Die Feuerkrone: Roman (Heyne fliegt) (German Edition)
einläuft.
Jemand hat mich gefunden, hat mich hierhergebracht. Jemand hat mir das Leben gerettet.
Ich fühle eine Bewegung an meiner Schulter. Meine Bauchmuskeln ziehen sich unwillkürlich zusammen, und eine Welle aus Schmerz wogt bis zu meinem Brustbein empor. Ich zwinge mich dazu, mich zu entspannen, zu atmen.
Dann drehe ich den Kopf ein wenig, um herauszufinden, was sich da gegen meine Schulter lehnt. Meine Nase nimmt weiches, frisch gewaschenes Haar und einen warmen, schlafenden Atem wahr.
Seinen Geruch würde ich immer und überall erkennen. Es ist Rosario, mein kleiner Prinz. Ich frage mich, ob er von jemandem hierhergebracht wurde, oder ob er wieder einmal seiner Kinderfrau entwischt ist.
Bei dem Versuch, den Kopf zu heben, wird mir schwindlig, aber ich tue es trotzdem, nur so weit, dass meine Lippen seine Stirn berühren. Er kuschelt sich enger an mich, und das hilft mir, mich zu konzentrieren. Ich bin lange wach. Unter Schmerzen. Und froh, am Leben zu sein.
Als ich mich das nächste Mal bewege, fällt es mir leicht, die Augen zu öffnen. Ich versuche mich aufzusetzen, gebe aber gleich wieder auf. Abgesehen vom Schmerz verweigern meine Bauchmuskeln ihren Dienst. Was, wenn der Dolch des Meuchelmörders etwas Entscheidendes in mir zerstört hat?
Rosario ist verschwunden, aber ich bin von Leibwächtern umgeben. Einer steht am Fuß des Bettes, zwei an meinem Balkon, zwei an der Eingangstür, einer am Durchgang zum Atrium.
Ich hole tief Luft. » Guten Morgen«, bringe ich unter großen Mühen heraus. Meine Stimme klingt wie die einer Fremden, gesprungen und trocken.
Die Männer nehmen sofort Haltung an.
Einer tritt vor. Mein Sehvermögen ist durch Hitze und Schwindel getrübt, aber ich erkenne Lord Hector an seinen breiten Schultern.
Er flüstert: » Elisa?«
Fragen überschlagen sich in meinem Kopf und wetteifern um meine Aufmerksamkeit. Wer hat mich gerettet? Hat man den Mörder geschnappt? Wie schwer bin ich verletzt? Wo sind Mara und Ximena? Habe ich es mir nur eingebildet, dass sich Rosario mitten in der Nacht an mich gekuschelt hat?
Das alles über die Lippen zu bringen ist unmöglich. Zwar öffne ich den Mund, aber es kommt nichts heraus.
» Euer Majestät?«, fragt er. » Könnt Ihr mir sagen, wie Ihr Euch fühlt?«
Mein Schlafzimmer knistert vor Spannung, denn alle warten auf meine Antwort. Sie brauchen meine Antwort. Sie haben Angst, dass ich nicht dazu in der Lage bin, die Worte zu formulieren.
Also versuche ich es noch einmal. » Sandsturm«, bringe ich heraus.
Es klingt nicht richtig. Die Wächter werfen einander besorgte Blicke zu.
Ich hole voller Schmerz Luft. » Sandsturm«, wiederhole ich. » Als sei ich verloren. Und bei lebendigem Leib ausgepeitscht.«
Lord Hectors Gesicht wird vor Erleichterung ganz weich. » So seht Ihr auch aus.«
Die anderen ziehen angesichts seiner Kühnheit scharf die Luft ein, aber ich lache. Es klingt wie ein Keuchen.
Hector wendet sich an einen der Wächter. » Lasst General Luz-Manuel und Conde Eduardo sofort mitteilen, dass Ihre Majestät wach und bei klarem Verstand ist.«
Als ich seinen Namen höre, kitzelt mich die entfernte Erinnerung, dass der General meine Totenwache gehalten hat. Oder habe ich mir das eingebildet?
» Ich hole Ximena und Mara«, sagt Hector. » Ich habe ihnen befohlen, etwas zu essen und sich auszuruhen.«
» Danke.« Mein Blickfeld verdunkelt sich schon wieder, und ich wünsche mir nichts mehr, als die Augen schließen zu können. » Wartet! Wie lange war ich…«
» Drei Tage.«
Das ist wie ein Schlag gegen meinen ohnehin schon furchtbar schmerzenden Bauch. » Und der Attentäter?« Zumindest fallen mir die Worte jetzt ein bisschen leichter.
» Ist verschwunden. Wir haben überall gesucht.«
Das hatte ich befürchtet. Wieso sonst würde ich so viele Wachen brauchen? » Steckt Invierne dahinter? Hatte es mit der Drohung des Animagus zu tun?«
» Die anderen Quorumsmitglieder sind davon überzeugt. Das Volk glaubt das ebenfalls. Conde Eduardo hat überall in der Stadt anschlagen lassen, dass es besser sei, nirgendwo allein hinzugehen. Einige Viertel haben darum gebeten, dass die Wachen verstärkt werden.«
Mein Mund öffnet sich, um zu fragen, ob schon jemand vorgeschlagen hat, mich an Invierne auszuliefern, aber die Worte wollen nicht über meine Lippen. » Habt Ihr mich dort unten gefunden? Wart Ihr derjenige, der mir das Leben gerettet hat?«
Er erstarrt, und ich wünschte, ich könnte besser sehen, denn jetzt
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