Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
gerichtet. Jedoch; ist es euch von Herzen leid / und habt jhr den steifen Vorsaz / diese Sünde der Verleugnung nimmermehr wieder zu begehen / sondern bey eurem Heylande in Schande und Ehre / in Glük uñ Wiederwärtigkeit fest zu halten / so das weder Feur noch Schwert / Wasser noch Strik / Angst noch Pein euch davon scheiden sol; daneben auch aller Boßheit / so viel mensch-uñ möglich / euch hinfüro zuenthalten / und mit wahrem Glauben dem Sohn Gottes anzuhangen / auch ein Christliches Gottseliges Leben zu führen gesonnen seyd / so verspreche ich euch / daß Christus solche und alle andere Sünde / keine ausgenommen / euch gnädig verzihen / und in die tieffe des Meers versenket hat. O wolte Gott / sagte Gallus / daß ich dieses gläuben / und in mein Herz fassen könte / wie gerne wolte ich mich selber bey den Richtern vor einen Christen angeben / und zu aller zeitlichen Pein und Straffe meinen Leib frölich darbieten. Dieses müsset jhr gläuben sagte Herkules / und was hält euch abe /daß jhrs nicht in euer Herz bringen könnet? Gallus antwortete: O der schwere Stein meiner Sünden / welcher mich hinunter biß in die unterste Helle drücket! Eure Sünde? sagte Herkules / wisset jhr nicht / das Jesus in die Welt kommen ist / nicht üm der Frommen oder Gerechten / sondern ümb der Sünder willen? Spricht er nicht selber / er sey kommen / zu suchen was verlohren wahr? Ja / lässet er nicht ümb eines einzigen verlohrnen Schaffes willen die ganze Herde in der Wüsten / und gehet diesem nach / biß ers finde / leget es hernach auff seine Achseln mit Freude / und träget es wieder hin in seinen Schaffstal / da es das Leben uñ volle Gnüge habe muß? Was saget jhr mir dañ von euren Sünden? Solte die den Gnadenbrun der Barmherzigkeit Gottes wol ausgetroknet haben? Lasset jhr nur abe vom bösen / bereuet eure übertretung /eure verleugnung und übeltahten / und kehret euch wieder hin zu dem / welchen jhr aus Fleisches Schwacheit / nicht aus frevelmühtiger Boßheit verleugnet habet; Wann dann eure Sünde gleich Blutroht sind / sollen sie doch Schneweis werden / wann sie sind wie Rosinfarbe / sollen sie wie die weisse Wolle werden. Dieses spricht Gott selber / der Mund der unstråflichen Warheit / der nicht liegen kan / und unmöglich ist / daß er liegen solte. Höret höret / wie Christus Jesus euch und eures gleichen ruffet: Kommet her zu mir alle die jhr mühselig uñ beladen seyd /ich wil / nicht allein ich kan / sondern ich wil / ich wil euch erquicken. Zweifelt jhr ferner / ob der Sohn Gottes eine solche Sünde / eine solche Verleugnung euch vergeben wolle? Sehet an die den HErrn selbst gekreuziget haben / wie hart sündigeten die? Noch dannoch vergab er jhnen nicht allein gerne und willig /noch ehe sie jhn darumb ersucheten / sondern er baht auch vor sie zu Gott seinem himlischen Vater. Und deucht euch auch dieses noch nicht gnug? Ey so nehmet vor euch den Apostel und Jünger des HErrn den Petrus: wahr derselbe nicht etliche Jahr mit dem HErrn ümher gereiset? Hatte er nicht seine Zeichen und Wunder gesehen? Ja hatte er nicht bekennet / du bist Christ der Sohn des lebendigen Gottes? Vermaß er endlich sich nicht gar / mit jhm in Gefängnis und in den Tod zu gehen? Gallus sagete: Mein Herr / ich erinnere mich sehr wol / dieses alles in meiner Jugend gehöret zu haben. Je wisset jhr dañ nicht / fuhr Herkules fort / daß eben dieser Petrus seinen HErrn und Meister verleugnete? Nicht aus furcht vor dem Feur /wie jhr getahn / sondern da er durch einer armen Magd stimme vom Feur / dabey er sich wärmete / hinweg getrieben / und nur bloß gefraget ward / ob er deren einer währe / die dem JEsus von Nazareth zu folgen pflegeten; sehet was vor ein Fall wahr dieser. Nicht desto weniger nam jhn der HErr stündlich wieder zu Gnaden an / da er seine Sünde herzlich beweinete; ja noch ehe dann er sie beweinete. O du grundgütiger Gott / sagte hierauff Gallus / so biß doch auch mir armen Sünder / mir boßhaftigen Verleugner / mir Råuber und Mörder / gnädig und barmherzig / und laß meine Beichte und Busse dir zu herzen gehen /wie du des Mörders seine / welcher mit dir gekreuziget ward / dir zu herzen gehen liessest; fing damit an so bitterlich zu weinen / daß Herkules ein grosses Mitleiden mit jhm trug / und zu jhm sagete: Seyd versichert / mein Gallus / daß JEsus der Sohn Gottes diese eure Trähnen durch den heiligen Geist in euch wirket / uñ trauet Ihm nur gewiß / daß Er euch alle eure Sünde aus Gnaden
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