Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Feuertaufe

Die Feuertaufe

Titel: Die Feuertaufe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Weber
Vom Netzwerk:
ohne vorher darüber nachgedacht zu haben, »erwartet man mich nicht innerhalb der nächsten zwo oder drei Stunden zurück an Bord.«
    Die Miene des Kellners hellte sich sichtlich auf.
    »Dann, Commander …«, sagte er. »Ich meine, wo Sie doch noch ein wenig Zeit haben, bevor Sie an Bord zurückkehren müssen, und es zu regnen aufgehört hat: Haben Sie schon den Wozniak Park gesehen?«
    »Wie bitte?«
    »Den Wozniak Park, Ma’am. Ich meine den Mikolai-Wozniak-Gedächtnispark, benannt nach dem ersten Gouverneur des Saginaw-Sektors, Mikolaj Wozniak. Er liegt ganz hier in der Nähe – nur ungefähr dreieinhalb Kilometer entfernt. Im ganzen System ist er für die Landschaftsgestaltung und seine bemerkenswerten Wasserläufe bekannt.«
    »Nein«, erwiderte Honor und beobachtete wachsam das Minenspiel des Kellners. »Nein, bislang hatte ich noch keine Gelegenheit, ihn mir anzuschauen.«
    »Na, es wäre mir aber wirklich nicht recht, wenn Sie sich das entgehen ließen«, gab er zurück. »Vor allem, wenn Ihnen noch ein paar Stunden bleiben, bevor Sie auf Ihr Schiff zurückkehren müssen. Ich denke« – nun blickte er Honor geradewegs in die Augen –, »Sie werden feststellen, dass sich ein Besuch dort wirklich lohnt.«
    Ein letztes Mal zuckte Honors Blick zu Nimitz hinüber. Der Baumkater schien von diesem Kellner immer noch fasziniert zu sein, doch die Körpersprache der Katz ließ nach wie vor auf keinerlei Bedrohung schließen. Also schaute Honor erneut den Kellner an.
    »Ich weiß diesen Ratschlag zu schätzen«, sagte sie. »Und angesichts des Nachdrucks, mit dem Sie mir diesen Ratschlag erteilen, werde ich mir diesen Park vielleicht tatsächlich ansehen, bevor ich wieder zum Raumhafen zurückkehre.«
    »Sag mal, Stinker, bist du der Ansicht, ich hätte den Verstand verloren? Ich muss dir nämlich ganz ehrlich sagen« – Honor Harrington schüttelte den Kopf und blickte auf den großen, funkelnd blauen See inmitten des Mikolaj-Wozniak-Gedächtnisparks hinaus –, »ich bin mir mittlerweile sogar ziemlich sicher, dass dem so ist.«
    Gemeinsam mit Nimitz saß sie auf einer Bank, die immer noch nicht ganz getrocknet war. Der Himmel hatte sich in eine kristallblaue Kuppel verwandelt, über die immer noch vereinzelte, schwere Regenwolken hinwegzogen. Das Sonnenlicht tauchte die obersten Schichten der schwarzen Wolken in dramatisch gleißendes Weiß, und Honor fragte sich, ob die Kinder an diesem Tag aus irgendeinem Grund schulfrei hatten. Überall waren Kinder zu sehen, die zweifellos in genau dem richtigen Alter für den Schulbesuch waren. Dutzende ferngesteuerter Boote sprenkelten die Oberfläche des Sees, einschließlich einiger der besten Segelschiff-Nachbauten, die Honor je gesehen hatte, mindestens eines davon ein Vollschiff-Dreimaster. Honor schaute zu, wie das Modell – wahrscheinlich fast zwei Meter lang – ein Wendemanöver vollführte und Segel und Rahen sich in einer fließenden Bewegung den veränderten Windverhältnissen anpassten. Andere Schiffe sausten eifrig hin und her, und trotz des relativ kühlen Wetters (zumindest für Jasper; auf Sphinx hätte man es für recht warm gehalten) wateten einige Dutzend Kinder barfuß am Ufer durch das Wasser. Zahllose andere Kinder spielten lautstark Fangen, allerdings in einer anscheinend lokalen Abart des allgegenwärtigen Spiels. Der Wind trug freudiges Kreischen und Johlen von den Spielplätzen und einem herrlich schlammigen Fußballfeld herüber. Das alles erschien Honor so alltäglich, so normal, dass sie sich ernstlich ins Gedächtnis rufen musste, sie sei wahrhaftig nicht nur hier, um diesen Park zu genießen.
    Nimitz hingegen, der wie so häufig auf ihrem Schoß lag, schien keinerlei Schwierigkeiten damit zu haben, diese Tatsache im Blick zu behalten. Als Honor ihre Frage ausgesprochen hatte, richtete er sich auf, wandte ihr das Gesicht zu und legte ihr eine langfingrige Echthand an die Wange. Dann schüttelte er den Kopf. Ein unverkennbares »nein«. Honor blickte auf ihren Gefährten hinab und verzog die Lippen zu einem Lächeln.
    »Wahrscheinlich würde mich deine Diagnose deutlich mehr beruhigen, wenn du mich nicht schon so häufig voller Freude bei einigen anderen unfassbar dämlichen Dingen unterstützt hättest, die ich mir in meinem Leben geleistet habe«, sagte sie streng zu ihm. »Wie zum Beispiel, während einer Regatta so niedrig über das Schiff des Commodore hinwegzurasen, dass der arme Kerl vor Schreck über Bord gegangen ist. Wenn ich das

Weitere Kostenlose Bücher