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Die Entführung der Musik

Die Entführung der Musik

Titel: Die Entführung der Musik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alan Dean Foster
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Geschwindigkeit, mit der sie voranrasten, war an Spielen nicht zu denken. Mit einem wilden Leuchten in den Augen hielt Mudge sich dicht neben ihm. Es war ein Glanz, den Jon-Tom schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat- te. Sein Freund war wieder zu dem übermütigen, nicht zu bremsenden Otter geworden, der er in jungen Jahren gewesen war. Sollten sie ihre Flucht nicht überleben, würde zumindest einer von ihnen in einem Zu- stand absoluter Zufriedenheit zugrunde gehen.
    Kaum in der Lage, die begeisterten Schreie und das wilde Winken zu würdigen, schossen die beiden frischgebackenen Skater an den ver- sammelten Prinzessinnen und den vier Soldaten vorbei. Angemessen- erweise endete die Regenbogenbrücke am Fuße eines wellenge- glätteten Felsenhaufens, der an der Grenze zwischen Wasser und Land aufragte. Den Aufprall, der zu erwarten war, konnte niemand überle- ben.
    Jon-Tom wollte gerade die Augen schließen, da verdichtete sich vor ihnen ein wirrer Nebelstrudel. In seiner Mitte schwebte eine inzwi- schen wohlbekannte Gestalt.
    »Es wird allmählich Zeit! Ich hätte nicht gedacht, daß ich je...« Die starren Facettenaugen konnten sich nicht weiten, doch mehrteilige Kiefer klappten überrascht auf, und beide Fühler schossen nach oben, als Mann und Otter in den funkelnden Dunst hineinbrachen.
    Es saugte ihren Schwung weg, wie wenn man Kakao mit dem Strohhalm aufschlürft. Im letzten Moment warf Jon-Tom schützend die Hände vors Gesicht, und dann schlug er gegen etwas Unnachgie- biges. Sein Magen machte einen zweieinhalbfachen Auerbachsalto mit dreifacher Schraube. Mudge jaulte überrascht auf.
    Jon-Tom sagte sich, daß die Erde flach sein mußte, genau wie die Altvorderen es immer behauptet hatten. Gerade hatte jemand sie wie eine Münze in die Luft geworfen, und so unwahrscheinlich es auch schien, sie war auf der Kante gelandet.

XXIV
    Als Jon-Tom das nächste mal die Augen aufschlug, lag er auf einem Parkettfußboden aus gelborangefarbenem Holz. Die einzelnen Platten bildeten ein Muster aus ineinandergreifenden Sechsecken. Von seinen Füßen waren die Rollschuhe verschwunden. Sein erster Gedanke galt der kostbaren Duar, die wie durch ein Wunder ganz geblieben war.
    Der Boden fühlte sich nicht richtig an. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, daß er nicht aus Holz gemacht war, sondern aus einem raffinierten Plastikimitat. Der Bannsänger tastete sich vorsich- tig ab und stellte fest, daß er zwar zerschlagen und wund war, ansons- ten aber unverletzt. Nichts war gebrochen, nichts blutete, und alles schien so zu funktionieren, wie die Natur es vorher gesehen hatte.
    Nicht vorhergesehen hatte die Natur dagegen, sagte er sich, was ge- rade mit ihnen geschehen war.
    Mudge war schon auf den Beinen und stellte sich mit dem Schwert in der Hand ihrem Mitreisenden entgegen. Dies war, das hatte Jon- Tom gerade noch bemerkt, bevor alles verrückt geworden war, das merkwürdige Insektoid, das ihnen seit ihrem Aufbruch aus Mashupro ununterbrochen nach gestellt hatte.
    Es stand ihnen gegenüber und fingerte an den Schaltern auf seiner Brust herum, mit denen es das auf den Rücken geschnallte Gerät be- diente. Jon-Tom sah zu, wie die inneren Lichter des Instruments erlo- schen.
    Mudge ließ das Wesen nicht aus den Augen. »Jon-Tom, bist du...?«
    »Ich bin okay, mir geht es gut.« Zum Beweis zwang er sich zum Aufstehen. Die Muskeln meldeten beim Nervensystem einen formalen Protest an, gehorchten aber.
    »Das war nicht vorher gesehen«, sagte ihr Gastgeber.
    »Das ist kein Witz.« Jon-Tom überragte das Insektoid, das mit Mudge die gleiche Augenhöhe hatte.
    Der Raum, in dem sie so unerwartet gelandet waren, hatte ein Kup- peldach. Abgesehen von der hinteren Wand standen an allen Seiten Möbel, die für Geschöpfe mit ebenso vielen Gliedern gedacht waren, wie Jon-Tom und Mudge gemeinsam aufwiesen. Die hintere Wand war bis zur Decke mit einer Jon-Tom unbekannten Elektronik vollge- stopft. Das überraschte ihn allerdings nicht. Er hatte nie viel von Technik verstanden, glaubte zum Beispiel, daß alle Computer ihm von Natur aus feindlich gesonnen seien und daß an einer Stereoanlage je- der Schalter, der über den Lautstärkeregler und den Ein/Aus-Schalter hinausging, überflüssig war.
    Einer Sache war er sich jedenfalls sicher: Hier war eine sehr hoch- entwickelte Technologie am Werk. Oder Magie. Es war eine Sache der Definition - oder eine Definition der Sache.
    »Was ist mit uns geschehen?«
    »Ja, was is 'ier los?«

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