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Die Chroniken von Waldsee Trilogie Gesamtausgabe: Dämonenblut Nachtfeuer Perlmond (German Edition)

Die Chroniken von Waldsee Trilogie Gesamtausgabe: Dämonenblut Nachtfeuer Perlmond (German Edition)

Titel: Die Chroniken von Waldsee Trilogie Gesamtausgabe: Dämonenblut Nachtfeuer Perlmond (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Uschi Zietsch
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auftauchen, als dieser gerade aus dem Zwielicht trat.
    »Hat er recht?«, fragte er verzweifelt.
    »Er ist gnadenlos, ja«, antwortete der Visionenritter. »Und er würde sogar Arlyn mit eigenen Händen töten, wenn er dazu in der Lage wäre. Du hast ihn nicht nur tief in den Leib getroffen, sondern auch in seine Seele.« Langsam ging er auf seinen Sohn zu. »Er ist allein, Rowarn, genau wie du gesagt hast.« Dann legte er ihm behutsam die schwere Hand auf die Schulter. »Du aber nicht.«
    Einen langen Moment standen sie still voreinander, und Rowarn hatte das Gefühl, als würde ihm eine schwere Last von den Schultern genommen. Unwillkürlich dachte er an Baron Solvan, der seinen einzigen Sohn an den Feind verloren hatte und dennoch an seiner Überzeugung festhielt.
    Er durfte sich nicht einschüchtern lassen. Er liebte Arlyn, und er wollte sie an seiner Seite. Sie nun zu verlassen, damit sie in Sicherheit in Farnheim bliebe, wäre die dümmste aller Entscheidungen, denn die Lady würde sich deswegen niemals zurückziehen oder davon abhalten lassen, Femris weiterhin die Stirn zu bieten. Sie hatte sich entschieden. Jeder Einzelne seiner Freunde hatte sich entschieden und würde es nicht verstehen, wenn Rowarn nun plötzlich umschwenkte. Er würde sie damit alle verraten und enttäuschen.
    Und ... sein Vater war hier. Bei ihm, in diesem Moment.
    »Ich bin sehr reich«, flüsterte Rowarn.
    Angmor drehte sich um. »Trödle nicht, Sohn, wir haben viel zu tun.«

    Kurz vor Sonnenaufgang fanden sich alle oben bei den Kaskadenfällen ein. Arlyn trug ein schlichtes dunkelblaues, silberdurchwirktes Kleid und einen langen Fellumhang, Rowarn die königlichen Insignien. Noïrun legte Rowarns rechte und Arlyns linke Hand übereinander und umwickelte sie mit einem goldenen Band. Dann hielt er seine Hand darüber und sprach: »Das Leben ist ein Kreis. Wir enden dort, wo wir beginnen. Mit diesem Versprechen werden zwei Kreise miteinander verbunden, verschmolzen zu einem starken Band, unzerreißbar, unzerstörbar. Ein Herz wird in andere Hände gegeben, ein Leben dem anderen anvertraut.«
    Rowarn fühlte Arlyns weiche, warme Hand auf seiner, während er das Gelübde sprach, und er lauschte dem Klang ihrer Stimme, als sie ihr Versprechen sang. Ihm war schon fast, als wären sie Eins, als schlügen ihre Herzen im selben Takt, und ihre Auren verschmolzen miteinander.
    Alles, was danach kam, verschwamm in seiner Erinnerung, denn er hatte nur noch Augen für seine Königin. Rowarn nahm die Glückwünsche und Umarmungen der Freunde entgegen, er aß und trank auf der Feier, doch ihm war, als wäre dies alles so weit weg wie die Sterne und nur die Sonne wäre ihm nah.

    Einen halben Mondwechsel später war die Macht des Winters endgültig gebrochen, der Schnee dahingeschmolzen, und die ersten Frühlingsboten durchbrachen den kaum getauten Erdboden. Noïrun und Angmor konnten es kaum mehr erwarten, Farnheim zu verlassen. Auch Rowarn und Arlyn trafen ihre Vorbereitungen, und bald lag nur noch die Entscheidung vor ihnen, wann sie aufbrachen.
    Rowarn wollte eines Morgens vor dem Frühstück mit dem Fürsten darüber sprechen, doch dieser war nicht in seinem Zimmer. Also ging er nach draußen und sah sich um, doch er konnte Noïrun auch hier nirgends entdecken. Niemand sonst war schon wach, es war ein stiller, früher Morgen, die Luft weich und mild. Langsam schlenderte Rowarn durch den Park in den Wald hinein und wich bald vom gewohnten Pfad ab. Die ersten jungen Farnblätter glitzerten nass in der gerade erwachten Sonne, und Dampf stieg von den heißen Quellen auf und waberte über die Wipfel. In den Zweigen regte sich allmählich Leben, gefiederte Sänger übten schon zarte Töne für ihre Hochzeitslieder.
    Dann glaubte Rowarn eine weitere leise Stimme zu hören und folgte ihr. Erstaunt hielt er inne, als er den Fürsten erkannte, der auf einer kleinen Lichtung vor einem großen Baum kniete. Zwischen den Wurzeln wuchs ein früher Moosteppich mit blauen Blumen. Noïrun hatte eine Honigwabenkerze vor sich aufgestellt, die sanft flackerte. Daneben stand eine kleine Schale aus Metall, glimmende Kräuter verbreiteten einen schweren, süßen Duft. Mit rituellen Gesten streute der Fürst getrocknete Blütenblätter und weitere Kräuter über den Moosteppich und in die Schale, während er leise sang. Rowarn wusste, dass er augenblicklich gehen sollte, aber der Zauber dieses Moments berührte ihn zutiefst, und er konnte nicht anders als stehen zu

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