Die Brueder Karamasow
Ihr Glas!« rief Mitja geschäftig.
»Pan Wroblewski«, half der Herr auf dem Sofa ein.
Pan Wroblewski trat mit schaukelndem Gang an den Tisch und ergriff stehend sein Glas.
»Auf Polen, Panowie! Hurra!« rief Mitja und erhob sein Glas.
Alle drei tranken aus. Mitja ergriff die Flasche und goß die drei Gläser wieder voll.
»Jetzt auf Rußland, Panowie! Und wir wollen Brüderschaft trinken!«
»Gieß uns auch ein!« sagte Gruschenka. »Auf Rußland will ich auch trinken.«
»Ich auch«, sagte Kalganow.
»Und ich ebenfalls ... Auf das liebe Rußland, auf das alte Großmütterchen!« schloß sich Maximow kichernd an.
»Alle, alle!« schrie Mitja. »Wirt, bring noch mehr Flaschen!«
Es wurden drei Flaschen geholt, die von den von Mitja mitgebrachten noch übrig waren.
»Auf Rußland, hurra!« rief er wieder.
Alle außer den beiden Polen tranken aus, auch Gruschenka trank ihr ganzes Glas auf einen Zug aus. Die Polen aber rührten ihre Gläser nicht an.
»Aber was machen, Sie Panowie?« rief Mitja. »Also so sind Sie?«
Pan Wroblewski nahm sein Glas, erhob es und sagte mit schalIender Stimme: »Auf Rußland in den Grenzen vor siebzehnhundertzweiundsiebzig!«
»Richtig so!« rief der andere Pan auf polnisch, und beide leerten ihre Gläser in einem Zug.
»Dummköpfe sind Sie, Panowie!« entfuhr es Mitja unwillkürlich.
»Pa-nie?!« riefen die beiden Polen drohend und nahmen wie Kampfhähne Mitja gegenüber eine herausfordernde Haltung ein. Besonders aufgeregt war Pan Wroblewski.
»Darf man denn sein Land nicht lieben?« schrie er auf polnisch.
»Still! Ich will keinen Streit haben!« rief Gruschenka gebieterisch und stampfte mit dem Fuß auf.
Ihr Gesicht brannte, ihre Augen funkelten; das soeben ausgetrunkene Glas wirkte. Mitja bekam einen furchtbaren Schreck.
»Panowie, verzeihen Sie! Ich bin daran schuld, ich werde es nicht wieder tun. Wroblewski, Pan Wroblewski, ich werde es nicht wieder tun!«
»So sei doch still und setz dich hin, du Dummkopf!« fuhr ihn Gruschenka ärgerlich an.
Alle setzten sich, verstummten, sahen einander an.
»Meine Herren, ich bin an allem schuld!« begann Mitja wieder, der Gruschenkas Ausruf nicht begriffen hatte.
»Nun, warum sitzen wir denn so still da? Womit wollen wir uns unterhalten, damit es wieder lustig wird?«
»Ach ja, es ist in der Tat entsetzlich langweilig« murmelte Kalganow lässig.
»Wir sollten ein bißchen Karten spielen wie vorhin ...«, schlug Maximow kichernd vor.
»Spielen? Herrlich!« rief Mitja ein. »Wenn nur die Panowie ...«
»Es ist schon spät, Panie!« erwiderte der Herr auf dem Sofa unlustig.
»Das ist richtig!« stimmte ihm Pan Wroblewski zu.
»Immer ist es ihnen zu spät, immer können sie irgendwas nicht!« rief Gruschenka. Sie kreischte fast, so ärgerlich war sie. »Sie selbst sitzen gelangweilt da, also sollen sich die anderen auch langweilen. Bevor du kamst, Mitja, haben sie nur immer geschwiegen und schiefe Gesichter gezogen ...«
»Meine Göttin!« rief der Herr auf dem Sofa. »Was du sagst, soll geschehen. Ich sehe, daß du verstimmt bist, und das macht mich traurig. Ich bin bereit, Panie!« schloß er, zu Mitja gewandt.
»Fangen Sie an, Panie!« versetzte Mitja, zog seine Banknoten aus der Tasche und legte zwei Hundertrubelscheine auf den Tisch. »Ich will viel an Sie verlieren. Nehmen Sie die Karten, und halten Sie die Bank!«
»Die Karten soll der Wirt geben, Panie!« sagte der kleine Herr ernst und nachdrücklich.
»Das ist das korrekteste Verfahren«, stimmte Pan WrobIewski zu.
»Der Wirt? Nun gut, ich verstehe, soll der Wirt sie geben, da haben Sie recht, Panowie ... Karten!« befahl Mitja dem Wirt.
Der Wirt brachte ein noch nicht entsiegeltes Spiel Karten und teilte Mitja mit, die Mädchen kämen schon zusammen, und die Juden mit den Zymbals würden wahrscheinlich auch bald zur Stelle sein, nur die Troika mit den Waren sei noch nicht gekommen.
Mitja sprang vom Tisch auf und lief ins Nachbarzimmer, um sogleich das Nötige anzuordnen. Von den Mädchen waren bisher jedoch nur drei gekommen, und Marja war auch noch nicht da. Mitja wußte selbst nicht recht, wozu er hinausgelaufen war; er befahl nur, das Konfekt auszupacken und Kandiszucker und Sahnebonbons an die Mädchen auszuteilen.
»Und für Andrej Schnaps!« befahl er hastig. »Ich habe Andrej gekränkt!«
In diesem Augenblick berührte ihn Maximow, der ihm nachgelaufen war, plötzlich an der Schulter.
»Geben Sie mir fünf Rubel«, flüsterte er. »Ich
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