Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
Schutzes ich versichert bin; zähle demnach Eure Liebe von solchem Versprechen loß und ledig / und verbinde mich hingegen / daß in Ewigkeit kein ander Mannesbilde eheliche Versprechung von mir haben oder bekommen sol; nam zugleich den von der Groß Fürstin ihr gelieferten Ring /steckete ihm denselben an / uñ sagete weiter: Von nun an bin ich nicht mehr mein eigen / sondern dem ich diesen Ring mit gutem Wolbedacht überliefere / zum Zeichen / dz mein Wille demselben nach Priesterlicher Einsegnung in allem untergeben ist. Baldrich umfing nach getahner Danksagung seine Braut / wiewol mit etwas ihrer Wegerung / und erteilete ihr mannichen Liebeskuß / daß endlich das Fräulein ihn erinnerte / die Mässigkeit nicht zuüberschreiten / dann sie währe gesinnet / biß an des Priesters Hand ihre Freiheit zuhandhaben; werde auch / sagte sie / nunmehr ohn meiner Fr. Schwester der Groß Fürstin Ungnade aus diesem Kreisse trete dürffen / nachdem ihren Willen ich halte erfüllet seyn. Ja mein herzgeliebtes Fräulein / antwortete er / nur daß sie meiner inniglichen Freude nicht so gar zeitig abbrechen / und mich alsbald verlassen wolle; nam sie bey der Hand / und setzete sich mit ihr auff die näheste Bank / höchlich wünschend / daß ihr Beylager nicht lange möchte auffgeschoben werden. Das liebe Fräulein taht ihm auff sein bitliches ansuchen gerne geselschafft / und hatte mit ihm manniche Unterredung / wiewol er gemeiniglich gar ungereimet antwortete / welches sie ihm nicht vor übel hielt / weil sie sahe und spürete /daß es aus hefftiger Liebe herrührete. Siegward genoß nicht mindere Gunst von seinem Sibyllichen / als die wegen Blödig- uñ Offenherzigkeit sich weniger als Lukrezie zuwegern wuste / auch auff ihres liebsten Fürsten anhalten ihm frey stellete / das Beylager nach belieben zubefodern / so bald ihrer Eltern bewilligung zur Heiraht einkommen würde. Nach zweystündigem Gespräch und ehrliebender Buhlerey erinnerten die Fräulein ihre Liebsten / es würde zeit seyn / abzuweichen / damit sie nicht von andern dergestalt beyeinander angetroffen würden / dann sie wünscheten / daß ihre Verlobung noch etliche Tage in geheim verbleiben möchte. Ich werde mich aber / sagte Frl. Lukrezie / an meiner Fr. Schwester / Fr. Sophien zurächen wissen / dann ich bin dessen gewiß / daß sie uns zum Schimpff / und unsern Fürsten zur Behägligkeit uns die Kleider so lange hinterhält / zweifele auch nicht /da es nur in ihrem Vermögen gewesen / sie hätte unsere Fürsten uns gar vor das Bette zugeführet / welches ich ihr in Ewigkeit nicht hätte verzeihen können. Die Fürsten gedauchte selber Zeit zum Abscheide seyn / nahmen demnach auff erhaltene Umfahungs-vergünstigung von ihren Fräulein Abtrit / und begaben sich hin auff ihr Gemach / da kurz hernach Fr. Sophia mit den begehreten Kleidern ankam / und die Zeitung brachte / Libussa währe zweer wolgestalter junger Söhne / Brela aber einer schönen Tochter genesen / und wiewol die Müttere sich beiderseits zimlich schwach befünden / hoffete man doch gute Besserung; Aber / sagte sie / habt ihr Herzen Kinderchen eure Fürsten dann so unwürsch gehalten / daß sie euch gar entlauffen sind? Ich hoffete als gewiß / euch zubeschleichen umb zuerfahren / welche ihrem Liebsten die gewogenste Gunst würde widerfahren lassen. Sehr gut / antwortete Frl. Lukrezie / daß die Fr. Schwester so unbarmherzig mit uns verfähret / und unsere Kleider uns vorenthält / dann die lieben Fürsten sind einig nur deswegen von uns geschieden /daß sie so dünne besponnen nicht länger anschauen mochten. Gebet euch zu frieden / ihr lieben Herzchen / sagte sie / habe diesen Morgen ich mich etwas verspätet / und ihre Liebsten ihnen nicht zeitig gnug zugeführet / hat einig nur die Unterweisung im Christentuhm verursachet / daher ich dieses Verbrechens Verzeihung von euch noch wol verhoffe / insonderheit / da ich mich erbiete / bey meinem H. Vater zuverschaffen / daß ihr Beilager diesen Tag gehalten werde. Daran trage ich keinen Zweifel / sagte Frl. Lukrezie aus scherz / weil ich mit meinem Liebsten dessen schon einig bin / und ein solches nicht länger auffschieben werde. Aber Frl. Sibilla / die solches vor wahr hielt / erschrak dessen nicht wenig /und bedingete sich hefftig / ob ihre Schwester Frl. Lukrezie des Jungfern-Standes so müde währe / möchte sie immerhin beyliegen / welches ihr doch wenig Ruhm nachtragen würde; sie vor ihr Häupt wolte hiemit angelobet haben / untere 14 Tagen
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