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Die Büchse der Pandora

Die Büchse der Pandora

Titel: Die Büchse der Pandora Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Agatha Christie
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Experiment in meiner kleinen Küche angestellt. Ich habe eine eigene kleine Küche, wissen Sie, wo ich Liköre ansetze und nach alter Tradition einkoche. Die liebe Lucy, müssen Sie wissen, Lady Radclyffe, schwörte auf meinen Gänsefingerkrauttee – genau das Richtige bei Schnupfen. Die arme Lucy war sehr oft erkältet. Genau wie Dennis. Der arme Junge, sein Vater war mein erster Cousin.«
    Tommy unterbrach sie in ihren Reminiszenzen.
    »Diese Küche, wird die auch von anderen benutzt, außer von Ihnen und Miss Chilcott?«
    »Hannah hält sie sauber. Und sie kocht dort das Wasser für unseren morgendlichen Tee.«
    »Vielen Dank, Miss Logan«, sagte Tommy. »Für den Moment habe ich keine weiteren Fragen. Ich hoffe, wir haben Sie nicht überanstrengt.«
    Er schloss die Tür hinter sich und ging mit gerunzelter Stirn die Treppe hinunter.
    »Da ist etwas, mein teurer Mr Ricardo, das ich nicht verstehe.«
    »Ich mag dieses Haus nicht«, sagte Tuppence schaudernd. »Lass uns einen schönen langen Spaziergang unternehmen und alles überdenken.«
    Tommy willigte ein, und gemeinsam marschierten sie los. Als Erstes lieferten sie das Cocktailglas beim Haus des Doktors ab und machten sich dann zu einer anständigen Wanderung über Land auf. Dabei besprachen sie den Fall.
    »Irgendwie macht es einem die Sache leichter, wenn man den Dummkopf gibt«, sagte Tommy. »Dieses ganze Hanau-Gehabe. Wahrscheinlich haben die Leute den Eindruck, dass mir das alles egal ist. Aber das ist es nicht, ganz und gar nicht. Ich habe das Gefühl, auf die eine oder andere Art hätten wir das alles verhindern können.«
    »Das, glaube ich, ist dumm von dir«, sagte Tuppence. »Es ist ja nicht, als hätten wir Lois Hargreaves angewiesen, bloß nicht zu Scotland Yard zu gehen oder dergleichen. Nichts und niemand hätte sie dazu bringen können, die Polizei einzuschalten. Wäre sie nicht zu uns gekommen, hätte sie gar nichts unternommen.«
    »Und das Ergebnis wäre das Gleiche gewesen. Du hast ja recht, Tuppence. Es ist nicht gesund, sich Vorwürfe zu machen wegen einer Sache, die man nicht hätte ändern können. Trotzdem würde ich es gern wiedergutmachen.«
    »Und das wird nicht einfach.«
    »Nein, das wird es nicht. Es gibt so viele Möglichkeiten, aber alle kommen mir abwegig und unwahrscheinlich vor. Nehmen wir an, Dennis Radclyffe hat die Sandwiches vergiftet. Er wusste, dass er zum Tee nicht da sein würde. Damit wäre er doch in sicheren Gewässern.«
    »Ja«, sagte Tuppence. »So weit, so gut. Dagegen steht allerdings die Tatsache, dass er ebenfalls vergiftet wurde – womit er von der Liste zu streichen wäre. Aber da ist eine Person, die wir nicht vergessen dürfen – und zwar Hannah.«
    »Hannah?«
    »Die Menschen sind zu vielem fähig, wenn sie an religiösem Wahn leiden.«
    »Und sie ist da ziemlich weit fortgeschritten«, bemerkte Tommy. »Vielleicht solltest du es Dr. Burton gegenüber erwähnen.«
    »Es muss ziemlich schnell gegangen sein«, sagte Tuppence. »Zumindest, wenn wir Miss Logan Glauben schenken wollen.«
    »Soweit ich weiß, ist das so bei religiösem Wahn«, sagte Tommy. »Jahrelang singt man im Schlafzimmer bei offener Tür Kirchenlieder, und plötzlich dreht man durch und wird gewalttätig.«
    »Es gibt einige Hinweise, die auf Hannah deuten, mehr als auf irgendjemand anderen«, sagte Tuppence nachdenklich, »aber da fällt mir etwas ein…« Sie blieb stehen.
    »Ja?«, fragte Tommy ermunternd.
    »Im Grunde ist es weniger ein Gedanke. Wahrscheinlich eher ein Vorurteil.«
    »Ein Vorurteil gegen eine Person?«
    Tuppence nickte.
    »Tommy, mochtest du Mary Chilcott?«
    Tommy dachte nach.
    »Ja, ich glaube, ich mochte sie. Sie hat auf mich einen überaus kompetenten und sachlichen Eindruck gemacht – vielleicht einen Hauch zu sachlich –, aber sehr vertrauenswürdig.«
    »Du hast dich nicht gewundert, dass sie nicht sonderlich betroffen wirkte?«
    »Nun, in gewisser Weise spricht das für sie. Ich meine, wenn sie sich etwas hätte zuschulden kommen lassen, würde sie doch ganz besonders betroffen tun – eher dick auftragen.«
    »Vermutlich«, sagte Tuppence. »Und überhaupt gibt es für sie gar kein Motiv. Es ist nicht zu erkennen, inwieweit dieser Massenmord ihr zum Vorteil gereichen könnte.«
    »Und die Dienstboten kommen wohl auch nicht infrage?«
    »Eher nicht. Anscheinend sind sie alle eher geruhsam und zuverlässig. Ich frage mich, was für ein Mensch Esther Quant war, das Stubenmädchen.«
    »Du meinst, wenn

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