Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
verzihen uñ vergeben hat /laut Seiner teuren Verheissung / Er wolle deren keinen hinaus stossen / die durch wahre Reu und Busse in wahrem Glauben zu Ihm kommen. O ja mein Herr /antwortete er / mein Herz empfindet schon die Gegenwart der Barmherzigkeit Gottes / daher mir eine solche Freudigkeit entstehet / als ob ich von neuen gebohren wåhre / und in der allergrösten Himmels-Freude schon sässe. Dieses / sagte Herkules / ist eben das Zeugnis / daß wir Gottes Kinder sind / wann unser Geist durch den Geist Gottes also auffgerichtet / und aus dem Sumpfe der Verzweifelung hervorgerissen wird / dann ein jeder der wirklich in den Bund Gottes auffgenommen ist / uñ in wahrem Glauben seinem Erlöser anhanget / dessen Herz kan durchaus / auch in der allergrössesten Wiederwertigkeit / der geistlichen Freude nicht beraubet werden / massen alles was die Weltweisen oder Irdisch-Gelehrten von dem höchsten Gute schreiben / und dessen doch das allergeringste nicht geniessen / daß findet sich alles bey eines Christen Seele / die in Gott gestärket ist / welches aber nicht aus unser Krafft und Erwerbung / sondern einzig und allein aus dem Gnadenschaz Gottes herruhret. O das muß ein überaus gnädiger Gott seyn / sagete Gallus / der die groben mutwilligen Sünder ümsonst wieder zu Gnaden annimt ja antwortete Herkules / wann es an unser seite nicht ümsonst geschähe / so geschähe es nimmermehr; gestaltsam nichts düchtiges an uns ist / welches Gottes Güte erwerben könte; daher meldet auch die Heilige Schrifft / der Sohn Gottes sey vor uns gestorben / da wir noch Sünder / ja da wir noch seine Feinde wahren / anzudeuten / daß das Werk unser Begnadigung ohn alles unser Zutuhn geschehen sey. Gallus sagete; mein Herr / ich habe mich nach meiner Verleugnung allemahl vor Gottes gesträngem Recht gefürchtet / und nicht gewust / daß seine Barmherzigkeit demselben begegnen und selbiges stelle könte. Billich furchtet sich ein Mensch vor Gottes Gerechtigkeit / sagete Herkules / als oft er seine unwirdigkeit betrachtet; aber daß jhr euch darein recht zuschicken wisset / so nehmet diesen kurzen Bericht ein / der euch nun in einer kindlichen Furcht stärken / uñ die knechtische schüchternheit abnehme wird; es ist freylich Gott der HErr beydes eingerechter und zugleich ein barmherziger Gott / bleibet auch in alle Ewigkeit so wol gerecht als barmherzig; Und weil wir Mensche alle miteinander die Gerechtigkeit Gottes mit unsern Sünden hoch beleidiget und zu Zorn gereizet hatten / muste trauen derselben Gerechtigkeit Gottes ein genügen / und zwar ein völliges Genügen geschehen / sonsten währe Gott nicht gerecht; als aber in keines Menschen Vermögen wahr / diese Gerechtigkeit durch seine Werke zubegütigen / und dannoch die barmherzigkeit Gottes aller Menschen Verdamnis nicht zugeben kunte / da erweckete diese Barmherzigkeit den ewigen Sohn Gottes / die andere Person des einigen ewigen göttlichen Wesens / daß dieselbe sich freywillig erboht / der Gerechtigkeit gnüge zuleisten /und zwar in unserm menschlichen Fleische / als welches dem Zorn unterworffen wahr; solches zuerfüllen / nam dieser ewige Sohn Gottes vor 227 Jahren (nach der wahren Rechnung) unsern menschlichen Leib und Seele in dem Leibe der keuschen Jungfrauen Marien an sich / lag / wie andere Menschen / XL Wochen unter dem gereinigten Herzen seiner lieben Mutter /lies sich hernach von derselben als einander Mensch in armseliger kindlicher Gestalt an diese Welt gebehren / sich mit seiner Mutter Brüsten speisen / mit Essen und Trank aufferzihen / unterwarff sich allen menschlichen Gebrechligkeiten / ausser der Sünde /lebete allerdinge heilig und nach allen Gebohten Gottes unsträfflich / wie es die Gerechtigkeit Gottes schnur gleich und nach der höchsten stränge erfodert /uñ als er das männliche Alter erlanget hatte / trat er in sein Messias- oder Erlösungs Amt / lehrete und predigte / verrichtete allerhand göttliche Wunder / in dem er die Blinden sehen / die Tauben hören / die Lahmen gehen / die Aufsätzigen rein / die Kranken gesund / ja die Todten lebendig machte / biß die Zeit kam / daß er vor unsere Ubertretung leyden uñ sterben muste / da lies er sich von seinem eigenen Volke den Juden /sahen / verspeyen / höhnen / geisseln / kreuzigen uñ tödten. Sehet nun Gallus / alles was der ewige Sohn Gottes in seinem angenommenen Fleische gutes taht und böses litte / daß geschahe einzig und allein zu dem Ende / daß er der Gerechtigkeit Gottes ein Genügen
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