Die Enden der Parabel
Zukunftsträume ... komatische Bilder spielen um ihre Züge, glühen in der Luft: stilisierte Tränen, die das Licht selbst vergießt, während sie durch die mechanischen Städte dahingetragen wird, zwischen Mauern aus Meteorstein, frei in die Luft drapiert, jede Höhlung und Nische leer wie ein Knochen, umsäumt vom schwarz leuchtenden Flackern erblindender Schatten ... oder starr in greller Pose schwebt, lange Roben, Fransen und alchimistisches Symbol, Schleier, flatternd von ledernen Schädelkappen, die konzentrisch gefüttert und abgesteppt sind wie die Helme von Radrennfahrern, vor Krackturm und Helix aus Obsidian, Transmissionen und Walzen, nie gesehenen Luftschiffen, die feierlich unter Bögen hindurch und vorbei an Dachlandschaften voller riesiger Flossen gleiten im Nebel der Stadt...
In Weiße Sandwüste von Neumexiko spielte sie ein Cowgirl. "Können Sie reiten?" war die erste Frage, die man ihr gestellt hatte. "Natürlich", lautete ihre Antwort. Nie in
ihrem Leben hatte sie sich einem Pferd näher als auf Grabenbreite im Krieg genähert, aber sie brauchte den Job. Als sie im Sattel saß, dachte sie keinen Augenblick daran, sich vor dem Biest zu fürchten, das sich da zwischen ihre Schenkel preßte. Es war ein amerikanisches Pferd namens Snake. Ob zugeritten oder nicht, es hätte mit ihr durchgehen, sie sogar töten können. Statt dessen tänzelten sie über die Szene, sie und diese Mähre, erfüllt von sagittarischem Feuer, und keine Sekunde lang verlor sie ihr Lächeln.
Hier ist einer der Schleier, die sie geworfen hat, ein dünner, weißer Schaum, der ätzende Niederschlag einer Nacht unlängst in Berlin. "Während du schliefst, ging ich aus dem Haus. Ich lief auf die Straße, mit bloßen Füßen. Ich fand eine Leiche. Einen Mann. Ein wochenalter grauer Bart, ein alter grauer Anzug ..." Reglos und sehr weiß lag er hinter einer Mauer. Sie streckte sich neben ihm aus und schlang ihre Arme um ihn. Es herrschte Frost. Der Körper rollte gegen sie, und die Falten blieben steifgefroren im Stoff. Sie fühlte, wie die Bartstoppeln seines Gesichts über ihre Wange rieben. Der Geruch war nicht schlimmer als der von kaltem Fleisch aus dem Eisschrank. Sie lag still und hielt ihn fest, bis zum Morgen.
"Erzähl mir von deinem Land." Was hat sie geweckt? Stiefel auf der Straße, ein früher Dampfbagger. Sie kann ihr eigenes müdes Flüstern kaum vernehmen. Antwort der Leiche: "Wir leben tief unter dem schwarzen Schlamm. Tage des Reisens." Obwohl sie seine Glieder nicht so leicht zu bewegen vermochte wie die einer Puppe, konnte sie ihm doch genau die Worte und Gedanken eingeben, die sie wollte.
Einen Augenblick lang fragte sie sich auch - nicht ganz in Worten -, ob sich ihr eigener, weicher Geist vielleicht genauso anfühlte unter den Fingern jener, die ihn ... "Mm, es ist behaglich hier unten. Hin und wieder schnappt man etwas von ihnen aufein fernes Grollen, in dem der Umriß einer Explosion steckt, durch das Erdreich über unseren Köpfen bis hierher geleitet... aber niemals zu nahe! Die Dunkelheit ist so tief, daß die Dinge glühen. Wir kennen den Flug. Sex gibt es nicht. Aber es gibt Phantasien, darunter sogar viele von jenen, die wir einst mit dem Sex verbunden haben - die wir benützt haben, um seine Energien zu modulieren ... " Als quirlige Debütantin Lotte Lüstig trieb sie, verkleidet als Putzfrau, einen hochwasserführenden Fluß hinunter, in einer Badewanne vereint mit dem reichen Playboy Max Schlepzig.
Der Traum jedes Mädchens. Der Titel des Films lautete Jugend herauf! (ein amüsantes Wortspiel, natürlich, mit dem damals vielgehörten Satz "Juden heraus!"). Tatsächlich wurden alle Badewannenszenen im Studio mit Rückpro gedreht - nie kam sie wirklich auf den Fluß in ihrer Wanne mit Max, dafür gab's Doubles, von denen in der Verleihkopie nur eine lange und sehr düstere Einstellung überlebt, schwarz zugelaufene, unförmige Gestalten, die an Affen erinnern, und ein Licht von eigentümlicher Qualität, fast so, als wäre die Szene in ein dunkles Metall wie Blei graviert. Gretas Double war in Wirklichkeit ein italienischer Stuntman namens Blazzo mit einer langen blonden Perücke. Sie hatten eine Zeitlang eine Affäre miteinander. Aber Greta ging nie mit ihm ins Bett, wenn er nicht diese Perücke trug! Draußen auf dem Fluß peitscht der Regen: man hört, wie die Stromschnellen näher kommen, noch unsichtbar, aber real und unausweichlich. Und beide Doubles beginnen Angst zu verspüren, eine
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