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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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allen Details geschildert bekommen, wie Hildegard einst als Kind etwas Zuckerwerk aus der Küche gestohlen und es ihr angeboten hatte, ohne darauf hinzuweisen, dass es Diebesgut war. Sie vernähte die vollständig ausgestopfte Puppe, griff dann nach den bereitliegenden bunten Wollfäden. Es sollte ein fröhliches Gesicht werden, beschloss sie, denn in Mabiles Leben hatte es genug Trauer gegeben. Während sie einen roten Faden für die Lippen am Ende der Hornnadel befestigte, blickte sie auf, um nachzusehen, wohin das meiste Tageslicht im Zimmer strömte. Kurz streifte ihr Blick Hildegards Gesicht, das immer noch erschreckend verkrampft wirkte. Ihr Mund bewegte sich, doch dauerte es eine Weile, bis endlich Worte hörbar wurden.
    » Es war damals in Dun, als… « , sie verstummte, ballte ihre Hände zu Fäusten und holte nochmals Luft. » Ich habe dir erzählt, dass… «
    Ein Hämmern an der Tür unterbrach sie. Hildegard sah ihre Schwester zusammenzucken, als werde auf sie selbst eingedroschen.
    » Adelind, Hildegard, ihr müsst sofort in den Gemeinschaftssaal kommen « , folgte nun Rosas barsche Stimme. » Die Gräfin Esclarmonde ist unerwartet eingetroffen. «
    Dann ließ das Getrappel von Füßen auf hölzernen Planken bereits das Haus erbeben. Adelind ergriff rasch ihren Schleier, den sie wegen der Hitze kurz abgelegt hatte, während Hildegard die Tür aufriss. Für einen winzigen Moment vermeinte sie, tiefe Erleichterung auf dem Gesicht ihrer Schwester erkennen zu können, tat dies jedoch als Einbildung ab.
    » Hier wurde ein Infirmarium eingerichtet « , erzählte Adelind und wies auf Kräuterbündel und Salbentöpfe in einer winzigen dunklen Kammer. » Leider ist im Haus kein Platz für einen Garten. Ich schicke die Kinder nach dem Unterricht manchmal los, damit sie im Umland Pflanzen sammeln. Ursanne kann sie sehr gut beschreiben und erkennt außerdem sofort am Geruch, ob es die richtigen sind. «
    Sie zeigte Esclarmonde zudem zwei Werke, die sie bereits von Schwester Brigitta aus dem Kloster kannte und hier ebenfalls sofort angeschafft hatte. » De viribus herbarum « von Odo Magdunensis und die » Simplicia « des Galen aus Pergamon. Die Gräfin öffnete beide Bücher, um Zeichnungen von Pflanzen zu betrachten und ihre Finger über lateinische Buchstaben gleiten zu lassen. Sie sah zufrieden aus, und Adelind erhielt ein paar anerkennende Blicke von den Frauen der Gemeinschaft. Bisher waren es vierzehn, doch hatten sich bereits neue Zugänge angekündigt. Ihr Wunsch, die Bettlermädchen aufzunehmen, scheiterte oft daran, dass Platz für Damen des okzitanischen Kleinadels gebraucht wurde.
    » Im Nebengebäude haben wir ein kleines Spital eingerichtet « , erzählte sie weiter und wies der Gräfin den Weg. » Bisher haben wir nur zehn Betten und nehmen hauptsächlich Frauen auf, da wir keinen getrennten Raum für Männer einrichten können. Die Armen der Stadt kommen häufig zu uns, wenn sie krank sind. Dank Ursannes Weisungen vermag ich Ausschlag, Fieber und leichte Verletzungen inzwischen recht gut zu heilen. Schwere Fälle schicke ich zu einem jüdischen Medicus, den wir von unseren Geldern bezahlen. Ich hoffe, Ihr habt Verständnis. «
    » Bei Todkranken holen wir natürlich einen Diakon aus dem Haus unserer Brüder an der Pòrta Sant Nazari « , warf Rosa sogleich ein. » Er kann ihnen schnell das Consolament spenden. «
    Esclarmonde blickte von einer Sprecherin zur nächsten.
    » Manchmal wurde das Consolament auch von Ursanne gespendet « , fügte Adelind hinzu. » Da war eine Frau, die mit einer tiefen Wunde im Bauch vor unserer Pforte auftauchte. Sie wäre uns verblutet, denn der Weg zur Pòrta Sant Nazari ist von hier aus recht weit. «
    Die domus befand sich zwischen der Pòrta d’Aude und dem Palast des Vescomte, im südlichen Teil der Stadt, während die Männer am nördlichen Ende lebten.
    » Das war völlig richtig. Auch eine Perfacha kann Sterbenden das Consolament schenken « , meinte die Gräfin, womit sie dieses Thema für beendet hielt.
    » Wenn wir mehr Räumlichkeiten hätten, Dòna « , fuhr Adelind nun fort, um taktvoll ihre Wünsche auszudrücken, » so könnten wir das Spital ausbauen, zudem vielleicht eine Schule für die Kinder der Armen errichten. «
    Esclarmonde senkte zustimmend den Kopf.
    » Adelind will nicht nur den Töchtern der adeligen Damen das Lesen und Schreiben beibringen, sondern allen Kindern, die hier auftauchen « , mischte nun Cadichona sich plötzlich ins

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