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Die Herrin des Labyrints

Die Herrin des Labyrints

Titel: Die Herrin des Labyrints Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andrea Schacht
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durch.«
    »Fein, herzlichen Glückwunsch.«
    Sie erzählte mir dann auch noch von dem phantastischen, gigantischen Wahnsinnsfilm, den Nandi jetzt gerade fertiggestellt hatte und der in den nächsten Tagen in die Kinos kommen sollte, dann konnte ich sie langsam zum Thema Enkelkind lotsen.
    »Ach ja, genau. Das wollte ich dir zeigen. Wir haben nämlich sozusagen Archäologie betrieben. Du hast uns da mit den Zeitungen auf eine Idee gebracht. Wir haben uns auch alte Berichterstattungen schicken lassen. Hat ein bisschen was gekostet, weil die meisten Sachen noch übersetzt werden mussten. Aber wir haben nicht nur die Berichte kurz nach dem Aufruhr durchgesehen,sondern auch die Artikel in der folgenden Woche. Sieh mal hier!«
    Der kurze Bericht erwähnte, dass die Leiche eines europäischen Kindes von circa zweieinhalb Jahren im Garten des internationalen Hospitals gefunden worden war, durchaus wohlhabend gekleidet, aber ohne irgendwelche Hinweise auf seine Identität.
    »Und du meinst, das ist unwiderlegbar?«
    »Also hör mal! Das wäre doch mehr als ein Zufall. Halima packt das Kind bei Nacht und Nebel vor das Krankenhaus und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Das Kurze wacht auf, krabbelt in die Büsche und – na ja, wer weiß, was da alles passiert. Oder vielleicht hat sie ja auch das Schlafmittel ein bisschen zu stark dosiert.«
    Was für eine Sensation wäre das geworden, jetzt Nicole die mir bekannten Fakten zu präsentieren!
    »Hat sie nicht, Nicole. Das Kind wurde vom Krankenhauspersonal gefunden, und eine der dort beschäftigten Krankenschwestern hat es zu sich genommen.«
    »Woher weißt du das denn? Das ist ja ganz neu!« Eine warnende Stimme erhob sich und flüsterte mir leise zu, nicht alles preiszugeben, was ich wusste. Warum ich plötzlich so misstrauisch war, konnte ich noch nicht einmal sagen.
    »Halima lässt das von Bekannten dort prüfen, und dann werden wir Näheres wissen.«
    »Du meine Güte!«, war Nicoles ganzer Kommentar, und sie sah mich mit einem Blick an, der mir sehr eigenartig vorkam. »Nandi wird erstaunt sein.«
    »Bestimmt. Ich bin auch gespannt, was die Unterlagen aussagen. Sie werden wohl den Namen der Familie beinhalten, die das Kind aufgenommen hat.«
    »Ob man die jemals bekommt? Ich denke, das wird in Kairo nach dreißig und mehr Jahren wohl ein bisschen schwierig sein.«
    Ich stimmte mit einem betrübten Nicken zu. Über Nicoles Gesicht huschte so etwas wie Erleichterung, und anschließend wechselte sie das Thema. Sie hatte das Tanzen aufgegeben und sich inzwischen einer Frauengruppe angeschlossen,deren Aktivitäten sich vornehmlich nach dem Mond richteten. Ich erhielt einige wertvolle Tipps zu Haarpflege und Gartengestaltung von ihr. Aber ich merkte, dass sie nicht ganz bei der Sache war und mich eigentlich ganz gerne losgeworden wäre. Vermutlich wollte sie Nandi die Neuigkeiten mitteilen. Ich tat ihr also um kurz vor zehn den Gefallen und verabschiedete mich.
    »Wir müssen uns unbedingt wieder häufiger treffen. Du hast ja jetzt abends vermutlich ein bisschen mehr Zeit. Wo doch Ulli immer mit seiner netten Kollegin essen gehen muss.«
    »Muss er? Ich dachte, das macht er freiwillig.«
    »Mir hat er gesagt, es seien Geschäftsbesprechungen, als wir ihn neulich bei Valentino getroffen haben.«
    »Vermutlich war die Kollegin äußerst elegant, hatte ihre roten Haare in Designer-Schnitt gestylt und hörte auf den schönen Namen Isabell.«
    »Du kennst sie?«
    »Eine Raubritterin. Armer Ulli!«
    Er war in dieser Nacht nicht nach Hause gekommen, und ich schwankte zwischen Enttäuschung und Erleichterung. Keine Frau sieht es gerne, wenn sie wegen einer anderen verlassen wird, andererseits würde Ulli mir wahrscheinlich eine Entscheidung abnehmen, wenn er von sich aus unsere inzwischen so schal gewordene Beziehung beendete. Ich nahm mir vor, ihm gegenüber, wenn er sich wieder meldete, mit keinem Wort die Sache zu erwähnen.
    Er kam am nächsten Abend nach Hause, und ich merkte an seiner betretenen Miene, dass er bereit war, sich einer Szene zu stellen. Da aber von meiner Seite aus nichts erfolgte, wurde er von Stunde zu Stunde unruhiger, und kurz bevor ich zu Bett gehen wollte, brach es dann aus ihm heraus.
    »Amanda, ich werde ausziehen!«
    »So. Na gut.«
    »Ich … es hat nichts mit dir zu tun …«
    »Nein. Natürlich nicht.«
    »Nein, ich meine, wegen der Sache neulich.«
    »Ich verstehe.«
    »Ich … oh, mach es mir doch nicht so schwer!«
    »Ich mach dir doch nichts

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