Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
Vom Netzwerk:
auffsetzete / fing er diese Rede zu ihr an: Ach wie wunderlich spielet doch das Glük mit uns Menschen auff dieser Unterwelt! diesen frechen Buben kan so hefftige Pein nicht angeleget werden /daß durch ihre Ubeltaht sie nicht viel ein schärfferes verdienet hätten / uñ gleichwol kan deren Leiden das Gemüht meiner hochwerten Fräulein dermassen zur barmherzigkeit bewägen / daß sie ihnen den Jammer zukürzen alle zulangende Mittel angewendet hat / da hingegen ein ander / der nur durch Gedanken und auffrichtige Liebe an ihrer vortreffligkeit sich vergriffen /dieselbe zu keinem Mitleiden reizen / vielweniger einigen gegründeten Trost erlangen kan / wie andächtig und herzlich er gleich darumb ansuchet. Mein Fräulein fasset die Pein und Schmerzen dieser gottlosen Räuber so hefftig zu Gemüht / welche doch erträglicher als die meinen sind; dann ihr Leiden wird in kurzer Zeit durch den Tod geendet / da hingegen der erschrekliche Peiniger meine Seele dergestalt ohn unterlaß geisselt / rädert und kreuziget / daß sie kein Augenblik Ruhe nehme kan / so lange mein höchstgeliebtes Fräulein die Barmherzigkeit mir versaget. Das Fräulein wuste ihm hierauf nit so schleunig zuantworten / sondern schwieg ein wenig stille / deswegen er also fortfuhr: O ich unglükseliger / der ich weder Erlassung noch Urtel / weder Gnade noch Straffe / ja weder Zusage noch Abdankung erhalten kan! Erkühnet euch doch / mein Fräulein / durch Brechung des Stabes / das ist / durch ausdrükliche Verwegerung eurer Liebe und Gunst / mir meines Lebens Ende anzudeuten / wann ja wegen meiner gar zuverwerflichen Unvolkommenheiten deren Hulde und Begünstigung ich zu unwirdig bin; Ich wil die Urtel meiner gar zu kühnen Liebe beständig anhören / und deren Volstreckung auch mit dieser meiner Hand zu verrichten nicht unwillig seyn / umb zubezeugen / daß wann ich lebendig nicht gehorsamen kan / ich dannoch durch Leistung ihres begehrens andeuten wil /und ein unfehlbahres Zeugniß hinter mir verlassen /daß mein Herz und Seele sich ihrem Befehl allerdinge unterworffen habe. Diese Rede brachte der Fürst aus halb verzweifeltem Herzen vor / weil ihm diese Nacht unterschiedliche Einbildungen vorkommen wahren /er würde von dem Fräulein und ihren Anverwanten mit guten Worten hingehalten / und am Ende schimpflich abgewiesen werden / welches ihm so steiff im Sinne lag / daß er der Fräulein stilleschweigen vor eine Ungunst / ihre Reden vor eine Auftreiberey / und ihre Freundligkeit vor eine Falscheit ausdeutete; Weil er dann seinen Begierden nicht mehr zugebieten wuste / ließ er sich vor dißmahl mit solcher Heftigkeit heraus / daß nach geendeter Rede er in Ohmacht fiel / mit seinem Häupte in ihre Schos nidersank / und die Leidensträhnen ihm aus den Augen hervor brachen; dessen das Fräulein / weil es ihr ganz unvermuhtlich kam / zum höchsten erschrak / und seine inbrünstige Liebe daher gnug abnehmen kunte /wuste auch nicht / wie sie sich hierin verhalten solte; doch rüttelte sie ihn so viel / daß er als aus einem tieffen Schlaffe aufffuhr / und mit schweren seuffzen sagete: O einzige Ursach meines Todes / warumb gönnet sie ihrem ergebenen Knechte vor alle seine Neigungen / und da ichs sagen darff / vor alle seine Dienste nicht so viel Gnade / daß weil er ja sterben muß /er unter ihren Händen sterben möge; gebet nit zu /mein Fräulein / dz ich euch so barmherzig spüre /weil einer grössere Vergnügung ich nicht wirdig bin. Nam hiemit ihre Hand / und küsset dieselbe ohn auffhören; daher sie sich des schreckens in etwas erhohlete / und ihm diese Antwort gab: Durchleuchtigster Fürst und Retter meiner Ehren; warumb leget Eure Liebe mir ein solches zu / das mir nimmermehr zu Sinne kommen wird? oder was ursach hat dieselbe /mich einer Härtigkeit zubeschuldigen / die ganz ferne von mir ist? der Almächtige Gott gibt meinem Gewissen Zeugniß / daß ich mich nicht erinnern kan / Eure Liebe mit einem Worte oder Gedanken beleidiget zuhaben / sondern vielmehr / wie ich mich schuldig weiß / also auch willens bin / dieselbe nach aller ehrenbillicher Mögligkeit zuvergnügen; dann solte ich die hohe Woltaht nicht erkennen / welche mein hochwerter Fürst in Rettung meiner Ehre und Lebens erzeiget hat / so währe ich des Lebens unwirdig. Ich bitte aber von grund meiner Seele / so hart und hefftig in mich nicht zudringen / noch mir zuverargen / daß seinen Begierden ich mich nicht gleich stellen kan; dann würde Eure Liebe nicht dermahleins mirs zu

Weitere Kostenlose Bücher