Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
tuhn möchte / damit dieselbe gestillet / der Barmherzigkeit hinfüro über uns die Herschafft und freie Hülffe gönnete. Weil dann nun unser Heyland an unser Stelle Gottes Gerechtigkeit erfüllet / und uns bey derselben außgesöhnet hat / können und dürffen wir getrost und freydig vor seinen Gnadenstuel treten / und auff Christus Gnugtuhung uns verlassend / ja dieselbe Gott dem Vater vorstellend / umb vergebung aller unser Sünde kühnlich und in fester Zuversicht anhalten / dann so wil er / in ansehung dieses völligen Gehorsams uns seine Barmherzigkeit und daß ewige Leben nicht versagen. Ja er ruffet uns selber zu sich /wir sollen durch wahre Busse uns zu ihm bekehren /dann wolle er sich unser erbarmen wie grob wirs auch mit unsern Sunden gemacht haben. Gedenket deßwegen ja nicht / als fodere Gott etwa einige Gnugtuhung von euch; Nein / nichts mehr als ein williges Herz /daß wir der Wirkung Gottes des Heiligen Geistes nicht wiederstreben / sondern uns von ihm zihen und lenken lassen / und unsere Gerechtigkeit auff Jesus den Sohn Gottesbauen. Daher lehret uns Paulus / daß derselbe schon vor Gott gerecht sey / der an den Sohn Gottes gläubet; ein solcher habe schon das ewige Leben / nemlich in der Hoffnung / zur unfehlbahren künfftigen Erteilung / spricht unser Heyland selber /und er wolle ihm am jüngsten Tage zu desselben volkommener Niessung aufferwecken / dafern er sonst seinem Willen / weil er alhie auff Erden wallet / folge leistet / den Kampff wieder den Teuffel / die Welt /und sein eigen Fleisch und Blut antrit und außführet /so daß er nach der heiligen Lehre in guten Werken der Christlichen Liebe sich fleissig übet. In diesem Vorsatze müsset ihr nun forthin beständig verbleiben /alsdann werdet ihr erfahren / wie gnädig sich Gott wird finden lassen; und ob wegen begangener Sünde er euch etwa hier zeitlich mit dem lieben Kreuz heimsuchen / daß ist / mit seiner väterlichen Zuchtruhte stäupen würde / daß ihr in Krankheit / Gefängnis /Armut / ja in den zeitlichen Tod selbst gerahten soltet / wird euer Herz doch immer freudig bleiben / und alle Pein und Angst dieses Lebens verachten. So komt nun her / setzet euch mit mir auff die Knie / und sprechet mit herzlicher Andacht mir folgendes Gebeht nach. Gallus wahr darzu willig / fiel auff die Erde ganz nider / lehnete sich auff die Arme / und mit gefaltenen Händen und heissen Trähnen sagte er ihm dieses Gebeht nach: O du barmherziger HErr JEsus Christ / du Liebhaber der Menschen / du Erlöser der Sünder / du Bekehrer der Unbußfertigen / du Heyland aller Welt; ich bitte dich durch deine heilsame Menschwerdung und Geburt / durch dein Leyden / Kreuz und Tod /ja durch deine siegreiche Aufferstehung und Himmelfahrt / du wollest mich armen elenden Sünder mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit ansehen / wie du angesehen hast die bußfertige grosse Sünderin / den Verleugner Petrus / den Räuber uñ Mörder am Kreuz. HErr mein Gott / ich bin nicht wert / daß ich vor dir erscheine / noch meine Augen und Stimme zu dir erhebe /weil ich dich meinen Heyland mutwillig verleugnet /auch nachgehends in solcher Verleugnung viel Jahr ohn Wiederkehrung zugebracht / da ich unterdessen durch des bösen Feindes Verleitung und meines eigenen Willens Getrieb / mein ganzes Leben in allerhand Sünden und groben Lastern zugebracht habe. Dannoch aber /weil du grundgütiger HErr allen Sündern ohn Unterscheid zur Busse ruffest / und ihnen Vergebung umbsonst / und himlische Freude ohn Entgeltniß anbeutest /O HErr / so halte ich dir dein Wort vor / ich erinnere dich HErr deiner Einladung; komme in solcher Zuversicht zu dir / erkenne und bekenne meine Sünde / und kehre mich zu deiner tröstlichen Gnade und Barmherzigkeit. O Gott Vater / und HErr meines Lebens / biß mir armen elenden Sünder gnädig und barmherzig umb deines lieben Sohns JEsus Christ willen / ach heilige und reinige mich mit deinem Heiligen Geiste in meinem ganzen Leben / mache aus mir ein heilsam und nüzliches Werkzeug zu Lobe deinem Nahmen / und zu meiner Seelen Seligkeit erhalte mich zum ewigen Leben; Dann sihe O Gott mein Heil /ich komme ja zu dir / nicht auff meine Gerechtigkeit /welche auch nichts als Unflaht ist / sondern auff deine grundlose Barmherzigkeit mich verlassend / deßwegen handele doch mit mir nicht nach meiner Sünden / und vergilt mir nicht nach meiner Missetaht / sondern wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder / so erbarme dich HErr über mich / auff daß ich
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