Die Erben von Somerset: Roman (German Edition)
Nachspeise kriege ich leider nicht mehr unter.«
»Kein Problem«, sagte er. »Die Sahne ist gekühlt. Die essen wir mit den Pfirsichen später.«
Das Wörtchen »später« rief ihr ins Gedächtnis, warum sie hier war. Während des Essens hatte Percy nur über örtlichen Klatsch, Familie und Freunde geredet. Das Hauptgesprächsthema war in weiter Ferne geblieben, wie eine drohende Regenwolke.
Sie faltete ihre Serviette und legte sie auf den Tisch. »Percy, ich glaube, es wird Zeit, dass du mir deinen Vorschlag unterbreitest.«
Percy räumte die Teller ab. »Lass mich zuerst den Abwasch machen. Die Toilette ist draußen, falls du eine brauchst. Du kannst dir jeden beliebigen Baum aussuchen. Aber nimm dich in Acht vor den Zecken. Ein Eimer mit Brunnenwasser und ein Handtuch liegen bereit. Die Flasche Wein leeren wir auf der Veranda.«
Mary, die sich träge wie eine satte, zufriedene Katze fühlte, schlenderte in die grüne Stille des späten Nachmittags hinaus und suchte sich eine abgelegene Stelle. Wenig später wusch und trocknete sie sich die Hände und kehrte zur Hütte zurück, wo Percy den Wein einschenkte. Die Veranda, zu der eine leichte Brise vom See herüberwehte, lag, geschützt vor Mücken, im Schatten der Zypressen.
»Für mich keinen mehr«, winkte sie nach einem Blick auf ihre Taschenuhr ab. »Es ist nach drei. Ich muss wirklich zurück.«
»Warum?«, fragte Percy. »Kommt Hoagy nicht allein zurecht?«
»Ich muss ihm auf die Finger schauen. Er neigt dazu, Leute zu besuchen und sich Kaffeepausen zu genehmigen.«
»Die Freuden des Plantagenlebens, was?«
»Bitte verdirb uns nicht das perfekte Essen mit diesem Thema, Percy.«
»Ich muss leider. Die Plantage ist der zentrale Punkt meines Vorschlags.«
Marys Muskeln spannten sich unwillkürlich an. Jetzt kommt’s, dachte sie. Wieder ein wunderbarer gemeinsamer Tag ruiniert. »Und wie sieht der aus?«, fragte sie.
»Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was mir wirklich wichtig ist. Und ich bin zu dem Schluss gekommen …« Er schwenkte den Wein im Glas. »… dass ich mit einer Plantage voller Baumwollkapselkäfer, aber nicht ohne dich leben kann.«
Mary traute ihren Ohren nicht. »Wie meinst du das, Percy?«
»Ich möchte, dass wir heiraten und bleiben, was wir sind: ich Holzhändler und du Pflanzerin.«
Sie machte große Augen. »Soll das heißen, du würdest uns beide nehmen – mich und Somerset?« Das war doch nicht möglich, dachte sie.
Percy wandte sich ihr zu. »Ja, das wäre mein Vorschlag. Heiratest du mich, wenn ich meinen Widerstand gegen Somerset aufgebe und die Dinge akzeptiere, wie sie sind?«
»Ist das zu fassen?«, sagte sie mit leiser Stimme.
Er stellte sein Glas ab und streckte ihr die Hand hin. »Glaube es einfach, Mary. Ich liebe dich.«
Voller Skepsis legte sie ihre Hand in die seine. »Und wie kommt es zu diesem Sinneswandel?«
»Ich habe gesehen, was mit dir geschieht. Und mit mir.« Seine Finger schlossen sich um ihre Hand. »Wie viel, meinst du, kannst du dir noch aufbürden und allein tragen? Und wie viele weitere Jahre soll ich ohne dich verbringen? Unsere Tage sind vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung ausgefüllt, aber unser Leben bleibt leer.«
»Und was ist mit all den Dingen, die du von deiner Ehefrau erwartest? Zum Beispiel, dass sie dich und die Kinder an die erste Stelle setzt?«
»Vielleicht geschieht das ja irgendwann, doch ich verspreche dir, nicht mit dieser Erwartung in die Ehe zu gehen. Wenn ich nach der Arbeit nicht zu dir nach Hause kommen kann, kommst du eben zu mir. Einfach nur unter einem Dach zusammenzuleben genügt mir, Mary.«
Mary konnte es nach wie vor nicht fassen. »Die Kompromisse machst alle du, Percy. Worauf muss ich verzichten? Was muss ich dir versprechen?«
»Dass du dich von Somerset trennst, falls es dir nicht gelingt, es wieder auf die Beine zu bringen. Ohne Wenn und Aber. Dass du mich nicht um Geld für seine Rettung bittest. Es würde mir schwerfallen, dir diesen Wunsch abzuschlagen, aber ich würde es tun und erwarten, dass meine Weigerung unser Eheleben nicht beeinflusst. Du weißt, welche Einstellung ich dem Baumwollanbau gegenüber habe. Ich erachte Plantagen wie die deine als Verlustgeschäft. Ihre Zeit ist für mich vorbei.«
Sie legte die Fingerspitzen auf seine Lippen. »Kein Wort mehr, Percy. Ich kenne deine Einstellung und würde keine Hilfe von dir erwarten. Das würde gegen die Regel verstoßen, an die unsere Familien sich immer gehalten
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