Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
zu dienen / und deren gegen. Liebe in unzertrenlicher Ehe gottselig zugeniessen / wodurch er gezwungen sey /mir als seiner nähesten Blutsverwantin solches zu offenbahren / und meiner hülffe in erwerbung eurer Gunst und guten willens zugebrauchen; wann ich dann nicht zweiffele / mein geliebter Oheim und Bruder suche dieses von Herzen / so hoffe ich zugleich /eure Liebe werde sein inbrünstiges ansuchen nicht ausschlagen / sondern auff meine unterhandlung ihn vor ihren Schaz und künftigen Gemahl annehmen; hingegen versichere ich dieselbe hinwiederumb / daß eure Liebe er Zeit seines Lebens ehren / lieben und schützen / auch dieselbe auff ein solches Leibgedinge setzen sol / dessen kein Fräulein sich wird schämen dürffen; und ob etwa eure Liebe durch vorschützung der Nohtwendigkeit eurer Eltern gutheissen einzuhohlen / die endliche Erklärung auffschieben wolte / so erinnere ich dieselbe / was massen ihre Eltern mir volkommene Gewalt / sie zuverheirahten / auffgetrage /und sie daher an derselben einwilligung nicht zweiffeln darff. Das Fräulein gab zur Antwort: Durchleuchtigste Groß Fürstin / daß dieser auch Durchleuchtigster Fürst und gebohrner Groß Fürst aus Teutschland zu mir unwirdigen so hohe Gunst und Liebe gefasset /und zu seinem Gemahl mich in seinem Herzen erkiesen wollen / erkenne ich billich mit gebührlicher Dankbarkeit; nachdem aber euer Liebe Vortrag mir so schleunig und allerdinge unvermuhtlich vorkomt / als bitte untertähnig / mir etliche Monat bedenkfrist zu göñen / damit ich nicht durch unvorsichtige Antwort mich übereile / wie dann ein Fräulein in solchen teidungen bedachtsam fahren sol und muß. Der Groß Fürstin wahren ihre Schwänke wol bekant / lachete deswegen / und fragete / wie viel Monat sie dann bedenkzeit soderte. Ich stelle es in euer Liebe bestimmung / antwortete sie / wanns nur nicht unter sieben oder acht Monat seyn wird / wie dann gut Ding weile haben wil; bey welcher vorbringung sie selbst das Lachen nicht allerdinge einbeissenkunte. Wolan / sagte die Groß Fürstin / ich gebe euer Liebe nicht allein acht / sondern achtzehn Monat meines Jahrbuchs / in welchem jeder Monat einen Augenblik hält / und länger nicht; und ob ihr bedacht währet / weitere Ausflucht zusuchen / schlage ich diesen Kreiß umb euch beyde / bey Straffe meiner höchsten Ungnade / und Auffkündigung aller Freundschafft und Hulde / wo euer einer den Fuß drüber setzet / biß ihr einer dem andern diese Ringe auff schierkünftige Heiraht /wechselsweise eingeliefert habet; steckete hiemit ihnen beyden überaus köstliche Ringe auff die Finger / gab dem Fräulein einen herzlichen Kuß / und trat damit aus dem Kreise. Das Fräulein stellete sich etwas ungeduldig / und gab vor / sie hätte sich über gewalt zubeklagen / indem sie in diesen Kreiß ungleich fester / als in das allerwolverwahreteste Gefängniß versperret währe / auch keines weges daraus zubrechen wüste / als entweder durch ihre gnädige Auflösung / welche sie hoffete / oder gänzliche Erfüllung des Befehls / welches ihr unmöglich däuchte; worauff aber die Groß Fürstin kein Wort antworten wolte. Hingegen wuste Fr. Sophia ihrem Fräulein dergestalt zubegegnen / daß dieselbe sich bald darauff mit dieser Antwort heraus ließ: Nach dem ihre Fr. Schwester sie versicherte / daß ihre herzgeliebete Eltern mit dieser Heiraht würden friedlich seyn / und es ihr also gefiele / daß diesem Durchl. Fürsten sie sich zu ehelicher Träue versprechen solte / erinnerte sie sich billich / daß anfangs sie gehalten währe / ihr hierinnen zugehorsamen / dann auch / daß sie diesem Fürsten mehr als niemand anders sich verbunden seyn wüste / als ohn dessen Hülffe und Rettung ihre Ehre nicht hätte mögen erhalten werden; In Betrachtung dessen / wolte sie hiemit demselben sich in aller Demuht ergeben / unter der festen Zuversicht / was ihrer Unvolkommenheit abginge / würde dessen Durchl. geduldig übersehen / und mit seinem reichen überflusse erstatten. Gleich am Ende dieser Erklärung / da die Groß Fürstin sich eben auch von Frl. Lukrezien hinweg wendete / kam Euphrosyne geschwinde herzu gelauffen / und baht sehr / ob die Groß Fürstin und Fr. Sophia nicht belieben möchten / alsbald mit nach Libussen und Brelen zugehen / denen zugleich die Kindesweh angestossen währen. Diese beyden wurden froh / daß sie gelegenheit bekahmen / die Verliebeten allein zulassen; dagegen schämeten sich die Fräulein nicht ein geringes / mit ihren Fürsten in
Weitere Kostenlose Bücher