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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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Pàmias stattfinden, auf der Burg meines Bruders, bereits in sechs Wochen. «
    Sie legte den Löffel, mit dem sie Fischstücke zerkleinert und zum Mund geführt hatte, nun zur Seite.
    » Ich würde mir wünschen, dass meine Tochter mich bei diesem wichtigen Anlass begleitet. «
    Olivettes blasses Gesicht strahlte plötzlich vor Stolz. Nun, da sie aufrecht dasaß und eine selbstbewusste Miene aufgesetzt hatte, war sie wirklich als Tochter ihrer Mutter zu erkennen.
    » Alle anderen, die hier versammelt sind, sollen natürlich auch mitkommen. Wir werden jede Hilfe brauchen können, um uns gegen die Angriffe der Katholiken zu verteidigen. «
    Esclarmonde ließ ihren Löffel sinken. Ein Hustenanfall erschütterte plötzlich ihren Körper, ließ Olivette aufspringen und ihrer Mutter einen Becher Wein reichen. Bald schon hatte die Gräfin sich wieder gefangen, nur ein paar rote Tupfen auf ihrer rechten Hand, die sie vor ihrem Mund gehalten hatte, wirkten beunruhigend. Adelind hoffte, dass sie von dem Rotwein stammten.
    Ein Wagen hatte Adelind und ihre sociae, Gefährtinnen im Glauben, abgeholt, um sie nach Pàmias zu bringen. Die Reise dauerte den ganzen Tag, führte sie durch die hügelige Landschaft des Languedoc, vorbei an Pinien, Palmen, gelb blühenden Ginsterbüschen und der rötlichen Pracht der Blüten des Oleanderbaums. Jene Farben, nach denen Adelind sich in ihrem Leben stets gesehnt hatte, schienen nun vor ihr ausgebreitet wie ein von begnadeter Hand gewebter Teppich.
    » All dies, was du bewunderst, ist das Werk des Teufels « , wurde sie auch schon von Rosa ermahnt und überhörte deren Worte, wie sie es in den letzten Jahren zu tun gelernt hatte. Immer wieder tauchten kleine Dörfer auf, die mit der Natur verwachsen schienen, aber auch befestigte, durch Mauern geschützte Ortschaften und Burgen. Herden von Ziegen oder Schafen wurden über Wiesen getrieben, und schwer beladene Karren zogen vorbei, um Waren in Fässern und Säcken zum nächsten großen Marktplatz zu transportieren.
    Dieses Land war reich, befand Adelind. So reich, dass es vielleicht tatsächlich stark genug sein könnte, sich dem harten Griff Roms zu entziehen.
    Die Türme von Pàmias ragten in einen sich bereits dunkelgrau färbenden Himmel, als der Wagen durch das Eingangstor der Stadtmauer rollte. Obwohl Adelind die Reise zunächst genossen hatte, wurde sie von bleierner Müdigkeit überwältigt, da sie den ganzen Tag in einem holpernden Gefährt gesessen hatte, nur schwach geschützt durch ein Kissen, das auf den Holzplanken des Sitzes lag. Olivette schien es ähnlich zu ergehen, denn trotz aller Aufregung, ihrer Mutter bald wieder begegnen zu können, verbarg sie ihr Gesicht immer wieder hinter beiden Händen, um sich das Gähnen nicht anmerken zu lassen. Allein Rosa ertrug die lange Fahrt, wie sie im Leben jede Unannehmlichkeit ertrug, mit steinerner Miene.
    Ein weiteres Tor wurde durchquert, dann gelangten sie in den äußeren Hof der Burg des Grafen de Foix, wo bereits zahlreiche, zum Teil viel prächtigere Wagen standen, Pferde von Knechten in Verschläge geführt wurden und eine ganze Prozession von Bediensteten damit beschäftigt war, Kisten von Gefährten zu hieven und anschließend durch ein weiteres Tor zu den Wohnräumen der Burganlage zu schleppen. Die meisten Teilnehmer des Disputs mussten bereits eingetroffen sein.
    Adelind, Rosa und Olivette kletterten unaufgefordert hinaus, um ein wenig ihre Glieder zu strecken. Ursanne war auf eigenen Wunsch in Carcassona geblieben, da ihr längere Reisen heftige Gliederschmerzen bereiteten. So drehten die drei Frauen rasch eine Runde auf dem Hof, wobei sie stets Lastenträgern ausweichen mussten und Olivette sich ihren Fuß an dem eisernen Beschlag einer herumstehenden Truhe anstieß. Dann tauchte ein aufgeregt mit den Händen fuchtelnder Bediensteter auf, der die » Damen der Gräfin « zu sich winkte. Ebenso wie die Kisten und Säcke wurden sie zunächst in den inneren Hof gebracht und anschließend durch ein Labyrinth aus Gängen und Treppen geführt. Schließlich tauchte eine winzige Kammer auf, in die ein breites Bett, ein Tisch und eine Bank mit großer Mühe hineingezwängt worden waren.
    » Eure Gemächer, Dònas « , erklärte der Diener. » Die Gräfin wird sicher bald nach Euch sehen. «
    Er verschwand mit einer Verbeugung. Adelind, die froh war, all ihre Habseligkeiten in einem Sack verstaut zu haben, den sie bei sich trug, setzte sich auf das Bett. Sie sehnte sich nach etwas

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