Die Feuertaufe
die Frage, ob Sie vielleicht von Sphinx stammen.«
»Ja«, antwortete Honor ein wenig gedehnt und kniff die Augen zusammen. »Zufälligerweise stammen Nimitz und ich beide von Sphinx.«
»Also, dann frage ich mich doch, gerade angesichts von … Nimitz’ Anwesenheit, ob Sie vielleicht mit Dr. Allison Harrington verwandt sind.« Abrupt weiteten sich Honors Augen. »Sie stammt ursprünglich von Beowulf«, fuhr der Kellner hastig fort.
»Zufälligerweise«, erwiderte Honor noch gedehnter, »ist Dr. Harrington meine Mutter.«
Nun war es am Kellner, die Augen weit aufzureißen. Doch Nimitz behielt ihn wachsam im Auge, und Honor hatte den Eindruck, der Mann sei in Wahrheit nicht überrascht, es hier mit Allison Benton-Ramirez y Chou Harringtons Tochter zu tun zu haben. Viel mehr schien ihn zu überraschen, dass sie ein Raumoffizier war … oder vielleicht, dass sie sich hier auf Jasper aufhielt. Honor wusste selbst nicht genau, warum sie das dachte, aber der Eindruck war doch recht stark.
Der Kellner schien einen Moment zu zögern, als müsste er erst noch eine Entscheidung treffen. Dann räusperte er sich.
»Vergeben Sie mir, Ma’am. Mir ist wohl bewusst, dass es so wirken muss, als mischte ich mich hier in Ihre persönlichen Angelegenheiten ein, und dafür bitte ich schon jetzt um Verzeihung. Aber ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, Dr. Harringtons Tochter hier in Silesia zu begegnen. Nachdem das aber nun geschehen ist, möchte ich Ihnen gerne eine Frage stellen: Sind Sie der gleichen Ansicht wie Ihre Frau Mutter, was die Gensklaverei betrifft?«
Es gelang Honor, sich ihr Erstaunen nicht anmerken zu lassen. Sie wusste, dass es hin und wieder zu gänzlich bizarren Zufällen kommen konnte, sie hatte selbst schon mehr als genug davon erlebt. Doch nichts davon hatte sie auf die Möglichkeit vorbereitet, sie könnte hier in Silesia jemandem begegnen, der ihre Mutter kannte, und das anscheinend sogar recht gut. Trotzdem gab es auf die Frage, die er gerade gestellt hatte, nur eine einzige ehrliche Antwort.
»Ja«, sagte sie und blickte ihm in die Augen. »Ja, das tue ich.«
»Irgendwie«, murmelte er, wie zu sich selbst, »überrascht mich das nicht.«
»Darf ich fragen warum nicht?«, erkundigte sich Honor und ging das Problem damit frontal an.
»Warum mich das nicht überrascht, Ma’am?« Er verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. »Ich habe Ihre Frau Mutter schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen, Commander, aber ich kenne mehrere Mitglieder ihrer Familie von Beowulf – und damit auch der Ihren, Ma’am – sogar recht gut. Und auch die Geschichte Ihrer Familie ist mir nicht fremd.«
»Gibt es einen besonderen Grund, warum Sie mich darauf ansprechen? Außer vielleicht, um ein wenig in Erinnerungen an meine Verwandten auf Beowulf zu schwelgen, meine ich?«
»Ja, den gibt es tatsächlich«, antwortete der Kellner, nun deutlich leiser. »Aber ich denke, hier und jetzt ist weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt, das weiter zu erörtern. Gibt es eine Möglichkeit, Sie an Bord Ihres Schiffes zu erreichen … ohne dass irgendjemand davon erfährt?«
Nun verriet Honors Miene nicht mehr nur bloße Verwirrung. Mit zusammengekniffenen Augen blickte sie ihn scharf an, doch trotz dieses angestrengten Blickes, den sie dem Kellner zuwarf, beobachtete sie aus dem Augenwinkel Nimitz. Die Katz hatte die Ohren aufgestellt, sie dabei aber dem Kellner zugewandt. Nimitz’ Blick war angespannt, und die Schwanzspitze hatte der Baumkater eingerollt, als wollte er ein Fragezeichen andeuten. Was auch immer hier geschehen mochte, Honors Gefährte schien keine unmittelbare Bedrohung zu verspüren.
Und zusammen mit der letzten Frage, die dieser Kellner ihr gestellt hatte, gab das Honor immens zu denken.
»Diese Frage kann ich nicht beantworten«, erwiderte sie schließlich. »Ich kann Ihnen versichern, dass jegliche Kommunikation mit meinem Schiff von unserer Seite aus gänzlich sicher wäre. Aber es steht mir nicht zu, mich für die Sicherheit auf Ihrer Seite zu verbürgen.«
Sie machte sich nicht die Mühe hinzuzufügen, dass jeglicher unerlaubte Eingriff in die Kommunikationssicherung des Schiffes von Jasper aus eine ernstzunehmende Verletzung zahlloser interstellarer Abkommen darstellen würde. Und der Blick des Kellners ließ vermuten, dass ihre Antwort ihn auch nicht überraschte. Glücklich war er darüber aber offenkundig auch nicht.
»Aber zufälligerweise«, hörte sie sich selbst sagen,
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