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Die Hueter Der Rose

Die Hueter Der Rose

Titel: Die Hueter Der Rose Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rebecca Gable
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schwang sich dann in den Sattel.
    Auch John trat zu Somerset und umarmte ihn kurz. »Pass ja auf dich auf. Es wäre einfach lächerlich, jetzt noch zu fallen.«
    »Ich werd mir Mühe geben. Und gib du auch auf dich Acht. Mir wäre wohler, du hättest die Rüstung angelegt.«
    John winkte ab. »Ich schätze, Schnelligkeit wird uns ein besserer Schutz sein als Panzerung, denn sie macht uns so gut wie unsichtbar. Das ist in unsicherem Gelände immer noch die beste Strategie, stimmt’s?« Damit saß er auf, hob die Hand zum Gruß, und schon ritt er Seite an Seite mit Tudor aus dem Hoftor.
    »Gott behüte dich, Onkel«, flüsterte eine erstickte Stimme neben Somerset.
    Der schaute zur Seite und zwinkerte Daniel zu. »Kopf hoch, Junge. Er wird im Handumdrehen wieder hier sein. Und sei ihm nicht gram. Nicht du bist es, dem er grollt, sondern dein Vater.«
    »Oh ja, Sir. Dafür hab ich Verständnis«, kam die grimmige Antwort.
    Somerset musste sich ein Grinsen verbeißen. »Wie ausgesprochen großmütig von dir.«
    Daniel warf ihm einen raschen Blick zu. »Hab ich schon wieder was Falsches gesagt? Ich glaube, ich werd’s nie lernen.«
    »Doch, doch«, entgegnete der junge Edelmann zuversichtlich. »Aber es ist noch kein Ritter vom Himmel gefallen. Pass auf, Daniel, ich mache dir einen Vorschlag. Wir haben auch einen langen Ritt vor uns. Unterwegs werde ich dir alles beibringen, was ich über Manieren weiß. Und das ist nicht wenig, glaub mir, denn ich habe mehr als mein halbes Leben bei Hofeverbracht. Du musst mir im Gegenzug versprechen, dass du dir Mühe geben wirst. Und wenn John zurückkommt, wirst du ein solches Wunder an vornehmem Auftreten und Beherrschung sein, dass er von früh bis spät dein Loblied wird singen müssen. Wie wär’s?«
    Daniel schaute mit großen Augen zu ihm auf. »Warum solltet Ihr das für mich tun wollen, Sir?«
    Somerset hob kurz die Schultern. »Nun, weil du die Mühe wert bist. Du bist ein anständiger Kerl, Daniel, wie dein Onkel und auch dein Vater, der ein viel besserer Mann ist, als John wahrhaben will. Kurz gesagt: Weil du ein Waringham bist.«
    »Aber Sir …« Daniel schlug die Hand vor den Mund und murmelte dann undeutlich: »Gott, es ist verflucht schwierig, zu sagen, was man meint, wenn man nicht ›aber‹ sagen darf.«
    »Regel Nummer eins: Fluche niemals in Gegenwart einer Person, die höher steht als du. Vor allem: Führe niemals den Namen des Herrn eitel. Mit Simon kannst du reden, wie dir der Schnabel gewachsen ist; ich weiß, er flucht lästerlich und mit großem Vergnügen, sobald ich außer Hörweite bin. Aber vor einem Ritter oder Edelmann solltest du es nie tun, vor einer Dame natürlich erst recht nicht. Doch du hast bis auf weiteres meine ausdrückliche Erlaubnis, das Wort ›aber‹ zu verwenden. Also? Wie sollte dein Einwand lauten?«
    Daniel breitete die Arme aus, als liege das auf der Hand: »Ich bin nur ein Bastard.«
    Somerset lächelte. »So wie mein Vater.«
     
    John und Tudor mieden die relativ gut instand gehaltene Straße, die parallel zur Seine verlief, denn das gesamte Gebiet östlich des Flusses war unsicher. Sie schlugen sich also in die Wälder und nahmen lieber die Unannehmlichkeiten des hügeligen, teilweise unwegsamen Geländes auf sich, als auf der Straße zu riskieren, französischen Truppen zu begegnen. Ihr Ziel lag nur fünfzig Meilen südöstlich von Rouen – sie hofften, selbst in schlechtem Gelände am nächsten Tag dort anzukommen.
    Der Februarmorgen war sonnig und klirrend kalt. Kein schlechtes Reisewetter. Meist war der Untergrund zu trügerisch und der Schnee zu hoch, um zu galoppieren, und so froren Pferde und Reiter, aber sowohl Tudor als auch John besaßen gute, gefütterte Wollmäntel, die der König ihnen im letzten Winter hatte anfertigen lassen.
    Als der Wald ausdünnte, gelangten sie hügelabwärts an verschneiten Feldern vorbei zu einem Dorf, das vor der weißen Kulisse verdächtig schwarz wirkte.
    »Reiten wir außen herum?«, fragte John.
    Tudor sah blinzelnd nach vorn und schüttelte dann den Kopf. »Lass uns lieber dem Pfad folgen, im Feld brechen die Gäule sich die Knochen. Ich glaube nicht, dass irgendwer in dem Dorf uns an die Franzosen verraten wird.«
    »Nein«, stimmte John zu. »Kaum.« Es klang grimmig.
    Sie hatten sich nicht getäuscht: Als sie sich dem Weiler näherten, fanden sie das erste zertrampelte Federvieh und Blutschlieren im Schnee. Die Katen waren nur mehr geschwärzte Gerippe, und die Leiber

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