Die Feuer von Eden
Augenblick seine Stellung gegenüber den Weißen vergessen. »Die Unterwelt von Milo ist wirklich! Es gab zwei Eingänge — die Höhle in Waipio, wo die Toten eintreten, um Geister zu werden, und die Öffnung in Kona, wo einst böse Dämonen entflohen! Madame Pele hat gute Tat begangen und den Kona-Eingang zur Geisterwelt verschlossen!«
»Schweig still!« hatte der Wirt gedonnert, sichtlich erzürnt über die rüde Einmischung des Eingeborenen. Doch Mr. Clemens hatte seinerseits den Wirt zum Schweigen gebracht, indem er gebieterisch die Hand hob, um unseren Herbergsvater davon abzuhalten, unseren verängstigten Führer noch weiter zu schelten. »Hananui«, sagte Mr. Clemens sanft, »es ist alles in Ordnung. Erzähl uns, wer oder was in dieser Unterwelt lebt.«
Hananui hatte zaghaft zu dem verärgerten Wirt und den deutlich mißbilligenden Missionaren geblickt, doch er war tapfer fortgefahren: »Es ist, wie ich sagen letzte Nacht — Milu, er ist König von Unterwelt, Pana-ewa ist sehr böser Dämon — Reptilienmann, Ku — er erscheinen manchmal als Hund. Alles böses Geistervolk hier unten.«
Mr. Clemens hatte genickt; offensichtlich wollte er noch mehr hören, war jedoch nicht gewillt, Mrs. Stanton oder ihre kleine Schar von Flüchtlingen noch mehr zu verärgern. Ich sollte erwähnen, daß Mrs. Whister zugegen war, sich aber ganz aufs Weinen verlegte; das Kind, Theodore, und sein Urgroßvater Ezra schliefen, und Mrs. Taylor, die dritte Frau, sprach während der ganzen Zeit kein Wort — sie saß einfach nur da und blickte starr vor sich hin, offenkundig in Erinnerungen versunken.
Mrs. Stanton fuhr fort, die Lippen verkniffen und weiß ob der rüden Unterbrechung:
»Die Warnungen... die Phantastereien... wurden meinem Vater, Reverend Whister, vor vierzehn Tagen überbracht. Und dann, vor vier Nächten, begannen die schrecklichen Ereignisse...«
An dieser Stelle zeigte selbst die unerschütterliche Mrs. Stanton Anzeichen, unter der Last ihres Martyriums zusammenzubrechen, doch der Wirt brachte ihr ein Glas Wasser, und sie fuhr fort, trotz der Gefühle, die sie zu übermannen drohten.
»Zuerst waren da die... Erscheinungen. Seltsame Dinge, die des Nachts in den Straßen des Dorfes zu sehen waren.«
»Was für seltsame Dinge?« erkundigte sich Mr. Clemens, seine Beine so über den Stuhl, als würde er immer noch im Sattel sitzen.
»Dazu wollte ich gerade kommen, Sir«, gab Mrs. Stanton mit verkniffenem Mund zurück. »Die verängstigten Eingeborenen erzählten Geschichten über seltsame Tiere. Eine große...«, sie blickte vorwurfsvoll zu Hananui, »...eine große Echse. Ein Keiler. Irgendein schreckliches Raubtier.« Abermals schaute sie zu unserem Führer. »Ein schwarzer Hund. Natürlich alles Unsinn.«
Mein Herz flatterte, als sie dies berichtete. Unser Standort am Rande dieses brodelnden Vulkans verlieh der Geschichte selbst bei Tageslicht etwas zutiefst Beunruhigendes.
»Es war Unsinn, bis der Alptraum begann«, fuhr Mrs. Stanton fort. »Mein Gatte war der erste, der starb.«
Wir waren wenigstens ein Dutzend Menschen im Raum, und doch herrschte in diesem Moment fast vollkommene Stille, da niemand außer Mrs. Stanton atmete. Sie selbst tat einen tiefen Seufzer, bevor sie fortfuhr. »Vor vier Nächten erscholl im Dorf plötzlich ein großes Geschrei. Unsere Hütte lag am nächsten... Vater und Mutter leben in einem größeren Haus auf dem Hügel, nahe der behelfsmäßigen Kirche. August, mein Gemahl — Mr. Stanton —, griff sich die Muskete und beschloß nachzusehen, was dieser Aufruhr zu bedeuten hatte. Ich flehte ihn an, nicht zu gehen. Ich sagte ihm, daß kein aus welchem Grunde auch immer verlorenes Heidenleben es wert sei, dafür ein Christenleben in Gefahr zu bringen. Doch er strich mir nur übers Haar und erklärte mir, daß wir an diesen fernen Ort gekommen seien, um justament das Gegenteil zu beweisen. Dann ließ er den kleinen Theodore schwören, die Heimstatt bis zur Rückkehr seines Vaters zu bewachen, und ging mit Kaluna, einem unserer bekehrten Hawaiianer, davon.
August kehrte in jener Nacht nicht zurück. Allüberall im Dorf hörte man Schreie und Gebrüll. Ich war überzeugt, daß man uns alle niedermetzeln würde... Theodore, Mrs. Taylor und ihren Gatten oben auf dem Hügel, Vater, Mutter, uns alle... Aber die anderen wurden von dem Lärm nicht herbeigelockt, und ich war zu verängstigt, um auf der Suche nach Hilfe in die Dunkelheit hinauszugehen.
Als es Morgen wurde, nahm ich
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