Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
so unvolkommener dünnen Kleidung allein zuseyn; bahten demnach Fr. Sophien / die Befoderung zutuhn / daß von ihren Leibdienerinnen ihnen ihre weisse Seidene Oberkleider herzugebracht würden; welches aber unbeantwortet blieb nur daß die Groß Fürstin ihre beyden nochmahl erinnerte / alles einwendens (von dem Fräulein geschehen) ungeachtet / den Kreiß vor ihres begehrens Erfüllung nicht zuverlassen. Da dann nach ihrem Abscheide Fürst Baldrich sich erkühnete / und bitlich anhielt / das Fräulein möchte an seiner bißher erlittenen Liebespein ein genüge tragen / und ihn nicht weiter mit Verzweifelungsgedanken ringen lassen; versprach hingegen / sie zeit seines Lebens dergestalt zubedienen / daß sie in der Taht spüren solte /wie ihm in der Welt nichts angenehmers seyn würde /als in ihrer Auffwartung zusterben. Worauff sie dann ihn nicht länger auffhalten wolte / sondern ihm diese vergnügliche Antwort gab: Durchleuchtigster Fürst /Euer Liebe bißher geschehenes Erbieten gegen mich Unwerte / ist viel zu hoch / und kan mein Unvermögen in Ewigkeit daran nicht reichen / ob gleich zeit meines Lebens ich mich hierzu bemühen würde; Verspreche demnach auf geheiß meiner gebietenden Groß Fürstin / die mir an Eltern stat zubefehlen hat / daß Euer Durchl. ich in aller gebührlichen Demuht schuldigen gehorsam / und solche unbrüchige Träue leisten wil / die von einem künfftigen Gemahl erfodert wird /zugleich bittend / Ihre Liebe wollen nit schier heut oder morgen mir verweißlich auffrücken / daß deren nicht gleich anfangs mich genehm erkläret / nach dem ich ja billich der Jungfräulichen Scham und Zucht eingedente seyn müssen. Der Alwaltige Gott aber stärke Eure Liebe in dem wol angefangenen Christentuhm /und lasse Ihr an mir alle Lust und geziemliche Freude finden / die mein hochgeliebeter Fürst sich von mir je einbilden mag / wiewol meiner Unvolkommenheit ich mir gar wol bewust bin; jedoch / was an Tähtligkeit bey mir abgehet / wolle Eure Liebe durch einen inbrünstigen Willen ersetzen lassen. Baldrich hatte sich solcher Erklärung nicht versehen / daher ihm nicht anders als einem verzucketen zu muhte wahr / stund und besan sich / ob er auch warhafftig solche Worte gehöret / oder in einer Einbildung sie ihm selber gerichtet hätte; welches das Fräulein merkend / und daß sein stilleschweigen aus zu übermässiger Freude herrührete / fassete sie ihn bey der Hand / und sagte: Wie nun mein Durchl. Fürst / kan er mit solcher Erklärung noch nicht vergnüget werden? Ich meyne ja / nachdem ich mich ihm ergeben / alles das geleistet zuhaben /was sein ehmahliges hefftiges ansuchen begehret /und meine gebietende Groß Fürstin mir ernstlich aufferleget hat. Hiedurch begrif er sich / setzete mit ihrem höchsten Unwillen sich vor ihr auff ein Knie /fassetete ihr die Hand / und nach vielfältigem küssen derselben / da er von ihr aufzustehen / eiferig angefodert ward / redete er auf vorgeleisteten gehorsam sie also an: Ach mein auserwähltes Fräulein woher sol ich immermehr wirdige Antwort nehmen / ihrer hohen Gunst gebührlich zudanke? Ich erkenne mein Unvermögen / und bitte sehr mir es nicht zur Grobheit auszudeuten daß ich weder meine gedanken recht zufassen / noch meine Schuldigkeit abzulegen bestand bin; jedoch verspreche ich / als lange ich leben werde /diese mir erzeigete höchsterquikliche und genügliche gunst in meiner Seele steiff und unverrücket zuverwahren. So nehmet nun / O mein teurester Schaz /mich euren Diener mit beharlicher gewogenheit an /und übersehet freundlich / was ich nicht aus Verachtung / sondern blosser Unmögligkeit unterlasse; Ich wil stets unter der Bemühung mich bearbeiten / daß mein ihr durchhin ergebenes Herz in der Taht erzeige / wie hoch eure Vortrefligkeit ich liebe und ehre. Nam hierauff den Ring von seinem Finger / steckete ihr denselben an / und sagete: Hiemit überliefere ich meiner herzgeliebeten Fräulein mein Herz und alle meine Lebenskräffte zueigen / so daß meine begierden an keine andere als allein an sie gedenken oder hangen sollen / und da mein Fräulein (welches Gott gnädig abwende) mir durch Todesfal frühzeitig solte entrissen werden / daß ich nimmermehr einer andern schuldig werden wil. Bey Leibe nicht / Durchl. Fürst /sagte sie so hohe Verpflichtung nehme ich keines weges an / daß Eure Liebe nach meinem Tode nicht Macht haben solte / eine neue Heyraht zuergreiffen /sondern es ist mir gnug und übrig gnug / daß bey Lebenszeit euer Träue und
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