Die Entdeckung der Erde
Ereignissen in Europa, fragte nach allen Einzelheiten über die Kaiser und Könige, über ihre Regierungsweise und die Art der Kriegführung; dann unterhielt er sich mit ihnen auch längere Zeit über den Papst und die Angelegenheiten der italienischen Kirche.
Matteo und Nicolo, welche der tatarischen Sprache schon vollkommen mächtig waren, beantworteten freimüthig alle Fragen des Kaisers. Dieser ging damals mit dem Gedanken um, an den päpstlichen Stuhl eine Gesandtschaft zu schicken, und ersuchte die beiden Brüder, als seine Gesandten zu Sr. Heiligkeit zu gehen.
Kublaï-Khan veranstaltete den venetianischen Kaufleuten große Festlichkeiten. (S. 63.)
Die Kaufleute nahmen das dankbar an, da sie in Folge der Bekleidung mit diesem neuen Charakter jedenfalls unbehelligter zurückzukommen glaubten. Der Kaiser ließ Karten in türkischer Sprache anfertigen und bat den Papst um Absendung von hundert gelehrten Männern, um die Götzendiener zum Christenthume zu bekehren; den Venetianern gab er auch einen seiner Großen, Namens Coyatal, bei und beauftragte diesen, ihm etwas Oel aus der heiligen Lampe mitzubringen, die fortwährend über dem Grabe Christi in Jerusalem brannte.
Mit Pässen ausgerüstet, die ihnen im ganzen Bereiche des Kaiserthums Menschen und Pferde zur Verfügung stellten, nahmen die beiden Brüder vom Khan Abschied und machten sich im Jahre 1266 auf den Weg.
Coyatal verfiel bald in eine Krankheit. Die Venetianer mußten sich von ihm trennen, setzten also ihren Weg fort und brauchten aber, trotz aller Hilfe, die sie fanden, nicht weniger als drei Jahre, um Laïas, einen Hafen Armeniens, der jetzt unter dem Namen Issus bekannt ist und im Grunde des Issi’schen Golfes liegt, zu erreichen. Von Laïas aus begaben sie sich nach Acre im Jahre 1269; dort erfuhren sie den Tod Papst Clemens IV., an den ihre Sendung lautete. In genannter Stadt residirte jedoch der Legat Tebaldo. Er empfing die Venetianer, und als sie ihn mit der vom Khan ertheilten Botschaft bekannt machten, veranlaßte er sie, die Wahl eines neuen Papstes abzuwarten.
Matteo und Nicolo, welche seit fünfzehn Jahren aus ihrem Vaterlande abwesend waren, beschlossen, nach Venedig zurückzukehren. Sie wandten sich nach Negroponte und schifften sich dort auf einem Fahrzeuge ein, das sie direct nach ihrer Vaterstadt geleitete.
Marco Polo. (S. 66.)
Bei der Ankunft erfuhr Nicolo das Ableben seiner Gattin und die Geburt eines Sohnes, der ihm wenig Monate nach seiner Abreise im Jahre 1254 geboren worden war. Dieser Sohn hieß Marco Polo. Zwei volle Jahre warteten die Brüder, denen die Ausführung ihres Auftrages am Herzen lag, auf Erwählung eines neuen Papstes. Da es hierzu aber immer noch nicht kam, glaubten sie, ihre Rückkehr zu dem mongolischen Kaiser nicht länger hinausschieben zu dürfen; sie fuhren also nach Acre ab und nahmen auch den jungen Marco mit, der damals höchstens siebenzehn Jahre zählen konnte. In Acre trafen sie auch den Legaten Tebaldo wieder, der sie ermächtigte, Oel aus der ewigen Lampe zu Jerusalem zu entnehmen. Nachdem sie sich dieses Vorhabens entledigt, kehrten die Venetianer nach Acre zurück und ersuchten wegen Mangels an einem Papste den Legaten um ein Schreiben für Kublaï-Khan, in welchem er diesen den Tod Clemens’ IV. anzeigen möchte. Tebaldo kam dem Wunsche nach und die beiden Brüder kehrten nach Laïas zurück. Dort kam ihnen zu ihrer größten Freude die Nachricht zu, daß Tebaldo am 1. September 1271 unter dem Namen Gregor X zum Papste gewählt worden sei. Der Neuerwählte rief sie sofort zu sich und der König von Armenien stellte eine Galeere zu ihrer Verfügung, um sie so schnell als möglich nach Acre zu bringen. Der Papst empfing sie mit großer Auszeichnung, händigte ihnen Briefe an den Kaiser von China aus, gab ihnen auch zwei predigtgewandte Brüder, Nicolas de Vincence und Wilhelm von Tripolis, mit und ertheilte Allen seinen Segen.
Die Gesandten nahmen darauf von Sr. Heiligkeit Abschied und segelten nun wiederum nach Laïas. Kaum in dieser Stadt angelangt, waren sie aber nahe daran, von den Banden des Mameluken-Sultan Bibars, der jener Zeit Armenien verheerte, gefangen genommen zu werden. Die beiden Prediger-Mönche verzichteten, durch diesen Anfang abgeschreckt, darauf, nach China zu gehen, und überließen es den beiden Venetianern und Marco Polo, dem Mongolen-Kaiser die Briefe des Papstes zu überreichen.
Jetzt beginnt nun die eigentliche Reise Marco Polo’s. Ob er
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