sein werden, ansonsten hätten sie es nicht so weit kommen lassen. Dann überprüfen wir alle Räume des Labors. Später lassen wir einige Ingenieure herfliegen, die den Rest der Anlage durchkämmen.“
    Sie bewegten sich nach draußen, doch auf der Schwelle blieb sie einen Augenblick lang stehen. „Hank, dieser Motor war das Wertvollste in dieser Fabrik“, sagte sie mit leiser Stimme. „Er war wertvoller als diese gesamte Fabrik und alles, das sich je darin befand. Und doch wurde er ignoriert und im Müll zurückgelassen. Er war die einzige Sache, die niemand für wert befand mitzunehmen.“
    „Das ist genau das, was mir daran Angst macht“, antwortete er.
    Im Personalbüro hielten sie sich nicht lange auf. Sie fanden es, weil das Schild noch an der Tür hing, aber es war das Einzige, was noch übrig war. Darin waren weder Möbel noch Papiere, nur die Glassplitter eingeschlagener Fensterscheiben.
    Sie kehrten in den Raum zurück, wo sich der Motor befand. Auf allen Vieren überprüften sie jedes Stück Schrott, das auf dem Fußboden herumlag. Sie fanden nicht viel. Sie legten jene Papiere, die Versuchsnotizen zu enthalten schienen, beiseite, aber nichts davon bezog sich auf den Motor, und keine der Seiten gehörte zum Manuskript. Die Popcorntüten und die Whiskyflasche sagten genug über die Horden, die hier eingefallen waren, die durch diesen Raum gedonnert waren wie Wellen, die die Reste der Zerstörung in unbekannte Tiefen davongespült hatten.
    Sie legten einige Metallstücke, die Teile des Motors gewesen sein konnten, zur Seite, doch sie waren zu klein, um von Wert zu sein. Der Motor sah aus, als wären ganze Teile davon abgerissen worden, vermutlich von jemandem, der dachte, er könnte sie für irgendwelche alltäglichen Zwecke gebrauchen. Was davon übrig geblieben war, war zu ungewöhnlich, um jemanden zu interessieren.
    Mit schmerzenden Knien, die Handflächen flach auf dem rauen Boden, spürte sie, wie sie innerlich vor Wut zitterte, vor einer schmerzlichen, hilflosen Wut angesichts dieser Schändung. Sie fragte sich, ob wohl die Stoffwindeln von irgendjemandem auf einer Wäscheleine hingen, die aus einem der fehlenden Kabel des Motors bestand; ob seine Räder zu Flaschenzügen in einem Dorfbrunnen geworden waren; ob sein Zylinder nun als Topf für Geranien auf dem Fensterbrett der Freundin des Mannes mit der Whiskyflasche stand.
    Ein letzter Lichtschein beleuchtete den Hügel, aber ein blauer Nebel zog bereits in die Täler, und das Rot und Gold der Blätter breitete sich in den Streifen des Sonnenuntergangs über den Himmel aus.
    Es war dunkel, als sie fertig waren. Sie erhob sich und lehnte sich gegen den leeren Fensterrahmen, um einen Hauch kühler Luft auf ihrer Stirn zu spüren. Der Himmel war tiefblau. „Er hätte das ganze Land in Bewegung versetzen und revolutionieren können.“ Sie sah hinunter auf den Motor. Sie sah hinaus über das Land. Plötzlich stöhnte sie mit einem einzigen langen Erschauern auf, lehnte sich gegen den Fensterrahmen und ließ den Kopf auf ihre Arme fallen.
    „Was ist los?“, fragte er.
    Sie antwortete nicht.
    Er sah hinaus. Weit unten im Tal flackerten in der herabsinkenden Nacht die fahlen Lichtflecken einiger Talgkerzen.

X. Wyatts Fackel
    A ch du lieber Gott, Ma’am!“, sagte der Beamte des Archivs. „Niemand weiß, wem die Fabrik jetzt gehört. Ich schätze, das wird auch keiner mehr herausfinden.“
    Der Beamte saß an seinem Schreibtisch in einem Büro im Erdgeschoss, wo der Staub unberührt auf den Akten lag und nur selten Besucher vorbeikamen. Er blickte auf das glänzende Auto, das vor seinem Fenster auf dem schmutzigen Platz geparkt hatte, der einst das Zentrum einer blühenden Bezirkshauptstadt gewesen war. Wehmütig und erstaunt blickte er auf seine beiden unbekannten Besucher.
    „Warum?“, fragte Dagny.
    Hilflos deutete er auf den Stoß von Papieren, die er aus den Akten gezogen hatte. „Das Gericht wird entscheiden müssen, wem sie gehört, was glaube ich kein Gericht kann. Wenn der Fall jemals vor Gericht kommt. Ich glaube nicht, dass er das wird.“
    „Warum? Was ist passiert?“
    „Sie wurde komplett verkauft – die Twentieth Century, meine ich. Die Twentieth Century Motor Company. Sie wurde zweimal verkauft, zur gleichen Zeit und an zwei verschiedene Käufergruppen. Das war damals vor zwei Jahren ein Riesenskandal, und jetzt“, er zeigte mit dem Finger auf die Akten, „ist es nur noch ein Haufen Papier, das herumliegt und auf eine

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