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Die Bucht des grünen Mondes

Die Bucht des grünen Mondes

Titel: Die Bucht des grünen Mondes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Isabel Beto
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Honigs ein. Kaum etwas war begehrter bei den Yayasacu, und dieses Geschenk übertraf sämtliche Pretiosen, die sie in ihrem alten Leben angesammelt hatte. Und weil Honig so kostbar war, entfernte man nicht all die Bienen, Puppen, Pollen und Waben darin. Ruben holte eine Handvoll heraus. Hastig neigte sich Amely über seine Hand und leckte die Köstlichkeit auf, sorgsam den toten Bienen ausweichend. Ruben war nicht so heikel; genüsslich kaute er auf ihnen herum. Honig troff von seinem Kinn. Sie leckte ihn ab. Einen seiner Finger nach dem anderen nahm sie in den Mund, und zwischen ihren Beinen pochte es wie eine kleine Trommel.
Doch nicht schon wieder, du Unersättliche
. Sie kicherte, als sie daran dachte, wie laut sie wohl gewesen waren. Mitten im Freien, nur wenige Schritte von den auf ihren Parzellen arbeitenden Yayasacu entfernt. Womöglich hatte man sie nicht nur gehört, sondern gesehen! Welch ein schlimmer Fauxpas!
    «Warum ist Gartenarbeit eigentlich Männersache?», fragte sie, seine honiggetränkten Lippen leckend.
    «Die Geister, die in Gartenwerkzeugen wohnen, sind schüchtern. Sie flüchten, wenn eine Frau das Werkzeug berührt. Dann fällt die Ernte schlecht aus, und man muss bei anderen Familien betteln.»
    Sie hielt inne. Dies war nicht mehr nur seltsam, es war skurril. Schallend lachte sie los. Den Bauch haltend, wälzte sie sich auf dem Boden. Ruben warf sich auf sie. Auch er lachte, aber er schien nicht so recht zu wissen, weshalb. Sie umarmte ihn und rollte mit ihm über den Boden, dass sie fast in die Flammen des Erdfeuers gerieten. Schmutzig und klebrig, wie sie waren, setzten sie sich auf und halfen sich gegenseitig mit in Wasser getränkten Schwämmen, sich zu säubern. Amely scheute sich nicht mehr, Ruben an ihre Schenkel zu lassen. Aber es kam ihr immer noch sehr gewagt vor. Auch wenn er es nur tat, um mit dem Schwamm verirrte Honigtropfen zu entfernen, so zitterte sie voller Sehnen und krümmte sich vor Wonne. Dass eine Berührung zwischen Mann und Frau so sein konnte, erschien ihr wie ein Wunder. Wie die Aufdeckung eines Geheimnisses, das man ihr bislang, warum auch immer, vorenthalten hatte. Sie wollte weinen, so glücklich war sie. Doch auch verwirrt.
Er ist der Sohn deines Mannes.
Da sprang der Gedanke, der sie schon den ganzen Abend belauert hatte – nein, seit sie hier war –, aus seiner dunklen Ecke:
Es darf nicht sein
.
    «Hinfort mit dir, lästiger Gedanke», flüsterte sie.
    «Was hast du gesagt?»
    «Ach, nichts. Ich glaube, ich bin jetzt müde.» Sie streckte sich auf ihrer Matte aus und zog die Knie an. Ruben hockte sich im Schneidersitz an ihre Seite und ergriff ihren Webrahmen. Er starrte darauf, spielte mit den Kettfäden, ganz in sich versunken. Vielleicht dachte auch er soeben an diesen einen falschen Ton in ihrer beider Dasein.
     
    Im Traum sah sie die Schwarze Maria am Herd stehen, wie sie wild in einem Topf herumrührte. Der Speck unter ihren Armen wackelte so heftig wie bei Yami. Ihre Rosinenäuglein funkelten. Amely wusste allzu genau, worüber sich die Köchin so echauffierte. Wie ein gescholtenes Dienstmädchen harrte sie mit gesenktem Kopf vor ihr aus, wartete auf die Standpauke. Aber Maria tat nichts weiter, als ihr Feijoada mit dem Kochlöffel zu traktieren …
    Amely öffnete die Augen. Das Klappern endete nicht. Es war ein Jabiru, begriff sie. Gähnend tapste sie aus der Hütte und hielt nach dem weißen Storchenvogel mit dem schwarzen Hals Ausschau. Ein kleines Mädchen kam herangelaufen und legte den Kopf in den Nacken, auf der Suche nach dem, was Amely so interessierte. «Ara’y», rief es und deutete in den Himmel. «Ara’y, ara’y!»
    «Wolken», sagte Amely.
    Sichtlich zufrieden über die Lehrsamkeit der Ambue’y klatschte es in die Hände und trollte sich. Wie gewohnt tobten die Kinder zwischen den Hütten. Manchmal liefen sie auch in den Wald und kamen erst am nächsten Morgen wieder, sogar die Kleinsten. Niemand sorgte sich darum. Die Frauen saßen bei der Arbeit an den Kochfeuern. Aber sie waren leiser als sonst. Amely kehrte in die Hütte zurück, um sich etwas von den seifigen Pflanzen zu holen, die Ruben in seinen Vorratsbehältern aufbewahrte. Sie wollte sich gründlich am Quellteich waschen. Vielleicht hatte sie Glück und war allein. Danach wollte sie sich zu den Frauen gesellen, sich in der fremden Sprache versuchen und fragen, ob man ihr etwas zu tun gab. Hoffentlich nichts Schlimmeres als das Schälen von Süßkartoffeln.
    An der

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