Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
fiel ihm der fremde Feldherr in die Rede / welcher besser zum Säuhirten bestätiget währe. Doch laß hören / was vor einen endlichen Bescheid gibt er mir dann wol / nach seiner Königliche einbildung. Diß ist der Bescheid /fuhr dieser fort / dz / dafern ihr nicht werdet eure Schmachreden wiederruffen / auch straks Angesichts umbkehren / und mit schleiffenden Panieren zwo Meilen stilschweigens / ohn Geschrey / Trometenklang und Tromelschlag hinter euch zihen / sollet ihr alle miteinander zu kleinen Stücken zerhacket werden. Wolan / antwortete dieser; die Pannonische Kerze hat vor ihrer gänzlichen Erlöschung noch einen Blik von sich geben sollen. Ihr aber bringet dem hochmuhtigen Narren zur wiederantwort; Ob er dann von GOtt gar geblendet sey / daß er nicht sehen kan / was gestalt er von tapferen Feinden ganz umbgeben ist; ich wolle jezt kommen / und ihm mit meinem Schwert den endliche Bescheid bringen / auch zugleich vernehmen /ob sein Säbel so schneidig als seine Zunge sey. Damit ließ er die drey gesetzeten gleichteile seines Flügels gegen Agiß loßbrechen / und muste der linke Flügel zugleich mit fortgehen. Dropion ließ gegen diesen Linken seinen Pelegon mit 10000 Mann loßstürmen /denen nur 8000 begegneten / aber mit solcher Verwägenheit / als hätten sie geschworen daß sie alle fechtend sterben wolten / daher sie bald im ersten Anfal 300 Pañonier niderschlugen / griffen auch bald anfangs 30 von den Feinden lebendig / führeten sie nach dem FeldHerrn des rechten Flügels (welcher mit 14000 Reutern noch im Felde hielt / als wolte er seine drey außgeschikte Hauffen entsetzen / an was Ort es würde nöhtig seyn) und wurden diese alsbald bedraulich befraget / an was Ende des Lagers die gefangene Könige und Fürsten behalten würden; welches sie einmühtig außsagete; worauff dieser mit seinen 14000 beherzten Leuten des rechten Weges nach dem Lager zuging / auch die Wendischen Fußvölker / weiche nahe dabey hielten / zu sich foderte / das Lager mit stürmender Hand einzunehmen / welche alsbald zum Anlauffe fertig wahren; aber es bedurfte keines Schwertschlages / weil solches mit lauter Verwundete besetzet wahr / die um Gnade und Barmherzigkeit rieffen; welche ihnen in so weit gegeben ward / dz sie stündlich das Lager räumen / sich ins offene Feld legen / und die Wendischen Fußvölker einzihen lassen musten / denen bey Lebens Straffe gebohten ward / sich an keiner Beute des Lagers zuvergreiffen. Der fremde Feldherr ritte mit 3000 Pferden auch hinein /nach Agiß Gezelt / woselbst alle Hüter bey den gefangenen Königen schon umb Leben und Freyheit angehalten hatten / welches ihnen willig versprochen ward. Alsbald ließ der unbekante FeldHerr allen gefangenen Königen Fürsten und Herrn statliche Rustungen und muhtige Pferde außteilen / da sie sich insonderheit verwunderten / daß man Herkules seinen ädlen Blänken darboht; und ein Teutscher überlaut anfing; seyd getrost ihr Helden / es sind diesen morgen vier unterschiedliche Heere ganz unvermuhtlich ankommen / zu eurem Entsaz / deren keines von dem andern gewust hat / ingesammt über 200000 Mann stark / welche euren Schimpff zuräche schon in voller Arbeit begriffen sind. Die Gefangenen wusten vor Freuden nit zuantworte; aber so bald Herkules im Harnische wahr fiel er nider auff seine Knie / und sagete dieses Gebeht uberlaut: HErr JEsus / du wahrer Heiland und Helffer aller deren die dir vertrauen; jezt spure ich / daß du von dem Stuel deiner Almacht auff unser Elend gesehen / und unsere Schmach von uns gewendet hast / da wir meineten / noch mitten driñen zustecken; Herr dir sey Lob / Preiß und Herligkeit / von nun an biß in Ewigkeit / Amen.
Der fremde Feldherr machte sich mit 6000 Reutern alsbald wieder hinweg nach seinen Leuten / und ließ die erlöseten ersuchen / daß sie sich in vier Teile setzen / und jeder von seinen hinterlassenen 8000 Reutern / 2000 zu sich nehmen möchte / so daß König Ladisla nach dem Sudheer / König Herkules nach dem Westheer des linken Flügels; König Henrich und Fürst Siegward nach dem rechten Flügel desselben Heers / und Fürst Olaff nach dem hinterbliebenen Nordheer; Leches / Klodius / Gallus und Neda aber nach den Wendischen Reutern in Osten sich verfügen / und ihr bestes prüfen möchten; worzu sie bereit uñ willig wahren. Das Treffen ging inzwischen tapfer fort / und entsetzete sich Dropion nicht ein geringes /daß seine Völker unter Pelegon dergestalt gestenzet wurden / schickete ihnen 6000
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