Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
keines weges in den Ehestand zutreten / dann sie hoffete unterdessen Antwort von ihren lieben Eltern. Hernach verwieß sie es derselben / daß sie so leichtsinnig währe / und ohn der Groß Fürstin Vorwissen das Beilager so frühzeitig bestimmen dürffte. Welches ernstes diese bey sich selbst lachete / und aus begierde sie etwas besser aufzutreibe / sagete sie: Je Herzen Kind / warum hastu dich dann mit deinem Fürsten versprochen wañ du nicht gedenkest mit ihm in den Ehestand zutreten? Ich bitte dich sehr / beschimpfe dich und mich nicht so hoch / daß ich auffs wenigste 14 Tage vor dir her /Beylager halten solte; doch wil ich deinen Liebesten noch wol dahin bereden / daß er dich auf eine andere Meinung bringen sol. Je so währestu das leichtfartigste Tihr / antwortete Frl. Sibylla / wann du solches vorzunehmen dich unterstehen würdest. O du leichtgläubige Einfalt / sagte jene / kanst du dann so gar keinen Scherz vom Ernste unterscheiden? oder gedenkestu / ich werde ohn genommene Unterredung mit dir und anderen dessen meinen Fürsten gewehren? O nein / solche Eile hats noch trauen nicht; gelebe auch der gänzlichen Zuversicht zu meiner Frau Schwester Fr. Sophien / ihre Reden seyn nur zum Scherze gemeynet / dann sonst würde sie mir ursach geben / ihr zum ersten mahle etwas zuversagen / weil ich eben so wenig als du willens bin / nach art der gemeinen Knechte und Mägde nach dem Beilager zueilen / da weder meiner Eltern Befehl / dem man billich gehorsamen muß / noch einige instehende Nohtwendigkeit mich darzu anstränget; werde es also mit dir rechtschaffen zutuhn habe / daß du mich ohn alle ursach der Leichtfertigkeit / und zwar in unser Fr. Schwester Gegenwart zeihen darffst. Ja wie schön wirstu mir kommen /antwortete Sibylla / sahe nur an / was dich gelüstet /ich wil dir zu rechte stehen / vor was Richter du auch treten magst / und ist mir sonderlich liebe / daß ich so gültige Zeugen führen kan / welche mit ihren Ohren es angehöret / wie du ohn einiges Schimpflachen es selbst gestanden und ungefraget ausgebeichtet hast; daß du aber / nach dem du eine widrige Meynung an meiner Seiten vernimst / numehr einen Scherz daraus machen wilt / sol dir ohn Zweifel mißlingen / sondern ich wil unsere Fr. Schwester / wie auch die Groß Fürstin selbst und ihren Gemahl bitlich ersuchen / und auffs härteste anliegen / daß deinem so hohen begehren ein genügen geschehe. Billich das / sagte Fr. Sophia / umb ihren Streit zu unterhalten / dann wer wolte verliebete Herzen von einander trennen / die ohn Verletzung der Erbarkeit ehelich leben können /und dessen bereit eines sind? Ihr werdet ja nicht übern hauffen närrisch seyn / sagte Frl. Lukrezie / und fangen etwas an / da ihr alle miteinander nur mit Schimpf bestehen müstet / massen mein Vertraueter / wie ich schon weiß / wider meinen Willen sich hierzu von keinem Menschen wird bereden lassen; jedoch /wanns ja geschehen solte / weiß ich in Warheit untriegliche Mittel / daß Fürst Siegward sich nicht sol abweisen lassen; deswegen so gib mir nur bald auffrichtige Erklärung wessen du dich verhalten wilt /alsdann weiß ich mich desto besser darnach zurichten; dann gehe ich unser Fr. Schwester Vortrag ein / so geschihets bloß / dz ich entweder dich befriedigen / oder mich an dir rächen wil. Du soltest fünff Zungen-Dröscher übertäuben / antwortete sie / und inzwischen Zucht und Scham in die Rappuse geben / daher lasse ich mich mit dir weiter nicht ein / und magstu immerhin nach deinem Fürsten senden / und den Kirchen Lehrer herzu ruffen lassen / daß er euch zusammen gebe / noch ehe einiger Mensch der Verlobung inne wird; Ich vor mein Häupt zweifele an meines Fürste ehrliebendem Sinne gar nicht / der mein begehren mir schon eingewilliget / und sein Versprechen Fürstlich halten wird. Aber wie schön wird es nun stehen /wann Frl. Lukrezia Pompejin hin zu dem Herrn Stathalter und anderen hohen Häuptern treten / und dieselben bitlich ersuchen wird / ihren Bräutigam dahin zubereden / daß er das Beilager ferner nicht auffschieben / sondern noch vor angezündeter Kerze mit ihr zu Bette zugehen unbeschweret seyn wolle. Ja warumb nicht? sagte die lustige Lukrezie / wann ichs allein durch meine Bitte nicht würde erhalten können / wirstu / in betrachtung unser Freundschafft / mir dein gültiges Wort verleihen / dann ich habe mir vorgenommen / nicht abzulassen / biß ich werde erhöret seyn; dich aber betreffend / weiß ich schon wol / daß du gerne wilt
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